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Altenburg Anwohnerin zweifelt an Sanierungsplänen für Moritzstraße in Altenburg
Region Altenburg Anwohnerin zweifelt an Sanierungsplänen für Moritzstraße in Altenburg
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12:00 08.02.2018
Sieglinde Eichler ist seit 1962 Anwohnerin der Altenburger Moritzstraße – und kennt die Geräuschkulisse der Straße sehr genau. Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

Seit 1962 wohnt Sieglinde Eichner in der Moritzstraße 9. Wenn sie vor ihrem Wohnhaus steht, grüßt sie viele der vorübergehenden Leute – und die Leute grüßen sie. Im Hintergrund scheppert der Verkehr die abschüssige Straße hinunter und hinauf. Jeden Tag ab 4.30 Uhr beginnt der Lärm und dauert bis 19 Uhr an, berichtet Eichner. „Es ist ein Hin und Her. Ich habe so gerne hier gewohnt“, sagt sie mit fester Stimme, „aber mittlerweile hasse ich diese Straße.“ Wenn sie jünger wäre, würde die 79-Jährige aus dem Altenburger Zentrum fortziehen.

Besonders der Lieferverkehr, der über das teilweise kaputte und ramponierte Pflaster fährt, verursache den größten Lärm – und zusätzlich Risse am Gemäuer. Die meisten der Lastwagen halten immerhin die vorgeschriebene Geschwindigkeit ein, „das muss ich einmal loben“, sagt Eichner. Bei den Pkw sei das oft nicht so. „Wer fährt denn hier schon mit 20 km/h die Straße entlang?“, fragt sie und zeigt in Richtung Roßplan, wo das Verkehrsschild die Tempo-20-Zone ausweist.

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Dass die kürzlich veröffentlichten Sanierungspläne der Stadt daran etwas ändern, kann sich die Rentnerin nur schwer vorstellen, sie befürchtet sogar ein noch höheres Verkehrsaufkommen. Dazu könnte auch die mit der Sanierung geplante Bushaltestelle am Topfmarkt und die dadurch veränderte Linienführung über die Moritzstraße beitragen. Dies hält Eichner – im ironischen Sinne – für eine „Wahnsinns-Idee“ und zählt die acht bereits bestehenden Haltepunkte um die Moritzstraße auf. Am Topfmarkt sei der Verkehr bereits jetzt so stark, dass sie auch ohne zusätzliche Haltestelle nur mit Mühe über die Straße komme. Die langjährige Anwohnerin sieht außerdem die Wahl des neuen Pflasters kritisch, das ähnlich wie auf dem Markt gestaltet werden soll. Dieses sei bei Nässe und Frost „glatt und rutschig“, so die Erfahrung der Rentnerin, und daher nicht für eine abschüssige Straße wie diese geeignet.

Sieglinde Eichner hofft, dass ihre gesammelten Eindrücke der vielen Jahre, die sie auf der Moritzstraße wohnt, bei der Neugestaltung berücksichtigt werden können. Außerdem vermisse sie einen öffentlichen Papierkorb. Es habe einmal an beiden Enden der Straße welche gegeben, sagt Eichner. „Es wäre schön, wenn dies wieder so sein könnte.“

Von Mathias Schönknecht