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Altenburg Artenschutz nicht geprüft: Naturschutzbund muss Bau stoppen
Region Altenburg Artenschutz nicht geprüft: Naturschutzbund muss Bau stoppen
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19:00 18.06.2018
So wie hier, lässt der Nabu den Viaduktweg mit Sand befestigen. Dieser Eingriff in die Natur beschäftigt jetzt das Landratsamt. Quelle: Wolfgang Schleicher
Altenburg/Nobitz

Der geplante Viaduktradweg am ehemaligen Gleis zwischen Altenburg und Narsdorf hat einen Dämpfer bekommen. Für die dazu nötige naturschutzrechtliche Genehmigung fehlt ein hieb- und stichhaltiger landschaftpflegerischer Begleitplan. Das erklärte die zuständige Fachdienstleiterin für Umweltschutz im Landratsamt, Birgit Seiler, der OVZ auf eine Anfrage. Bis dieser Begleitplan erstellt beziehungsweise überarbeitet ist, habe der Naturschutzbund (Nabu) aus eigenem Entschluss einen Baustopp auf der Trasse erklärt. Damit ist er einem Einschreiten des Landratsamtes zuvorgekommen.

Der Nabu ist neben der Naturforschenden Gesellschaft und dem Viaduktradwegverein federführend beim Wegebau. Bei Arbeitseinsätzen im Februar waren fünf der historischen Viadukt-Brücken von Bewuchs befreit worden (OVZ berichtete). Außerdem hatten Helfer auf weiten Strecken das Gestrüpp vom ehemaligen Gleiskörper entfernt und mit Kettensägen und Astscheren eine Schneise hergestellt.

Zeitgleich prüfte das Landratsamt, ob es sich um einen Eingriff in die Natur handelt. Da dies der Fall war, muss der Nabu für Ausgleichsmaßnahmen sorgen, diese in einem Begleitplan festschreiben und dann auch umsetzen.

Bauarbeiten waren Eingriff in die Natur

War es noch fraglich, ob ein einfaches Verschneiden von Büschen bis Ende Februar ein Eingriff in die Natur darstellt, waren es die danach laufenden Bauarbeiten an der Trasse auf jeden Fall. Davon geht Wolfgang Schleicher aus, der Vorsteher der Jagdgenossenschaft Altenburg ist und für die Regionalen auch im Kreistag sitzt. Schleicher dokumentierte mehrfach, dass der geplante Weg zwischen Oberleupten und Ehrenhain mit Baumaschinen einer Altenburger Tiefbaufirma planiert und mit Sand befestigt wurde. Seiner Auffassung zufolge seien durch diesen massiven Eingriff zahlreiche Tierarten bedroht.

Gefährdete Insektenarten

Schleicher beruft sich dabei auf eine 2010 vorgenommene Untersuchung entlang der ehemaligen Bahntrasse, die in der Thüringer Faunistischen Abhandlung dokumentiert ist. Darin werden die 57 vorgefundenen Arten an Laufkäfern als bemerkenswert bezeichnet. Speziell hervorgehoben werden die Nachweise der in Thüringen stark gefährdeten Arten der Körnerwarze und des Goldlaufkäfers sowie zwei weiterer bedrohter Insekten. Von 2010 bis 2013 seien mehrfach Siebenschläfer beobachtet worden. Von diesen Vorkommen geht auch Birgit Seiler aus. Deshalb drängt nun darauf, dass der Nabu auch eine spezielle artenschutzrechtliche Prüfung vornehmen muss. Erst wenn diese vorliegt, dürfen die Bauarbeiten am Weg fortgesetzt werden.

Doch selbst wenn der Nabu die Prüfung nun nachträglich vorlegt, hält Wolfgang Schleicher die Bauarbeiten vor allem zwischen Stünzhain und Oberleupten für nicht genehmigungsfähig – eben wegen der nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützten Käferarten.

Der Nabu sieht dies anders und betrachtet den Eingriff als nicht massiv, weil auf der Bahnstrecke kein Radweg im engeren juristischen Sinne entsteht, er zum Beispiel nicht grundhaft ausgebaut und auch nicht mit einer Schwarzdecke überzogen werde.

Von Jens Rosenkranz

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