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Wissen Wie Karl May im Zuchthaus eingeschätzt wurde
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17:16 15.11.2019
Die neue Dauerausstellung im Foyer des Staatsarchivs Leipzig: Volker Jäger, Andrea Wettmann und Alexander Fleischmann bei der Eröffnung. Quelle: André Kempner
Leipzig

Ganz so spektakulär wie das neue Stadtarchiv Leipzig auf der Alten Messe ist es zwar nicht. Doch auch das Sächsische Staatsarchiv hat seine Außenstelle in der Schongauer Straße „aufgehübscht“. Seit März 2019 wurde in Paunsdorf gebaut – am Freitag konnte die neue Dauerschau samt einer Schatzkammer eingeweiht werden. Für die Besucher hat sich zudem der Service verbessert. Im Lesesaal wurden mehrere Arbeitsplätze für die Nutzung von Mikrofilmen und Makrofiches integriert. Im Foyer informieren jetzt großformatige Tafeln über die Arbeit der Archivare.

Das Staatsarchiv Leipzig hat sein Foyer aufgehübscht und eine neue Dauerschau samt Schatzkammer gestaltet.

„Unsere Aufgabe ist es, von den Behörden und Gerichten die archivwürdigen Unterlagen zu übernehmen“, erläutert Andrea Wettmann, die Direktorin des Sächsischen Staatsarchivs, das neben dem Hauptsitz in Dresden und der Niederlassung in Leipzig auch in Chemnitz, Freiberg und Bautzen vertreten ist. Für die Nachwelt bewahrt werde nur ein kleiner Teil. Etwa 98 Prozent der eingereichten Papiere und Unterlagen gehören nicht dazu.

Archivare entscheiden, was Wert für die Zukunft hat

Was bewahrenswert ist und bleibenden Wert hat, entscheiden die Archivare selbst – auf Grundlage der Gesetze. Die Bestände im Staatsarchiv reichen bis in 13. Jahrhundert zurück. Dabei müssen die Mitarbeiter dafür sorgen, dass auch künftige Generationen das „Gedächtnis des Freistaates“ und die Originale nutzen können. Die neu gestaltete Dauerschau zeigt seltene Stücke, informiert zugleich über die Aufgaben des Archives. Und zwar so, dass es vom Schüler bis zum Wissenschaftler jeder versteht. „Bei einem Archiv geht es um Menschen und ihre Tätigkeiten. Das haben wir versucht, darzustellen“, sagt Alexander Fleischmann, Chef der Kocmoc.net GmbH, die die Ausstellung gestaltete.

Das Staatsarchiv Leipzig

Das Leipziger Archiv wurde 1994 am jetzigen Standort in der Schongauerstraße 1 eröffnet. Es ist zuständig für die Archivierung von Unterlagen von Behörden, Gerichten und öffentlichen Stellen im Direktionsbezirk Leipzig. Mit mehr als 23 Kilometern Material aus acht Jahrhunderten ist es das größte Leipziger Archiv. Aufbewahrt werden 800 Urkunden, 60 000 Karten und Pläne sowie Fotos, Nachlässe, audiovisuelle Medien und andere Aufzeichnungen vom 13. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Das Archiv beherbergt die bedeutendste Überlieferung von Musikverlagen im deutschsprachigen Raum. Beschäftigt werden in Leipzig 21 Mitarbeiter. Das Sächsische Staatsarchiv hat insgesamt 125 Stellen an allen fünf Standorten, an denen mehr als 107 Kilometer laufende Meter Akten, gut 60 000 Urkunden, rund 750 000 Karten und Pläne sowie mehr als zwei Millionen Fotos gesammelt sind.

www.archiv.sachsen.de

„Unsere Schatzkammer stellt Archivalien vor, die eine Geschichte erzählen oder von enormer historischer Bedeutung sind“, erklärt Volker Jäger, der Leiter des Staatsarchivs Leipzig. Die älteste Urkunde stammt aus dem Jahr 1285 – ausgestellt von Papst Honorius IV. (1210-1287). Darin weist er den Abt des Klosters St. Jakob zu Pegau an, die Sündenstrafen einiger mit dem Kirchenbann belegter Mönche persönlich zu vergeben und andere Brüder nach Rom zu schicken. Das Besondere: Später wurde die Papsturkunde als Einband eines Registers verwendet.

Schatzkammer zeigt Eintrag von Straftäter Karl May

Eigentlich unspektakulär sind Registereinträge aus dem Zuchthaus Waldheim. Doch sie gelten Karl May (1842-1912), der Schriftsteller und zugleich Straftäter war. Eine Verurteilung wegen Diebstahls, Betrugs und Fälschung führte ihn 1870 zu einer vierjährigen Haftstrafe nach Waldheim. Bei seiner Entlassung am 2. Mai 1874 wurde der mehrfach Vorbestrafte als „kalt, gleichgültig, glatt, hochmütig“ beurteilt. Seine Witwe Klara unternahm nach seinem Tode alles, um das kriminelle Vorleben zu verschleiern – auch das macht das Dokument einzigartig.

Weitere Akten zeigen spektakuläre Kriminalfälle – so wurde im Februar 1988 ein Gemälde von Caspar David Friedrich im Leipziger Bildermuseum ausgetauscht und für einige Stunden durch einen Kunstdruck ersetzt. Weitere Akten belegen das Schicksal einer jüdischen Familie sowie eines polnischen Zwangsarbeiters.

Öffnungszeiten: montags/mittwochs, 8.30 bis 18 Uhr; dienstags/donnerstags, 8.30 bis 16 Uhr. Freitags ist geschlossen.

Von Mathias Orbeck

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