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Altenburg „Akademie in der Aula“: Soziologin blickt zum Auftakt auf schrumpfende Städte
Region Altenburg „Akademie in der Aula“: Soziologin blickt zum Auftakt auf schrumpfende Städte
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11:33 13.09.2019
Professorin Katrin Großmann beim Auftakt der Reihe „Akademie in der Aula“ in der Volkshochschule in Altenburg. Quelle: Katharina Stork
Altenburg

„Es ist nicht einfach, ein neues Format in einer Kleinstadt zu etablieren. Das weiß ich aus Erfahrung,“ sagt Michael Hein, pädagogischer Mitarbeiter der Volkshochschule Altenburger Land. Und trotzdem blickt er voller Zuversicht auf diese erste Ausgabe der Vortragsreihe „Akademie in der Aula“, die die Erfurter Professorin Katrin Großmann bestreitet. „Schrumpfende Städte in Thüringen: Über Trends, Unterschiede und nicht zuletzt über Würde“ heißt der Vortrag der Soziologin und hat eine knapp zweistellige Besucherzahl in die renovierte und frisch bestuhlte Aula der Volkshochschule gezogen.

Großmanns Arbeitsschwerpunkte liegen unter anderem im Bereich des sozialen Zusammenhalts und bei Konflikten und Migration in Städten. In ihrer Doktorarbeit hat sie sich mit der Stadt Chemnitz um das Jahr 2000 befasst und beschäftigt sich demnach schon länger mit dem Phänomen der schrumpfenden Städte in Mitteldeutschland. „Ich hätte bei dem Thema selbst nur mit drei Besuchern gerechnet. Ich dachte, das lockt keinen mehr hinter dem Ofen hervor“, sagt Großmann bei der Begrüßung.

Auf den Symbolbildern darf nicht die Sonne scheinen

In ihrem Vortrag verknüpft sie das Schrumpfen einer Stadt mit einem dahergehenden Verlust der Würde. Denn Würde konstituiert sich ihrer Definition nach aus Selbstachtung und öffentlicher Anerkennung vor der Folie gesellschaftlicher Wertvorstellungen. Und heutzutage wird alles, was nicht anwächst, größer und reicher wird, automatisch als Problem oder Defizit angesehen. Das Schrumpfen einer Stadt wäre demnach ein Problem oder auch eine Art Verlusterfahrung, die an der Würde der Stadt oder vertretend auch der Bewohner nagt. Das macht Großmann deutlich anhand der Berichterstattung verschiedener Medien, in der vor allem eins deutlich wird: Verzweiflung. „Auf den Symbolbildern darf ja nicht die Sonne scheinen und die Bewohner müssen möglichst gebrechlich aussehen“, sagt sie halb zynisch, halb lachend. Dabei wird deutlich, dass schrumpfende Städte kein regionales oder lokales, sondern tatsächlich ein globales Phänomen sind. Großmann verweist in ihren Folien mehrfach auf die amerikanische Stadt Detroit, einen Härtefall.

Altenburg wird älter

Waren es früher die schrumpfenden Großstädte, die Sorge bereiteten, ist es nun der schrumpfende ländliche Raum. Vordergründig. Denn so pessimistisch betrachtet Großmann die Lage gar nicht. Altenburg liegt beispielsweise im thüringischen Trend, was die sinkenden Einwohnerzahlen anbelangt. „Die Jungen werden weniger, die Alten werden mehr.“ Anders als gedacht, machte sich die Flüchtlingskrise 2015 laut ihrer Statistik im Großen und Ganzen in den Zahlen kaum bemerkbar, dieAltersgruppe 65 und älterwächst nichtsdestotrotz deutlich. Dem liegt unter anderem die Ruhestandszuwanderung aus den dörflichen Gebieten zugrunde. Das Problem, das sich in der öffentlichen Meinung daraus ergibt, ist eine geringere Produktivität der Bewohner bei steigendem Altersdurchschnitt. Großmann sagt jedoch: „Jede Stadt schrumpft anders. Es gibt keine Rezepte, nur lokale Lösungen.“ Und: „Alle wollen sie junge Familien in den schrumpfenden Städten – aber alte Leute sind auch eine Ressource.“

Daher solle man in diesen Städten die Selbstachtung fördern und sich nicht selbst stigmatisieren. Mehr das fördern, was da ist und nichts herholen, um das Alte zu verbessern. „Denn es ist die Mühe wert.“

Ein anpackender Vortrag ist es, der den Auftakt von „Akademie in der Aula“ markiert. Und der macht Lust auf die weiteren Termine, die noch folgen.

Von Katharina Stork

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