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Wissen Weibliche Masturbation: (K)ein Tabuthema
Nachrichten Wissen Weibliche Masturbation: (K)ein Tabuthema
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12:07 07.03.2019
Weibliche Masturbation ist für viele Frauen ein Tabuthema. Quelle: iStock
Hannover

Was Sex ist und wie die schönste Nebensache der Welt funktioniert, wissen viele Jungen und Mädchen schon vor dem Aufklärungsunterricht in der Schule. Selbstbefriedigung hingegen ist oft ein Tabuthema. Gerade Frauen scheint es oft unangenehm zu sein, über Masturbation zu sprechen.

Ann-Marlene Henning ist Deutschlands bekannteste Sexualtherapeutin, Autorin und macht aktuell ihren Master in Sexologie an der Hochschule Merseburg. Sie weiß, wieso weibliche Masturbation immer noch oft ein Tabuthema ist und gibt Frauen Tipps für eine erfüllende Selbstbefriedigung.

Wieso wurde über weibliche Masturbation so lange nicht gesprochen?

Es wurde im Allgemeinen lange nicht über Masturbation gesprochen. Das hat zwei Gründe: Zum einen dachte man Ende des 18. Jahrhunderts, Selbstbefriedigung würde wahnsinnig machen, denn in Psychiatrien gab es viele Leute mit Syphilis im Endstadium. In der Schlussphase der Krankheit ist man enthemmt, weil das Vorderhirn betroffen ist. Die Leute haben also überall masturbiert – zum Beispiel auf den Gängen. Diese Idee, Masturbation sei schlecht, gefährlich, dreckig und vom Teufel ausgelöst betraf beide Geschlechter. Zum anderen ist die Selbstbefriedigung der Frau lange Tabu gewesen, weil das weibliche Genital mit so vielen Mythen, Flüchen und Scham belegt war, dass Masturbation da gar nicht in Frage gekommen ist.

Können Frauen lernen, alleine zum Höhepunkt zu kommen?

Das können sie und das ist ganz einfach. Fast jede Frau kann kommen. Nur wenige, die beispielsweise neurologische Störungen haben, können es nicht – das ist vielleicht eine von 10 000 Frauen. Der weibliche Orgasmus hat aber, ähnlich wie beim Mann, damit zu tun, dass genug Blut in die Genitalien läuft. Das funktioniert zum Beispiel gut, indem man sich auf den Rücken legt.

Die Klitoris hat ungefähr zwei bis drei Mal so viele Neuronen an der Spitze wie die Eichel – Frau kann also allemal zum Höhepunkt kommen. Sie muss es allerdings üben. Verbindet das Gehirn die Vagina jedoch mit Ekel, kann es zu Problemen kommen. Der Kopf ist der größte Lustkiller.

Ist Selbstliebe wichtig für den Orgasmus?

Das allgemeine Befinden oder die Probleme eines Menschen spielen durchaus eine Rolle. Dazu gehören viele Faktoren, zum Beispiel, wie ein Mensch sexuell aufgestellt ist, welche Fantasien und Gefühle er hegt und wie er groß geworden ist. Wenn eine junge Frau beispielsweise gegen eine katholische Erziehung oder strenge Eltern ankämpft, kann ein Orgasmus schwierig werden.

Das hat aber nichts mit allgemeinem Selbstwertgefühl oder Intelligenz zu tun. Manchmal ist es einfacher, weniger über etwas zu wissen oder nachzudenken, weil man es dann einfach macht und denkt: „Oh, das fühlt sich gut an. Das mache ich noch mal.“ Es ist mit weniger Druck verbunden.

Haben Frauen einen schlechteres sexuelles Selbstbild?

Sämtliche Untersuchungen zeigen, dass Frauen einen schlechteren Zugang zu ihrem Geschlechtsteil haben. Das wirkt sich oft auf den Orgasmus, die Sexualfunktion und auch auf ein riskantes Sexualverhalten aus. Dabei ist die Vagina nicht „dreckig“ – sie reinigt sich im Gegensatz zum Penis selbst. Außerdem gibt es kaum gute Bezeichnungen für die Vulva. Viele Frauen sagen eher „da unten“ oder „untenrum“ während Männer „Rüssel“ oder „Schwert“ sagen, wo mehr Aktivität drin steckt. Das weibliche Geschlecht wird als passiv, inaktiv oder abwartend beschrieben.

Ist weibliche Selbstbefriedigung heutzutage ein größeres Thema?

Die Häufigkeit der Masturbation ist für beide Geschlechter gestiegen. Es gibt aber immer noch ein Ungleichgewicht: Während über 90 Prozent der Männer sich selbst befriedigen, sind es bei Frauen nur 66 Prozent.

Durch Dildo-Parties und soziale Medien sollte man meinen, heutzutage wird mehr darüber gesprochen – der Effekt ist aber viel kleiner als viele denken, weil man nicht darüber spricht, was nicht klappt. Gerade bei Vibratoren fasst Frau nicht hin, sondern legt nur auf. Das führt zu einer bestimmten Erregung. Ich habe den Womanizer und den Satisfyer auch getestet und man kommt vielleicht in einer halben Minute zum Höhepunkt – allerdings sehr punktuell. Erregung geht aber auch anders, länger und intensiver. In einer Minute kann man sich nicht gut einheizen und was beim Orgasmus nun mal entladen wird, ist die Erregung.

Sollte man bei der Selbstbefriedigung auf Sexspielzeug verzichten?

Sexspielzeuge können bei der Masturbation toll sein, sind aber auch mit Vorsicht zu genießen. Liegt man als Frau entspannt auf dem Rücken und legt einen Vibrator auf, kann sich das Blut durch das Rütteln gut verteilen. Bewegt sich das Spielzeug schnell und heftig, kommt es zu einer Anspannung. Das ist erstmal nichts Schlechtes – man braucht sie, um zum Orgasmus zu kommen. Ist das Rütteln aber zu schnell, ist es gar nicht möglich, im gesamten Körper erregt zu werden.

Ich höre von vielen Frauen, dass sie dadurch Probleme damit haben, beim Sex mit ihrem Partner zum Orgasmus zu kommen. Man kann gewissermaßen abhängig von der starken Vibration werden.

Von RND/jo

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