Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Altenburg Altenburger Künstlerin verschenkt Sprüche
Region Altenburg Altenburger Künstlerin verschenkt Sprüche
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:22 09.01.2019
Die Rasthütte an den Haselbacher Teichen ziert dieser Spruch. Quelle: Katrin Weisemann
Altenburg

Jeden Sonntag werden sie mehr – die kleinen, bunt mit Sprüchen bemalten Schiefertafeln, die überall im Landkreis seit einer Weile auftauchen. Am liebsten bei schlechtem Wetter schwingt sich dann eine 48-jährige Altenburgerin auf ihr Rad und fährt los. Im Rucksack einen ganzen Schwung neuer Tafeln, im Kopf eine grobe Richtung und das Ziel, „trostlose Orte ein wenig zu verschönern.“

Diese Tafel steht am Altenburger Schloss Altenburg in der Durchfahrt. Quelle: Mario Jahn

Wo die Schilder letztlich landen, entscheidet sie spontan, lässt sie zurück an Kirchen, Brückengeländern oder auf dem Altenburger Friedhof. „Manchmal hebe ich unterwegs Müll auf und ersetze den durch eine Tafel oder ich gehe wandern in der Natur und rücke mit einer Tafel etwas Unscheinbares in den Mittelpunkt“, erzählt sie. So habe sie in Erfurt zum Beispiel keine vorm Dom abgelegt, sondern in der kleinen Kirche daneben.

Schon über 150 verschiedene Tafeln

Über 150 müssten es inzwischen sein, schätzt sie. Jede einzigartig und dafür gedacht, „Freude zu stiften und die Welt ein bisschen bunter zu machen.“

In der Jugendherberge Windischleuba ist diese Tafel zu finden. Quelle: Mario Jahn

Als kreativer (Stadt)mensch, der sie ist, begann sie vor etwa vier, fünf Jahren in ihrer Freizeit, Fliesenstücke und Steine mit Sprüchen zu versehen. Inzwischen zieren Möbelstücke wie Stofftaschen oder eben alte Dachziegel sinnstiftende Sätze.

Gerade am Anfang war ihr Hobby wie eine Art Ventil für Persönliches, das sie beschäftigte: „Ich habe oft aufgeschrieben, was ich selbst gern in meiner Situation von jemandem gehört hätte“, erinnert sie sich.

Adoptieren ausdrücklich erwünscht

Inzwischen lässt sie sich von alltäglichen Dingen inspirieren, die sie hört, irgendwo liest oder aufschnappt. „Die Sprüche finden mich und die richtige Tafel wiederum den passenden Menschen“, ist sie überzeugt. Mitnehmen bzw. „adoptieren“ ist dabei ausdrücklich erwünscht, betont die Künstlerin. Es sei doch großartig, wenn jemand eine Tafel mit nach Hause nehme und sich auf diese Weise selbst dazu zwinge, immer wieder über diesen einen Spruch nachzudenken. „Das macht was mit einem.“ Sie sehe sich als „Anschubserin“, die die Leute dazu bringen wolle, ihr Leben oder zumindest ein Stück davon zu hinterfragen.

Augen auf in der Innenstadt

„Positiv irritieren“ möchte auch Katharina Schenk die Besucher der Innenstadt mit einer ähnlichen Aktion, für die sie seit gestern nach und nach zehn Schaufenster mit Sprichwörtern bemalt. Eines der Ersten: Das Trumpf Reisebüro in der Sporenstraße. „Viele gehen jeden Tag immer den gleichen Weg und schauen deshalb nicht mehr richtig hin. Das wollen wir ändern und ein bisschen was zum schmunzeln und drüber nachdenken bieten“, so die Citymanagerin.

Im Windischleubaer Park liegen diese beiden Tafeln an einer alten Blutbuche. Quelle: Mario Jahn

Die bemalten Schiefertafeln finden sich derweil auch jenseits des Landkreises in den unterschiedlichsten Ecken Deutschlands, denn ihre Schöpferin fährt nie in Urlaub, ohne ein paar fertig bemalte Tafeln, selbst gebastelte Traumfänger oder Wunschfähnchen mitzunehmen. Auf dem Gipfel des Brocken, als auch auf dem Weg dahin, hat sie ihre Spuren hinterlassen. „Wenn’s nicht jemand mitgenommen hat, fährt die Brockenbahn von mir immer noch was hoch und runter“, erzählt sie lachend.

Anonym Freude verteilen

Auf Außenstehende mag ihr Tun etwas merkwürdig, vielleicht sogar verrückt wirken, vor allem, da sie ihre Werke ausschließlich verschenkt. Sie selbst erfüllt ihre Kunst mit einer großen Zufriedenheit und die verblüfften Reaktionen ihres Umfelds sind ihr Bestätigung genug: „Ich brauch keinen Beifall und möchte nicht in den Vordergrund, sondern verteile lieber anonym Freude.“

Ob Mandalas, Traumfänger oder Gebetsfähnchen – als „religiöser Straßenköter“, kombiniert sie ihre Schiefertafeln mit Elementen aus den unterschiedlichsten Kulturkreisen – Ende offen, denn für ausreichend Nachschub ist gesorgt: „Ein guter Bekannter hat vor kurzem das Dach von seinem Hof erneuert und mir etwa 300 alte Platten geschenkt. Es geht immer weiter...“

Veranstaltungstipp: Am 17. Januar lädt die Farbküche zum „Wunschfähnchen-Workshop“. Ab 15.30 Uhr können alle Kinder ihre Wünsche für das neue Jahr malen und danach Schneckenhäuser verschönern.

Von Maike Steuer

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Für zwei Polizei-Einsätze am Altenburger Osterland-Center hat im Herbst eine rechtliche Grundlage gefehlt. Laut Prüfung gab es für das an der Mittelstraße stehende Durchfahrt-verboten-Schild keine Genehmigung der Stadt. Auf den Bußgeldern bleiben betroffene Autofahrer dennoch sitzen.

09.01.2019

Vor einem Jahr pachtete der Circus Afrika in Starkenberg ein rund 30 000 Quadratmeter großes ehemaliges Betriebsgelände im Starkenberger Ortsteil Kostitz. Hier wollen die Artisten mit ihren Tieren nun jedes Jahr Winterpause einlegen. Jedoch gehören falsche Clowns nicht dazu.

14.01.2019

Es war ein Schultag den die Kinder der Grundschule Meuselwitz so schnell nicht vergessen dürften: Statt Unterricht im Klassensaal stand eine Opern-Inszenierung in der Schnaudertalhalle auf dem Programm. Oper Leipzig und Gewandhausorchester hatten sich angekündigt – und die Schüler packten kräftig mit an.

08.01.2019