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Altenburg Altkirchener erheben neue Vorwürfe gegen Altenburger Betrüger-Anwalt
Region Altenburg Altkirchener erheben neue Vorwürfe gegen Altenburger Betrüger-Anwalt
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20:16 15.10.2018
Der betrügerische Altenburger Anwalt (links) und sein Verteidiger Tommy Flechsig finden sich am 24. Oktober erneut am Landgericht Gera wieder. Diesmal muss die 4. Strafkammer ein neues Strafmaß für den Angeklagten finden. Quelle: Thomas Haegeler
Altenburg

Der Altenburger Betrüger-Anwalt, der einen zwischenzeitlich verstorbenen Kollegen um 20 000 Euro erleichtert hat, beschäftigt die Justiz weiter. Nachdem der 46-Jährige mit seiner Revision vor dem Oberlandesgericht (OLG) teilweise Erfolg hatte, weil die Richter ihn zwar der Unterschlagung für schuldig befanden, aber die Begründung monierten, muss das Landgericht Gera nun erneut über das Strafmaß entscheiden. Wie Gerichtssprecherin Silke Hollandmoritz auf Nachfrage mitteilte, geschieht das am 24. Oktober.

Mindestens 100 000 Euro soll der Anwalt vorenthalten haben

Unterdessen sind weitere Vorwürfe gegen den Juristen, der zuletzt vom Landgericht zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und vier Monaten verurteilt wurde, aufgetaucht. Sie stammen von einer Familie aus Altkirchen, die der Rechtsanwalt über Jahre vertreten und ebenfalls betrogen haben soll. Dabei soll es sich um insgesamt rund 100 000 Euro handeln, die der Jurist der Familie zwischen 2005 und 2015 wohl vorenthielt. „Mindestens“, sagt Familienvater Roland Kirsten*, der die Vorwürfe gegenüber der OVZ schilderte und sich aufgrund der Berichte über den betrügerischen Anwalt gemeldet hatte. Noch immer ist er fassungslos über das aus seiner Sicht zu milde Urteil.

Stein des Anstoßes ist Pfusch bei Sanierung eines Hauses

Begonnen hat der Fall vor etwa 16 Jahren, als die Kirstens beschlossen, das Dach ihres gut 300 Jahre altes Fachwerkhauses neu decken zu lassen. Allerdings mussten sie nach Beginn der Arbeiten schnell feststellen, dass der von ihnen beauftragte Handwerksmeister pfuschte, was das Zeug hielt. Da wurden Mauern beschädigt, auf schadhaften Konstruktionen Neues aufgebaut und allerlei andere Dinge nicht fachgerecht ausgeführt.

Parallel zum Pfusch entwickelte sich ein Streit zwischen dem Handwerker und den Auftraggebern, die seinerzeit noch in München lebten. Die folgende gerichtliche Auseinandersetzung samt gutachterlicher Feststellung der Mängel endete im Dezember 2004 mit einem Vergleich, in dem der Dachdecker einwilligte, die von ihm verursachten und auf knapp 30 000 Euro taxierten Schäden zu beheben. Doch er tat nichts. Als Kirstens mit ihrem damaligen Anwalt nicht weiterkamen und ins Altenburger Land zurückkehrten, suchten sie sich hier einen rechtlichen Beistand, um das Problem zu lösen. So gerieten sie irgendwann an den nun vor Gericht stehenden Altenburger Juristen.

Nur Versprechen und Ausreden statt Geld

Doch statt Hilfe bekamen sie von ihm nur Versprechen, unterschrieben Vollmachten und hörten Ausreden, warum sich weder am Haus etwas tat, noch Geld einging. Mit einer ähnlichen Masche hatte er den befreundeten Anwalt 2013/14 um 20 000 Euro gebracht. So verstrichen erst Monate, dann Jahre. Die Schäden aber wurden größer und mit ihnen die Schadenssumme. Weil Nässe, Instabilität und der Gutachter zum Handeln zwangen, mussten Kirstens einiges auf eigene Kosten machen lassen – und auch noch den Anwalt bezahlen. Irgendwann ging ihnen das Geld aus.

Familie steht wegen des Falles vor dem Ruin

„Wir haben Hasen und Rehe mitgebracht, um ihn zu bezahlen“, erzählt Roland Kirsten, der über die Jahre und die Sache selbst krank wurde und inzwischen erwerbsunfähig ist. „Wir haben gedacht, dass er uns hilft.“ Das Ganze sei so weit gegangen, dass man Weihnachten selbst nur Suppe aß. Geld floss einzig bei extremem Druck, als das Auto kaputt ging oder wenn die Familie ihre Heizölrechnung nicht mehr bezahlen konnte, die der Anwalt beim Lieferanten einmal gar in bar beglich.

Auch seiner Frau Kerstin setzte die Situation zu. Als sie eines Tages schwanger wurde, gab es Probleme. „Wir müssen uns nicht wundern, dass wir ein behindertes Kind haben“, sagt sie und weint. Vor drei Jahren reichte es dem Familienvater, der dem Anwalt auch vorwirft, in der Nachlasssache seiner Mutter nicht korrekt abgerechnet zu haben. Er zeigte den Juristen an.

Staatsanwaltschaft stellt Verfahren ein und verweist auf ein anderes

Wenige Monate später teilte ihm die Staatsanwaltschaft mit, dass das Verfahren eingestellt sei. „Der Beschuldigte hat in einem anderen anhängigen Verfahren eine Strafe zu erwarten“, heißt es darin zur Begründung. „Die Strafe, die wegen der angezeigten Tat verhängt werden könnte, fiele daneben voraussichtlich nicht beträchtlich ins Gewicht.“

Bei dem im Schreiben erwähnten Verfahren handelt es sich nach OVZ-Informationen aber nicht um das, weswegen der 46-Jährige nun verurteilt wurde und bei dem nur noch ein neues Strafmaß festgelegt werden muss. Vielmehr geht es um ein anderes, das wegen dünner Beweislage mit gleicher Begründung bereits am Amtsgericht Altenburg eingestellt worden war. Dinge, die Familie Kirsten enttäuschen und ihren Glauben an die Gerechtigkeit verlieren lassen.

*Namen von der Redaktion geändert

Von Thomas Haegeler

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