Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Altenburg Arbeit mit Silberfuchs, Zebra und Co – Tierpfleger-Ausbildung im Altenburger Inselzoo
Region Altenburg Arbeit mit Silberfuchs, Zebra und Co – Tierpfleger-Ausbildung im Altenburger Inselzoo
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:36 30.03.2019
Für Azubi Katharina Kluge beginnt der Tag bereits um 6 Uhr. Dann heißt es ausmisten und – wie hier im Gehege der Kamerunschafe – die Tiere füttern. Quelle: Mario Jahn
Altenburg/Leipzig

Es ist ziemlich kalt an diesem Morgen Anfang Februar. Auf dem Weg über die Brücke zum Inselzoo knirscht unter den Schuhen der mit Rollsplitt versehene Schnee, beim Atmen bilden sich dicke Wolken vor Mund und Nase, man zieht sich automatisch die Mütze tiefer ins Gesicht und den Schal enger um den Hals. Ein Wetter, bei dem man sich lieber mit einer Tasse Tee auf dem warmen Sofa verkriechen würde.

Unterwegs bei Wind und Wetter

Für Katharina Kluge und Sina Trummer ist das hingegen keine Option. Die beiden jungen Frauen sind bereits seit 6 Uhr im Einsatz und haben schon einiges an der frischen Luft auf dem Gelände auf der Insel mitten im Großen Teich erledigt. Da wollen Gehege ausgemistet und kontrolliert werden. Da muss das Futter für die vielen tierischen Bewohner vorbereitet und verteilt werden. Und da muss geschaut werden, ob über Nacht nicht noch die ein oder andere Streitigkeit hinter den Zäunen ausgetragen wurde, die ihre Spuren hinterlassen hat.

Echtes Alleinstellungsmerkmal: Der Altenburger Zoo ist der deutschlandweit einzige, der auf einer Insel gelegen ist. Quelle: Mario Jahn

Tierliebe war schon immer da

Ein aufwendiger Job also, für den sich die beiden 17-Jährigen entschieden haben. Bereut haben beide ihre Berufswahl allerdings noch keine Sekunde. „Ich mochte Tiere einfach schon immer“, findet Sina Trummer eine knappe aber umso einleuchtendere Erklärung für ihre Wahl. „Vor der Ausbildung hatte ich bereits ein freiwilliges ökologisches Jahr auf dem Probst-Hof bei Schmölln gemacht, im Anschluss war hier im Inselzoo eine Stelle frei – da hat alles gepasst.“

Die Azubis kommen den Tieren hautnah. Hier reicht Sina Trummer einigen Eseln einen kleinen Snack. Quelle: Mario Jahn

Ähnlich geht es Kollegin Katharina. „Ich bin mit Tieren groß geworden, hatte immer Hunde, Katzen oder Schafe um mich“, berichtet sie. Zwar habe sie ihr Netz in Sachen Bewerbungen ein wenig weiter ausgeworfen. „Altenburg war allerdings in der Nähe und hat am besten gepasst“, schiebt sie mit sanftem Lächeln hinterher. Seit September 2017 durchlaufen beide nun die Ausbildung zum Tierpfleger. Eine Chance, die sich gerade in der Skatstadt nicht all zu häufig bietet: Aufgrund der Größe des Zoos wird hier nur nach Bedarf ausgebildet.

Viel mehr als Tiere füttern

Drei Jahre lang lernt das Duo nun alles, was es für den Umgang mit Tieren im Zoo braucht. Und das, betont Ausbilder Vinzenz Schmid, ist eine ganze Menge. „Die Biologie spielt etwa eine große Rolle, aber auch gewisse Anatomiekenntnisse werden vermittelt“, zählt der 28-Jährige auf.

Unter fachkundiger Aufsicht von Vinzenz Schmid (m.) lernen Katharina Kluge (l.) und Sina Trummer im Altenburger Inselzoo. Quelle: Mario Jahn

Ebenso wichtig: Umfassendes Wissen über die richtige Ernährung der tierischen Schützlinge. „Ich muss wissen, was ich welchem Tier füttern kann und welche Nahrung für welches Tier unverträglich ist.“ Und nicht zuletzt spielt die Psychologie eine nicht zu unterschätzende Rolle. „Beim Blick in die Gehege geht es auch darum zu erkennen, wie die Tiere drauf sind, ob es Spannungen in der Gruppe gibt, welches Tier eventuell benachteiligt wird“, erklärt er. Schließlich soll es jedem Schützling im Inselzoo gleichermaßen gut gehen.

Azubis sind immer eingebunden – und selbstständig

Und von denen gibt es in Altenburg eine ganze Menge. Schließlich tummeln sich auf dem überschaubaren Areal von Kröten, Fröschen und Fischen über Schlangen und Echsen bis zu Erdmännchen, Schafen und Affen zig verschiedene Arten. Mit allen bekommen Katharina Kluge und Sina Trummer im Laufe ihrer Ausbildung zu tun. „Wir lassen unsere Auszubildenden so viele Arbeiten wie möglich selbstständig erledigen, sind aber natürlich stets ansprechbar, helfen und erläutern“, beschreibt Vinzenz Schmid den Alltag. Einmal im Jahr ist zudem Großkampftag angesagt. „Dann kommt der Tierarzt vorbei, um zu impfen und die Jungtiere zu chippen. Da wird jede Hand gebraucht, um alle Tiere einzufangen.“

Irgendwann kennen die Azubis die Eigenarten und Vorlieben ihrer Schützlinge. Dieser Silberfuchs frisst Katharina Kluge im Wortsinn aus der Hand. Quelle: Mario Jahn

Mit beinahe jeder Art kommen die Azubis so im Laufe der Zeit in direkten Kontakt. Manche, weiß etwa Katharina Kluge aus Erfahrung, sind sehr zutraulich. Tatsächlich lässt sich ein Silberfuchs nicht lange bitten, als die junge Frau mit einer kleinen Leckerei ins Gehege tritt. Lediglich bei den Rhesusaffen, betont Ausbilder Schmid, sei Teamarbeit zwingend nötig. „Bei denen weiß man nie genau, wie sie gerade drauf sind. Zudem haben sie für ihre Körpergröße enorme Kraft. Da muss man durchaus aufpassen.“

Regelmäßige Hospitation in Leipzig

Trotz des großen Artenreichtums und der umfangreichen Ausbildung: Alles, was zum Tierpflegerberuf dazu gehört, können die Azubis in Altenburg nicht lernen. „Gerade der Umgang mit großen Huf- oder Raubtieren kann hier nicht geschult werden“, erklärt Vinzenz Schmid. Deshalb geht es für Kluge und Trummer regelmäßig zur Hospitation nach Leipzig.

Tierpfleger Jens Hirmer kümmert sich unter anderem in Leipzig um die beiden Altenburger Azubis. Quelle: Zoo Leipzig

Dort sind nicht nur die jeweiligen Gehege deutlich größer, sondern auch die Arbeit mitunter umfangreicher als aus Altenburg gewohnt, weiß Jens Hirmer zu berichten. Er ist Leiter des Afrika-Bereichs und nimmt die beiden Azubis aus der Skatstadt bei ihren Besuchen im ersten Lehrjahr unter seine Fittiche. „Zwar geht es bei uns morgens auch zunächst um die Reinigung der Anlagen und Innenbereiche sowie die Futterverteilung“, erläutert er.

Gerade in der Savanne kommt es dabei darauf an, die Nahrung an Stellen zu verteilen, an denen die Tiere beim Fressen gut zu sehen sind – aber auch darauf zu achten, dass sich verschiedene Arten nicht ins Gehege kommen. „Da braucht es umfassendes Wissen zum Artenverhalten. Man muss etwa entscheiden können, welche Tiere man auf die Anlage lässt und welche im Innenbereich verbleiben. Das ist etwa bei brünftigen Männchen enorm wichtig“, spricht Hirmer aus Erfahrung.

Auf der Kiwara-Savanne im Zoo Leipzig lernen die Altenburger Azubis den Umgang mit allerlei Huftieren. Quelle: Zoo Leipzig

Von Nashörner über Löwen bis zu Menschenaffen

Auch hinter den Kulissen erhalten die Azubis in Leipzig umfassende Einblicke. „Sie assistieren etwa dem Tierarzt, lernen, wie Tiere in Narkose sicher fixiert werden oder wie man sie optimal auf einen Transport vorbereitet“, zählt der erfahrene Tierpfleger auf. Im Laufe der Ausbildung nehmen die Anforderungen stetig zu. „Nach der Savanne steht etwa der Umgang mit Okapis und Nashörnern auf dem Programm, im zweiten Lehrjahr geht es dann zu den Raubtieren. Zum Abschluss der Ausbildung beschäftigen sich die Azubis schließlich mit Menschenaffen und Elefanten.“ Und auch eine kommentierte Fütterung für die Zoobesucher steht im Zuge der Lehre auf dem Programm.

Langweilig wird die Ausbildung für Katharina Kluge und Sina Trummer also definitiv so schnell nicht.

Von Bastian Fischer

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Wenn sich die Bedingungen nicht ändern, werden sie die Schweineproduktion aufgeben. Das beträfe alle Betriebe im Kreis. Die Bilanzen der Schweinehalter seien in Schieflage geraten, weil die Anforderungen in der Tierhaltung steigen. Die Preise für Ferkel und Fleisch sinken jedoch.

30.03.2019

Der Erfolg beim Lösen von Problemen ist ein Erfolgsrezept für eine 150-jährige Tradition als Familienunternehmen. 1869 wurde der Grundstein für die Firma Leitermann in Göpfersdorf gelegt, die bis heute existiert. Die Herausforderung heute ist vor allem die Digitalisierung, was von Göpfersdorf aus besonders schwierig ist.

30.03.2019

Die Altenburger Stadträte haben die letzte Sitzung vor der Kommunalwahl zu ihrer Bühne gemacht. Mit zahlreichen Fragen nahmen sie Oberbürgermeister André Neumann (CDU) ins Kreuzverhör und gestalteten so seinen Rosenhochzeitsabend der etwas anderen Art.

29.03.2019