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Altenburg Altenburger Kaufland Südost: Mitarbeiter fordern mehr Lohn
Region Altenburg Altenburger Kaufland Südost: Mitarbeiter fordern mehr Lohn
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11:39 09.07.2019
Dienstagmorgen streikten über 40 Kaufland-Mitarbeiter vor der Filiale in der Altenburger Käthe-Kollwitz-Straße. Quelle: Katharina Stork
Altenburg

Trillerpfeifen, Hupen, klappernde Plastikrasseln: Den Streik der Kaufland-Mitarbeiter hört man am Dienstagmorgen schon weit die Käthe-Kollwitz-Straße hinunter. Die Vereinte Dienstleistungsgesellschaft Verdi hatte zu Warnstreiks im Einzelhandel aufgerufen und diesem Ruf sind alle Kaufland-Mitarbeiter gefolgt, die an diesem Tag in Altenburg eingeteilt gewesen wären.

„Derzeit arbeiten in der Filiale nur die Führungskräfte und Personal vom Wareneingang beziehungsweise die Warenbereichsleitung“, erklärt die Geraer Gewerkschaftssekretärin Bettina Penz, die den Streik mitorganisiert hat. „Alle anderen Kräfte, die noch mithelfen, sind Streikbrecher, die Kaufland aus anderen Filialen als Ersatz beordert hat.“

Unterstützung kommt aus Gera

Über 40 Mitarbeiter in neongelben Westen stehen teilweise seit 5.30 Uhr vor der Filiale und machen auf ihre Forderungen aufmerksam. Sie werden so lange streiken, wie ihre Arbeitszeit an diesem Tag gehen würde. Angela Hempel ist zur Unterstützung extra aus Gera angereist und weiß sehr genau, was sie mit ihrem Streik ändern will: „Ich möchte später von meiner Rente leben können. Und deswegen fordern wir mehr Gehalt, zwei Cent pro Minute mehr. Und es gibt ja kaum noch Auszubildende, die eine Lehre machen wollen. Deswegen müssen die vernünftig vergütet werden.“ Verdi fordert daher eine Anhebung der Ausbildungsvergütung um 100 Euro im Monat. Der neue Tarifvertrag soll außerdem eine neue Laufzeit von zehn Monaten erhalten. Explizit für Verdi-Mitglieder soll der Arbeitgeber drei zusätzliche bezahlte Gesundheitstage garantieren.

Einzelhändler sollen tarifgebunden sein

„Die kann dann jeder so nutzen, wie er sich am besten erholen kann“, sagt Jana Domke, die in einem anderen Geraer Kaufland-Markt arbeitet. „Manche lesen ein Buch, nehmen sich mehr Zeit für die Familie oder gehen schwimmen.“

Am wichtigsten für Hempel, Mitglied der Tarifkommission, ist die Forderung nach Allgemeinverbindlichkeit: Alle Einzelhändler sollten tarifgebunden sein. Seit 1996 arbeitet sie bei Kaufland und kann deswegen eine Tendenz beim Personal erkennen: „Der psychische und physische Druck wächst. Die Mitarbeiter erleiden Langzeiterkrankungen, psychische Erkrankungen. Da kann man regelrecht zuschauen ab 40 Jahren.“

Streik bei Kaffee und Brötchen

Jana Domke sieht einen ähnlichen Trend: „Es wurden immer mehr Leute entlassen. So ist das Arbeitspensum nicht mehr zu schaffen. Und dennoch hat man ja den Anspruch, seinen Job gut zu machen, sicherzustellen, dass der Markt gut aussieht.“

Trotzdem scheint gute Stimmung in der Streikgruppe zu herrschen, die gegenseitige Solidarität und Unterstützung ist beinahe mit Händen zu greifen. „Will noch jemand Kaffee?“, tönt es über die Trillerpfeifen, Brötchen werden herumgereicht. Penz macht die Streikenden auf die Anwesenheitsliste aufmerksam, auf Basis derer das Streikgeld für Verdi-Mitglieder berechnet werden kann. So erhalten die Streikenden eine Entschädigung für die Arbeitsstunden, die ihnen wegfallen.

Verständnis von Seiten der wartenden Kunden

Im Inneren der Filiale dringt der Streiklärm nicht durch, die meisten Gänge liegen etwas verlassen da. Erst ist nur eine Kasse geöffnet, die gleich eine beachtliche Schlange entstehen lässt, bevor eine zweite eröffnet werden kann. Unmut ist bei den wartenden Einkäufern nicht zu spüren, wohl eher Verständnis.

„Da muss man jeden Groschen umdrehen“, sagt eine Dame mit prall gefülltem Einkaufswagen und nickt mit verständnisvoller Miene in Richtung Ausgang, wo die gelb bewesteten Streikenden stehen. „Irgendwer muss das ja machen, das mit dem Streik“, pflichtet ein älterer Herr bei.

Aber nicht alle blicken so wohlwollend auf diese neongelbe Versammlung: Ein Herr drängt sich durch die Menge am Eingang und schimpft: „Unmöglich, den Eingang zu verstopfen. Und dann auch noch Kinder mit hineinziehen.“ Penz entgegnet: „Auch die werden irgendwann erwachsen und müssen das lernen.“

Von Katharina Stork

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