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Altenburg Altenburger Bibliothek wird ausgezeichnet – und braucht mehr Platz
Region Altenburg Altenburger Bibliothek wird ausgezeichnet – und braucht mehr Platz
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06:00 15.12.2017
Eng gestellte Regale und ziemlich veraltetes Mobiliar: Bibliotheksmitarbeiter (hier eine Aufnahme aus dem Jahr 2014) und Leser müssen sich gleichermaßen dünn machen. Die Bibliothek braucht unbedingt mehr Platz.
Eng gestellte Regale und ziemlich veraltetes Mobiliar: Bibliotheksmitarbeiter (hier eine Aufnahme aus dem Jahr 2014) und Leser müssen sich gleichermaßen dünn machen. Die Bibliothek braucht unbedingt mehr Platz. Quelle: Jens Paul Taubert
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Altenburg

Wenn die Altenburger Bibliothek einlädt, wird es ziemlich oft ziemlich voll. So reichte auch am Donnerstag der Veranstaltungsraum im ersten Obergeschoss des Hauses in der Lindenaustraße 14 kaum aus, um alle Gäste aufzunehmen. Doch diesmal war keine Lesung der Grund für das fast kuschelige Miteinander, sondern es gab eine besondere Bescherung. Denn Bibliotheksleiterin Christina Hantke-Ziese nahm strahlend den mit 2500 Euro dotierten Förderpreis der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und des Deutschen Bibliotheksverbands Thüringen (DBVT) entgegen.

„Wir freuen uns sehr und fühlen uns in unserem Engagement für die Leseförderung bestätigt“, sagte Hantke-Ziese und vergaß nicht, ihrem Team und dem Familienzentrum Altenburg für die Arbeit in den zurückliegenden Monaten zu danken. Schließlich wurde die Stadtbibliothek ganz konkret für ihre Kooperation mit dem Familienzentrum ausgezeichnet. Gemeinsam ging es vor allem darum, bildungsferne Familien an das Lesen und die vielfältigen Angebote beider Einrichtungen heranzuführen.

Die Idee dazu hatte Ines Neumann. Zunächst war die Mitarbeiterin des Familienzentrums nur normale Nutzerin der Stadtbibliothek und lieh Medien für sich und ihre Kinder aus. Durch den monatlichen Büchertreff für Erwachsene entstand der gemeinsame Gedanke, solche Veranstaltungen auch für Familien mit Kindern anzubieten. Folglich organisierte man einen gemeinsamen Familiennachmittag im Frühjahr dieses Jahres. Dabei entstand die Idee des Mal- und Zeichenwettbewerbes „Meine Lieblingsfigur aus einem Kinderbuch“, die die Kinder begeistert aufnahmen. Im Juni kürte dann eine Jury den Sieger. Einen Monat später fanden für die Vor- und Grundschulkinder Lesungen im Bibliotheksgarten statt.

Eberhard Kusber vom Deutschen Bibliotheksverband, Ines Neumann vom Familienzentrum, Christina Hantke-Ziese von der Bibliothek und Thomas Wurzel von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen bei der Übergabe des Preises (v.l.). Quelle: Ronny Seifarth

Das wiederum fanden die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und der Deutschen Bibliotheksverband Thüringen so gut, dass die Jury den von beiden ausgelobten Förderpreis an die Altenburger Stadtbibliothek vergab. Insgesamt lobte Stiftungsgeschäftsführer Thomas Wurzel „die vorbildliche Arbeit“ und „die hohe Einsatzereitschaft“ aller Beteiligter. „Man kann sich hier aufgrund qualifizierter Mitarbeiter darauf verlassen, dass es eine kluge, bedarfsgerechte Auswahl und Beratung gibt“, so Wurzel weiter. „Sie betreiben Leseförderung im besten Sinne und haben eine Kooperation mit Zukunft geschaffen.“ Dies und die räumliche Infrastruktur sollen mit dieser Auszeichnung gestärkt und gewürdigt werden.

Darüber hinaus würdigte DBVT-Vertreter Eberhard Kusber auch die Altenburger Bibliothek als Treffpunkt und Kommunikationsort für lebenslanges Lernen. „Bibliotheken sind die meistbesuchten außerschulischen Bildungseinrichtungen“, sagte der Leiter der Erfurter Stadt- und Regionalbibliothek. An die Besucher- und Nutzerzahlen komme kein Theater, kein Museum und auch keine 1. oder 2. Fußball-Bundesliga heran.

Das hörte wiederum Michael Wolf gern. Der Altenburger Oberbürgermeister ergänzte die Funktion des hiesigen Hauses noch um den des Veranstaltungsortes. „Hier finden Lesungen und andere Dinge statt, bei denen man sich trifft“, so SPD-Politiker. „Das ist ein Farbtupfer in der kulturellen Landschaft.“ Deshalb arbeite man auch daran, dass die Bibliothek aufgrund des begrenzten Platzes und die veralteten Möblierung ins Ernestinum in die Innenstadt umziehe. „Dafür haben wir im Haushalt bereits erste Voraussetzungen geschaffen.“

Über drei Millionen Euro stehen laut Wolf im Doppelhaushalt 2017/18 dafür bereit. „Wir sind gerade dabei, die EU-weiten Ausschreibungen vorzubereiten“, sagte das Stadtoberhaupt zum Stand der Sanierungs und Umzugspläne. Parallel habe man im zuständigen Thüringer Ministerium Fördermittel für die Jahre 2019 und folgende beantragt. „Wir wollen 2018 die Voraussetzungen schaffen, so dass 2019/20 der Umbau stattfinden kann.“ Voraussetzung sei aber die Freigabe weiterer Gelder durch den Stadtrat. „Es gibt aber einen politischen Willen und jetzt muss er umgesetzt werden.“

Von den 2500 Euro, die mit dem Förderpreis verbunden sind, will die Bibliothek vor allem zeitgemäße Sitzgelegenheiten kaufen und die Zusammenarbeit mit dem Familienzentrum ausbauen. So soll beispielsweise gemeinsam im Rahmen der bundesweiten Bibliothekswoche und zusätzlich mit dem Leipziger Verein „Leselust“ altersgerechte Literatur für Eltern mit Kindern vorgestellt werden.

Von Thomas Haegeler