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Altenburg Altenburgs Bahnhof ächzt unter Taubenproblem
Region Altenburg Altenburgs Bahnhof ächzt unter Taubenproblem
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04:09 06.04.2019
Tauben nehmen die Empfangshalle des Altenburger Bahnhofs in Beschlag – und sorgen für jede Menge Dreck. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

Es ist und bleibt ein Ärgernis für viele Altenburger: Die Taubenproblematik rund um den Altenburger Hauptbahnhof. Nachdem die Tiere in der Vergangenheit insbesondere rund um die Bahnsteige für unappetitliche Szenen gesorgt hatten (OVZ berichtete), ist nun die Eingangshalle offenbar zur beliebten Behausung der Vögel geworden. Davon zeugen gleich mehrere Wortmeldungen und Bilder von Lesern, die die OVZ in den zurückliegenden Tagen erreicht haben.

Kritiker rennen im Rathaus offene Türen ein

„Unzumutbar“ nennt etwa Stefan Kratsch die derzeitige Situation in dem historischen Gebäude. In jeder Ecke und entlang den Sockelleisten sammelt sich Taubenkot, überquellende Mülleimer bestimmen das Bild. Verstreute Äste zeugen von den Versuchen der Tiere, in dem Prachtbau Nester zu errichten. Mancherorts scheint dies bereits gelungen zu sein: So zeugen gleich mehrere Bilder davon, dass die Vögel sich offenbar den opulenten Kronleuchter als Nistplatz auserkoren haben – mit entsprechenden Folgen für den darunter liegenden Boden. „Diesen Zustand verdient die ehemalige Residenzstadt nicht“, macht Kratsch seinem Ärger Luft. Es gelte, unverzüglich Abhilfe zu schaffen.

Kot, Dreck und Müll: So begrüßt der Altenburger Bahnhof derzeit die Reisenden. Nachdem sie von den Bahnsteigen verdrängt wurden, richten sich die Tauben nun in der Empfangshalle ein.

Eine Forderung, mit der er im Altenburger Rathaus offene Türen einrennt. Dort hat man das Problem ebenfalls im Auge. Bereits seit mehreren Monaten wandert das Thema durch Rat und Ausschüsse. So hatte Bürgermeister Frank Rosenfeld (SPD) etwa schon zur Bauausschuss-Sitzung Anfang März von einem Vor-Ort-Besuch berichtet. „Es ist nicht sehr glücklich, dass Tauben in der Empfangshalle nisten. Offenbar ist es dem Eigentümer noch nicht gelungen, diese erfolgreich zu bekämpfen“, ließ er damals wissen. Womöglich müsse zunächst auch der Reinigungszyklus in dem Gebäude angepasst werden.

Stadt droht mit „mehreren Eskalationsstufen“

Auch den Eigentümer, die Frankfurter Aedificia Infrastruktur- und Entwicklungsgesellschaft, hatte die Stadt bereits auf die Problematik hingewiesen. Da zunächst nichts geschehen war, kam es im März zu einem Treffen von Wirtschaftsförderer Tino Scharschmidt und Aedificia-Geschäftsführer Stefan Steinert, bei der etwaige Lösungsansätze besprochen wurden.

Damit hat die Stadt ihre im Vorjahr begonnene Initiative fortgesetzt, der laut Rosenfeld weitere Schritte folgen könnten. Im jüngsten Stadtrat hatte der Bürgermeister von „mehreren Eskalationsstufen“ gesprochen, sollte der Eigentümer nicht aktiv werden – und auch auf mögliche Gesundheitsrisiken durch die Verunreinigungen hingewiesen. Schließlich könne man bei Tauben und deren Kot „schon davon ausgehen, dass das eine Gefahr für die öffentliche Ordnung darstellt“, so seine Antwort auf eine Frage von Stadträtin Ina Plöttner (Linke).

Lösung muss wirtschaftlich sein

Eigentümer Steinert bestätigt gegenüber der OVZ, dass es ein entsprechendes Gespräch gegeben hat und man sich der Situation bewusst sei. „Wir haben das Problem erkannt und suchen nach baulichen Lösungen, die aber natürlich auch natur- und tiergerecht sein müssen“, betont er. Eine mögliche Variante, so der Hesse, sei es, die Türen zum Gebäude mit einem automatischen Schließmechanismus auszustatten. Hierzu würde bereits nach ausführenden Firmen gesucht.

Allerdings, schränkt Steinert ein, müssten etwaige Lösungen auch wirtschaftlich sein. Schließlich könnten solche Mechanismen schnell „sündhaft teuer sein“ und viel Wartungsaufwand mitbringen. „Ich werde sicher nicht wegen ein paar Tauben hunderttausende von Euros investieren“, stellt er klar.

Schwierige Abwehr, teure Reinigung

Eine erfolgreiche Abwehr, bestätigt auch Schädlingsbekämpfer Björn Lang, sei ohnehin schwierig zu bewerkstelligen – insbesondere im Bahnhof. „Hier spielt der Denkmalschutz eine Rolle, man kann nicht einfach flächendeckend Netze spannen und Spikes aufstellen“, weiß der Profi. Eine Alternative könnten Elektroleisten sein, die den Vögeln den Aufenthalt verleiden. „Aber auch die sind sehr teuer.“

Bliebe zumindest ein gesteigerter Reinigungstakt. Doch auch der, erklärt Eigentümer Stefan Steinert, sei nicht so einfach umsetzbar. Eine Erhöhung sei zwar möglich, die Kosten müssten jedoch auf die Mieter umgelegt werden, was nur schwer vermittelbar sei. Trotzdem gibt er sich kompromissbereit: Man werde eine zügige Reinigung anstreben. „Wenn sich dann herausstellt, dass öfter gereinigt werden muss und kann, bin ich der Letzte, der das nicht mitmacht.“

Problem wohl nicht hundertprozentig lösbar

Dass Steinert und die Stadtverwaltung in Sachen Taubenproblematik vor einer durchaus schwierigen Aufgabe stehen dürften, bestätigt auch Norbert Höser. „Die Tiere sind sehr gut darin, sich anzupassen. Eine Vergrämung muss flächendeckend sein“, weiß der Ornithologe. Gerade ein Gründerzeitgebäude wie der Bahnhof böte den Vögeln zahlreiche Rückzugsräume – und sei attraktiv, da durch Sanierungen über die Jahre Alternativen verschwunden seien. Eindämmen ließe sich die Population allerdings, indem man das Müllaufkommen verringere. „So entzieht man eine mögliche Futterquelle.“ Hundertprozentige Abhilfe, spricht Höser aus Erfahrung, ließe sich allerdings wohl auch so nicht erreichen.

Von Bastian Fischer und Thomas Haegeler

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