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Altenburg Altenburger Land noch keine Grippe-Hochburg – Impfstoff ist Mangelware
Region Altenburg Altenburger Land noch keine Grippe-Hochburg – Impfstoff ist Mangelware
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06:14 15.01.2019
Noch rollt die Grippewelle im Altenburger Land eher verhalten an. (Symbolbild)
Noch rollt die Grippewelle im Altenburger Land eher verhalten an. (Symbolbild) Quelle: dpa
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Altenburg

Winterzeit bedeutet auch im Altenburger Land Grippezeit. In den kalten Monaten hat die Infektionskrankheit traditionell Hochsaison, sorgt für volle Arztpraxen und leere Büros. Im vergangenen Jahr hatte die Grippewelle auch das Altenburger Land extrem getroffen: Beinahe 800 Grippefälle standen Mitte März zu Buche, zwei Menschen starben an der Infektion (OVZ berichtete). Vor allem der bisher gängige Dreifach-Impfstoff war dem damaligen Erreger nicht in vollem Umfang gewachsen gewesen.

Landratsamt vermeldet bisher einen Fall

In der laufenden Saison scheint zumindest bisher ein solches Szenario nicht Wirklichkeit zu werden. Seit dem 1. November sei im Fachdienst Gesundheit ein labordiagnostischer Krankheitsfall (2017: zwei Fälle) aus Meuselwitz bekannt geworden, heißt es auf Anfrage aus dem Landratsamt. Ein mögliches Zeichen, dass der neu verwendete Vierfach-Impfstoff seine Wirkung zeigt, womöglich viele Menschen bereits ausreichend geimpft sind.

Allerdings, auch das weiß man im Landratsamt, ist das Mittel inzwischen deutschlandweit nicht mehr verfügbar. Ein Umstand, den auch eine Anfrage des CDU-Landtagsabgeordneten Christoph Zippel im Thüringer Parlament ergeben hatte. Gut 1000 Dosen würden dem Kreis fehlen (OVZ berichtete).

Auslands-Importe eine Lösung?

Eine kurzfristige Nachproduktion ist laut dem Fachdienst nicht möglich, da dafür ein halbes Jahr benötigt werde. Auch deshalb habe das Bundesgesundheitsministerium bereits Ende des Jahres eine Ausnahmeermächtigung erteilt, nach der auch Impfdosen, die nicht vollumfänglich der deutschen Deklaration entsprechen, aus dem Ausland importiert werden können.

Zudem sei der vorherige Dreifach-Impfstoff in Europa nach aktuellem Stand noch besser verfügbar. Ein Import durch Apotheken könne nach Absprache mit dem Hausarzt für Impfwillige eine durchaus erfolgversprechende Alternative sein.

Apotheker: Impfstoff im Kreis ist aufgebraucht

Eine Einschätzung, die Lutz Gebert, Sprecher der Apotheken im Kreis, auf Nachfrage der OVZ nicht mehr teilt. Zwar habe der Bund Mitte Dezember tatsächlich den Weg für Auslands-Importe frei gemacht. „Es wurden dann auch über Großhändler etwa in Frankreich, der Schweiz oder Österreich auch Dosen abgefordert.“ Allerdings sei dieser Nachschub bereits vor Weihnachten aufgebraucht gewesen.

Seines Wissens nach sei das Kontingent für diese Saison im Kreis bereits erschöpft. „Selbst Dreifach-Impfstoff ist nicht mehr verfügbar“, so seine Erkenntnisse. Ein Umstand, den er auch der Politik ankreidet. „Der Bund muss endlich tätig werden und mit den Herstellern einen Weg finden, die Versorgung zu stabilisieren“, so seine Forderung.

Altenburger Klinikum hat Notfallplan

Ein Umstand, der dem Altenburger Klinikum womöglich erneut arbeitsreiche Zeiten bescheren könnte. Insgesamt 203 Fälle habe man vergangenes Jahr von Januar bis April behandelt, davon 31 auf der Intensivstation, berichtet Chefarzt Thomas Blankenburg. Allein in der ersten Märzwoche seien 47 Fälle eingewiesen worden. Bisher sei die Lage ruhig, nur punktuell seien Grippepatienten ins Haus gekommen – der Höhepunkt der Infektionswelle stehe allerdings auch erst zwischen der 5. und 11. Kalenderwoche an.

2018 sei die erhöhte Belastung durch verstärktes Engagement der Mitarbeiter gemeistert worden, kann Blankenburg vermelden. Für die aktuelle Saison habe man sich dennoch bestmöglich vorbereitet. Über 150 Mitarbeiter, die sich nicht beim Hausarzt impfen konnten, hätten sich über die Klinik immunisieren lassen.

Um eine strukturierte Betreuung von Grippepatienten zu ermöglichen, habe man zudem einen Influenza-Notfallplan entwickelt. So ist geregelt, in welcher Abteilung Patienten bevorzugt behandelt werden, welche Ressourcen vorgehalten werden müssen und wie eine effiziente Versorgung und ein Schutz der Mitarbeiter gewährleistet werden kann. „Die entsprechenden Mitarbeiter wurden und werden geschult und über die Abläufe, die dann notwendig sind, informiert“, versichert der Chefarzt.

Von Bastian Fischer