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Altenburg Altenburger Schüler demonstrieren für Klimaschutz
Region Altenburg Altenburger Schüler demonstrieren für Klimaschutz
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17:56 15.03.2019
Altenburger Schüler zogen am Freitagvormittag vom Altenburger Bahnhof in die Altstadt, um für mehr Klimaschutz zu demonstrieren. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

„Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut!“ hallte es am Freitagvormittag aus einer Traube von rund 50 Schülern über den Altenburger Markt. Zuvor waren die Jugendlichen eine Stunde im Nieselregen durch die Skatstadt gelaufen, um für den Klimaschutz zu demonstrieren. Sie beteiligten sich am Aktionstag der „Fridays-for-Future“-Bewegung: Weltweit fanden 1600 Demonstrationen statt, darunter 200 in deutschen Städten. Vorbild ist die schwedische Schülerin Greta Thunberg, die seit mehreren Monaten freitags nicht zur Schule geht, um auf die Probleme des Klimawandels aufmerksam zu machen.

In Altenburg meldete der 18-jährige Wolfram vom Spalatin-Gymnasiums die Demo an. Zusammen mit sechs Mitstreitern organisierte er den Protest vor allem über die soziale Medien. Zum Auftakt um 11 Uhr am Altenburger Bahnhof griff er sich ein Megaphon und erklärte seine Beweggründe: „Wieso soll ich in die Schule gehen, wenn eine Zukunft bald nicht mehr existieren könnte? Wenn die Politik nichts tut, machen wir es eben.“

Schüler rufen Klimaschutz-Parolen

Mit selbst gebastelten Plakaten, Tröten und weißen Bannern zog der Tross – begleitet von sieben Beamten und mehreren Polizeiautos – an Museum, Bartholomäikirche und Landratsamt vorbei zum Markt. Dabei skandierten die Schüler umweltpolitische Parolen – mitunter fielen auch Schlachtrufe aus dem politisch linken Spektrum, stärkere Unterstützung fanden jedoch Sprüche wie „Keine Kohle für die Kohle“. Passanten blieben verdutzt stehen und filmten mit ihren Handys – während einige Zustimmung murmelten, schüttelten andere den Kopf.

Die teilnehmenden Schüler kamen vorwiegend vom Spalatin- oder Friedrichgymnaisum, waren aber auch von der Rositzer Regelschule oder aus den Unistädten Jena und Leipzig angereist – die jüngste Demonstrantin war zehn Jahre alt. Daneben begleiteten einige Eltern sowie Kreispolitiker Ralf Plötner von den Linken den Demonstrationszug.

Schulamt verschickt Stellungnahme

Aufgrund der Schulpflicht gab es im Vorfeld Kontroversen: Zwar begrüßten die Altenburger Schulleiter das Engagement ihrer Schützlinge, über die Konsequenzen der Protestaktion waren sie aber unterschiedlicher Meinung. Während Birgit Kriesche vom Spalatin-Gymnasium sich vorstellen kann, bei der nächsten Demonstration einen freien Tag zu gewähren, sprach Thomas Lahr vom Friedrichgymnasium von unentschuldigten Fehlstunden (die OVZ berichtete). Auf der Facebook-Seite der OVZ wurde der Artikel rege diskutiert – der Mehrheit missfiel, dass die Demo während der Schulzeit und nicht etwa am Nachmittag stattfinden sollte.

Beim Ostthüringer Schulamt waren in den vergangenen Wochen vermehrt Anfragen eingegangen, wie mit dem „Streik“ umzugehen sei. Leiter Berthold Rader verschickte deshalb an alle Schulen ein dreiseitiges Schreiben, in dem er zwar ebenfalls das demokratische Engagement begrüßte, jedoch auf die Teilnahmepflicht am Unterricht verwies.

Keine wöchentliche Protestaktion

Die strenge Haltung des Friedrichgymnasiums sorgte bei Schülern und auch bei ihren mitlaufenden Eltern für Unmut. Andrea Wagner und Frank Spieth störten sich an dem Bericht ihrer Tochter, nach dem Schüler von Lehrern und Schulleitung unter Druck gesetzt worden seien, nicht an der Veranstaltung teilzunehmen. So sei mit unentschuldigten Fehlstunden gedroht worden.

Die Organisatoren um Zwölftklässler Wolfram versprechen sich durch das Schwänzen eine größere Wirkung: „Wir wollen, dass die Leute darüber reden. Wir müssen unsere Schulbildung aufs Spiel setzen, weil es die Erwachsenen mit dem Klimaschutz nicht hinbekommen.“ Ein ständiges Fernbleiben vom Unterricht sei nicht geplant. Zwar solle demnächst wieder eine Veranstaltung stattfinden, aber nicht jede Woche demonstriert werden.

Von Maximilian König

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