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Altenburg Angelfischereiverein Schnaudertal ist seit 70 Jahren in und um Meuselwitz aktiv
Region Altenburg Angelfischereiverein Schnaudertal ist seit 70 Jahren in und um Meuselwitz aktiv
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12:03 06.07.2019
Schau, so geht das: Karl-Heinz Bergner, Chef des Angelfischereivereins Schnaudertal, zeigt einem Schüler aus Kriebitzsch das richtige Auswerfen der Angel. Quelle: Jörg Reuter
Meuselwitz

„Wenn ich ,Jetzt!‘ sage, lässt du mit dem Finger los“, sagt Karl-Heinz Bergner über einen kleinen Jungen gebeugt. Der Präsident des Angelfischereivereins Schnaudertal hilft dem Grundschüler aus Kriebitzsch geduldig beim Hantieren mit der Angel. Wenn Kinder zu Besuch kommen, wie an diesem Vormittag die Klasse aus dem Nachbarort, dann gehöre Werfen-Üben immer mit zum Programm, sagt Bergner zur OVZ und dann „Super!“, zu dem Jungen. Denn er hat gerade den „Angelhaken“ mitten ins Schwarze auf dem Zieltuch geworfen.

Mit dem Werfen-Üben geht es los

Ein Zufallstreffer, denn wie schwer es ist, mit der Angel Schwung zu holen, um dann mit dem Gewicht, das Haken samt Köder simuliert, genau dort zu landen, wo es geplant ist, zeigen die nächsten Versuche der Kinder. „Dafür braucht es schon ein wenig Übung“, plaudert Bergner im Schatten eines Baumes auf dem Vereinsgelände am Haselbacher See. Dann muss er lächeln und springt 56 Jahre zurück. Damals, 1963, war er kaum älter als die Steppkes, die gerade zu Besuch sind. Anfang der 60er-Jahre, als TV-Geräte noch selten und Handy und Internet noch nicht erfunden waren, sei es unter den Jungs in Meuselwitz angesagt gewesen, zu angeln.

Doch weil das schon damals nicht ohne Angelerlaubnis gestattet war, wurde er Mitglied im Angelverein, und musste als Erstes das richtige Werfen lernen. „Das können heute viele gar nicht mehr. Es gibt dafür ja auch verschiedene Techniken, weil nicht überall Platz ist, einfach über Kopf auszuholen“, meint er. Deshalb würden die Kinder beim Angelfischereiverein Schnaudertal auch heute noch das Werfen üben und lernen. Welcher Fisch wo seinen Lebensraum hat und was auf dessen Speiseplan steht, sprich welche Köder die richtigen sind, wird dem Anglernachwuchs natürlich auch vermittelt. Das war 1949, als der Verein gegründet wurde, ganz ähnlich.

Sportangeln ist inzwischen verboten

Natürlich ging es den Anglern kurz nach dem Krieg vor allem darum, Fische zum Essen zu fangen. Deshalb gründeten die Angelfreunde in Zipsendorf den Verein. Und heute wie damals gilt: Erfolg hat der Angler, der seinen Haken mit dem richtigen Köder dort platziert, wo die Fische sind. Als Bergner 14 Jahre später zu den Anglern stieß, hatte auch der sportliche Aspekt Raum gewonnen.

Das ist heute anders. Zum Beispiel ist das Sportangeln, bei dem es darum geht, die meisten Kilogramm Fische aus dem Wasser zu ziehen, in Deutschland verboten. „Was aber Quatsch ist. Die Fische werden doch wieder freigelassen, und ich weiß nicht, wo der Unterschied zwischen zu kleinen und maßigen Fischen ist. Wenn untermaßige Fische an die Angel gehen, müssen sie ja wieder ausgesetzt werden. Warum dann nicht auch welche, die größer sind“, argumentiert Bergner, der über 20 Jahre hauptamtlicher Geschäftsführer des Landesanglerverbandes Thüringen war.

Zu DDR-Zeiten legte der Deutsche Anglerverband Spendenmarken, auf die heimische Fischarten zeigten. Quelle: privat

Aber gut, so sei es eben, meint er und freut sich, mit welcher Begeisterung die Kinder am idyllischen Strand des Sees versuchen, die Angelrute in den Griff zu bekommen. „Bei uns ist jeden Freitag eine Jugendstunde, zu der alle Mädchen und Jungen kommen können, egal ob sie im Verein sind oder nicht“, wirbt der Vereinschef, der vor 50 Jahren als Jugendwart in den Vorstand kam. Seitdem lenkt Bergner den Verein mit, der zu DDR-Zeiten unter dem Dach des Deutschen Anglerverbandes (DAV) agierte. Im Zuge der Eingemeindung von Zipsendorf 1973 nach Meuselwitz wurde die Truppe in „Betriebsgruppe Aktivist Meuselwitz“ umbenannt. Daran änderte sich bis zur Wende nichts, erst danach wurde aus den DAV-Anglern wieder ein Verein.

Verein kauft sich drei Seen zum Angeln

„Am Angeln selbst hat sich aber vor und nach der Wende nicht viel geändert“, findet Bergner. Sicher – die Umweltbedingungen sind deutlich besser geworden. Bergner erinnert sich beispielsweise an das Fischsterben in der Schädegrube 1968 wegen eingeleiteten Abwassers oder das Verenden zahlloser Fische im Herbst 1970 im Tagebau Spora, weil Silage ins Wasser gelangt war. Doch auch vor dem Fall des Eisernen Vorhangs konnten große Fische an Land gezogen werden. Gegen Ende der 80er-Jahre sei Angeln mit über 600 000 Aktiven eine Art Volkssport gewesen.

Räucherfisch – nicht selbst geangelt, aber dennoch frisch aus dem Räucherofen – ist die Spezialität der Angler, die sie bei vielen Festen anbieten. Quelle: privat

„Nach der Wende stand dann für uns aber auch erst einmal die Frage, wie es weitergehen wird“, erinnert sich Bergner. Drei Anglervereine habe es damals in Meuselwitz gegeben. „Dann kam der Vorschlag des Wintersdorfer Vereins, sich mit uns zusammenzuschließen“, schildert Bergner die zweite Gründung des Vereins, zu dem 1995 auch noch die Reste des Angelvereins Altenburg-Mitte stießen. Von zentraler Bedeutung war seinerzeit zudem das Sichern der Angelgewässer, verweilt Bergner noch ein wenig in der Geschichte, bis die Wiener Würstchen für die Schulkinder heiß sind. Und er erzählt, dass der Verein 2000 den Waldsee Schnauderhainichen kaufte, 2006 den Heidesee Falkenhain erwarb und 2008 den Silbersee Kriebitzsch. Zu den drei Gewässern mit insgesamt 9,7 Hektar Wasserfläche im Eigentum kommen der Kiessee Gerstenberg, der Haselbacher See sowie Ententeich und Schnauder in Meuselwitz, die die Angler gepachtet haben.

Katastrophe vernichtet 2015 jahrelang Arbeit

Zum Glück gab es 2015 keine Verletzten bei der Rutschung in Schnauderhainichen. Das Vereinsgelände wurde allerdings völlig zerstört. Quelle: privat

In Schnauderhainichen richteten sie sich ein und bauten dort ihren Vereinssitz auf – mit Platz zum Feiern des jährlichen Fischerfestes. 2015 dann die Katastrophe: Bei Arbeiten an einer Böschung sackt diese auf einer Fläche von etwa 200 mal 100 Metern bis zu drei Meter ab. Dabei wurden auch das damals neugestaltete Vereinsgelände samt dem neu errichteten Lagerschuppen mit sämtlichen Gerätschaften völlig zerstört. Binnen Minuten war die Arbeit etlicher Jahre zunichte gemacht worden und dem Verein ein Schaden von 50 000 Euro entstanden.

Jedes Jahr setzen die Angler wie hier an der Schnauder Fische in ihren Gewässern aus. Quelle: privat

„Deshalb haben wir uns jetzt hier eingerichtet“, sagt Bergner und verteilt die Würstchen an die Besucher-Kinder. Die großen Feste gibt es seit der Rutschung in Schnauderhainichen nicht mehr. Ansonsten laufe das Vereinsleben wieder in den gewohnten Bahnen. Dazu gehört ganz wesentlich auch die Hege und Pflege der Gewässer. Rund 3500 Stunden Arbeit investieren die aktuell rund 200 Vereinsmitglieder dafür im Jahr. Sie verschneiden Ufergewächse, halten die Angelplätze frei und sammeln Müll. Darüber hinaus werden jedes Jahr Hunderte Kilogramm Fisch ausgesetzt. „Und zwar nicht nur Arten wie Karpfen, Zander oder Schleie, die geangelt werden, vielmehr achten wir auf eine natürliche Artenvielfalt“, betont Bergner. Schließlich sei der Landesangelverband Thüringen mit etwa 16 000 Mitgliedern die größte anerkannte Naturschutzorganisation im Freistaat.

Es geht vor allem um die Natur

Einmal im Jahr lädt der Angelfischereiverein Schnaudertal Kinder zum Pflanzen des Baums des Jahres ein. Quelle: privat

Natur erleben und genießen – darum gehe es in erster Linie bei diesem schönen Hobby, meint Bergner und hofft, dass sich seine Begeisterung auf die Kinder überträgt, die den Sommervormittag beim Angelfischereiverein verbracht haben.

Nächster Fischereilehrgang im September

Der nächste Vorbereitungslehrgang zur Fischerprüfung im Bereich der unteren Fischereibehörde des Landkreises Altenburger Land findet im September statt. Das teilt der Fachdienst Öffentliche Ordnung im Landratsamt mit.

Veranstalter ist der AV Schnaudertal e.V., Thüringer Fischerschule, Karl-Heinz Bergner, Mittelstraße 4, 04610 Meuselwitz, Tel.: 03448/412886, E-Mail: KarToGa@t-online.de.

Beginn des Lehrganges ist am 14. September. Interessenten melden sich bitte bis zum 31. August schriftlich oder telefonisch bei der Fischerschule. Anmeldeformulare sind im Angelgeschäft Maulwurf in Altenburg erhältlich oder können unter KarToGa@t-online.de angefordert werden.

Die nächste Fischerprüfung zur Erlangung des ersten Fischereischeines wird im Landkreis Altenburger Land am 9. November durchgeführt. Voraussetzung ist die erfolgreiche Teilnahme an einem Vorbereitungslehrgang. Alle vier Lehrgangstage sind zu besuchen. Fehlende Stunden sind nachzuholen, bevor an einer Prüfung teilgenommen werden kann.

Der Antrag auf Zulassung zur Fischerprüfung kann über den Veranstalter des Fischereilehrganges oder beim Landratsamt Altenburger Land, Fachdienst Öffentliche Ordnung, untere Fischereibehörde, Lindenaustraße 9 in 04600 Altenburg bis spätestens 11. Oktober gestellt werden. Dieser ist spätestens vier Wochen vor Prüfungstermin bei der unteren Fischereibehörde einzureichen.

Für die Prüfung wird eine Gebühr in Höhe von 15 Euro erhoben. Für die Teilnehmer am oben genannten Vorbereitungslehrgang wird die Prüfungsgebühr durch den Lehrgangsträger erhoben und gemeinsam mit dem Antrag auf Zulassung an die untere Fischereibehörde weitergegeben. Prüflinge, die bereits im Vorfeld an einem Vorbereitungslehrgang teilgenommen haben, haben die Gebühr spätestens vier Wochen vor Prüfungsbeginn an die Bankverbindung

IBAN: DE 93 8305 0200 1111 0044 00

BIC HELADEF1ALTmit dem Verwendungszweck „Name, Fischerprüfung 09.11.2019“ zu entrichten. Die Bescheinigung über die gezahlte Gebühr ist dem Antrag auf Zulassung zur Prüfung beizufügen.

Von Jörg Reuter

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