Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Altenburg Anwohner in Meuselwitz sind genervt vom Rangierchaos
Region Altenburg Anwohner in Meuselwitz sind genervt vom Rangierchaos
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:22 28.07.2019
Kreuzung Nord- und Weinbergstraße in Meuselwitz: Regelmäßig sorgt dort der Lkw-Verkehr für Frust bei den Anwohnern. Quelle: privat
Meuselwitz

„Eigentlich ist es fast schade, dass heute nicht Mittwoch ist“, sagt Lothar Stein zum Ortsbesuch an einem Freitagvormittag. „Dann ist es hier besonders schlimm.“ Tatsächlich ist das Problem, das Stein die Zornesröte ins Gesicht treibt, auf den ersten Blick nicht leicht auszumachen.

Risse im Gehweg, Dellen in der Regenrinne

Doch wer genauer hinschaut, an der Kreuzung von Weinberg- und Nordstraße in Meuselwitz, sieht sie doch, die kleinen Anzeichen: An der Ecke, wenige Schritte von Steins Haustür entfernt, ist der Gehweg eingedrückt, ziehen sich Risse durch Bodenplatten und Bordstein. Am Gebäude gegenüber, das beinahe bis zur Straße reicht, weist die Regenrinne gleich mehrere Dellen auf, auch die Hauswand wirkt mitgenommen.

Auch der Gehweg nahe Steins Haus ist von den ständigen Überfahrten arg in Mitleidenschaft gezogen. Quelle: Bastian Fischer

Bei Hochbetrieb geht nichts mehr

Der Grund wird klar, als Stein beginnt, Fotos vorzuzeigen, die er über die Monate aufgenommen hat. Darauf zu sehen: Schwere Sattelzüge, die – oftmals vergeblich – versuchen, die enge Abzweigung zu überwinden. „Die fahren dann regelmäßig über den Bürgersteig oder kommen gar nicht mehr weiter“, berichtet Lothar Stein aus Erfahrung. Ziel der massiven Gefährte seien dabei gar nicht einmal zu beliefernde Betriebe, sondern laut Stein von der Stadt ausgewiesene Lkw-Stellplätze im unteren Bereich der Nordstraße.

Noch größer werde das Problem mit den Lkw, wenn etwa beim nahen Fleischer Hochbetrieb herrsche. „Dann parken hier besonders viele Autos, die Straße wird noch enger, teils kommen nicht mal normale Pkw durch. Und die Lkw-Fahrer klingeln dann bei mir, weil sie denken, mein Auto blockiert sie“, ärgert sich Stein, der im Homeoffice arbeitet. Dass die schweren Zugmaschinen zudem durch Anwohnerparkplätze daran gehindert werden, weit genug auszuholen, um die Abzweigung zu nehmen, verschärft die Situation zusätzlich.

Kreuzung Nord- und Weinbergstraße in Meuselwitz: Regelmäßig sorgt dort der Lkw-Verkehr für Frust bei den Anwohnern. Quelle: privat

Sorgen um die Gasleitung

Es ist jedoch nicht nur das Verkehrschaos, das aus Lothar Steins Sicht ein Problem darstellt. „Direkt unter dem Gehsteig verläuft etwa der Gasanschluss zu meinem Haus. Was ist, wenn durch das ständige Überfahren die Leitung beschädigt wird?“, fragt er. Und auch das Verhalten der Stadt, kritisiert er, sei in seinen Augen alles andere als hilfreich. „Ich habe mich bereits im vergangenen September mit dem Problem ans Rathaus gewandt. Wirklich passiert ist seitdem aber nichts.“ Aktiv geworden sei die Verwaltung dagegen gegen Stein selbst sowie manche Nachbarn.

Knöllchen fürs Freihalten

Um den Weg für die Lkw zumindest ein wenig freier zu halten, habe er sein Auto des öfteren auf seinem Grundstück geparkt, wie er sagt. Die Folge: „Ich habe reihenweise Strafzettel kassiert, weil ich angeblich auf dem Gehweg parke.“ Dabei habe sein Wagen lediglich so viel Breite eingenommen wie der Treppenvorbau, der zu Steins Haustür führt. Und der Gehweg selbst sei aus seiner Sicht als solcher ohnehin nicht wirklich zu bezeichnen. Tatsächlich endet wenige Meter hinter Steins Grundstück die Pflasterung, geht zunächst in einen geschotterten Abschnitt über und endet schließlich ganz.

Immer wieder bleiben Lkw am Anbau gegenüber Steins Haus hängen. Zig Spuren zeugen von den Kollisionen. Quelle: Bastian Fischer

Stadtverwaltung will Situation prüfen

Im Rathaus, teilt Bürgermeister Udo Pick (BfM) auf Anfrage mit, hat man die Situation durchaus im Blick. „Wir arbeiten seit einiger Zeit an verschiedenen Lösungsansätzen, die zur Entspannung der Situation führen sollen“, antwortet das Stadtoberhaupt und wird im nächsten Satz etwas konkreter. „Das kann zum Beispiel die Regulierung des Parkverhaltens mittels Beschilderung, Richtungsvorgaben oder Tonnagebegrenzung sein.“ Für welche Variante man sich letztlich entscheide, müsse eine Verkehrsschau ergeben. Daneben würden die Auswirkungen des Lkw-Verkehrs auf den Straßenkörper – und damit auch auf die von Lothar Stein angeführten Leitungen – durch den Leistungsträger geprüft und der Stadt eine Handlungsempfehlung gegeben. Wann dies jeweils erfolgen soll, lässt Pick zunächst offen.

Deutlicher wird der Stadtchef indes mit Blick auf die persönliche Parksituation Steins und die daraus resultierenden Knöllchen. Eine Verwarnung, so Pick, erfolge prinzipiell auf Grundlage der Straßenverkehrsordnung. „In welchem baulichen Zustand der Gehweg dabei ist, spielt für die Feststellung einer Verkehrsordnungswidrigkeit keine Rolle.“

Von Bastian Fischer

Der kleine Grottenteich im Meuselwitzer Seckendorffpark ist derzeit völlig ohne Wasser. Dazu geführt hat nicht nur die anhaltende Dürre, sondern auch marode oder scheinbar illegal gezogene Wehre. Der Fischbestand konnte nur durch eine Notabfischung gerettet werden.

27.07.2019

Die bequeme Jeans lag noch in weiter Ferne, stattdessen waren mehrere Kleidungsschichten modern: Marche und Malcher tragen im Altenburger Land die traditionelle Tracht. Aber wie genau ist die eigentlich aufgebaut?

27.07.2019

Die herzoglichen Gebeine auf dem Altenburger Friedhof kommen nicht zur Ruhe. Nach einem Skandal rund um die Fürstengruft streiten sich Historiker Uwe Gillmeister und Stadt um eine DNA-Analyse und ein Ersatzgrab. Dabei treten neue Erkenntnisse zu Tage.

27.07.2019