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Altenburg Ausfall, Mobbing und mehr: Diskussion über Probleme der Altenburger Bonhoeffer-Schule
Region Altenburg Ausfall, Mobbing und mehr: Diskussion über Probleme der Altenburger Bonhoeffer-Schule
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07:58 16.05.2019
Eltern und Lehrer der Dietrich-Bonhoeffer-Schule in Altenburg-Nord haben mit Vertretern des Schulamtes und der Stadtverwaltung über Probleme wie Unterrichtsausfall, Gewalt und Mobbing geredet, worunter der Ruf der Schule leidet. Quelle: Thomas Haegeler
Altenburg

Mit mehr und besserer Kommunikation wollen Lehrer und Eltern die Probleme an der Dietrich-Bonhoeffer-Schule in den Griff bekommen. Das ist das Fazit einer von Altenburgs Oberbürgermeister André Neumann (CDU) moderierten Gesprächsrunde in der Music Hall. Dazu hatte die Schulleitung Eltern, Kollegium, Schülersprecher sowie Vertreter des Schulamtes und der Stadtverwaltung eingeladen. So diskutierten am Mittwoch über 40 Leute anderthalb Stunden über Unterrichtsausfall, Mobbing und mehr. Anlass dafür waren Vorwürfe, unter denen der Ruf der Regelschule in Nord jüngst gelitten hat.

Gewalt und Mobbing: Als der OB fragte, wer die Medien-Berichte über die Schule angemessen finde, stimmte die klare Mehrheit dagegen. Ein Widerspruch zu den dann von einigen Eltern geschilderten Zuständen wie Beleidigungen und um sich greifende Gewalt. So fragte etwa eine Mutter, warum ihre Tochter 2,5 Jahre bis zur Selbstverletzung gemobbt wurde, die Schule aber nichts getan habe.

Anti-Mobbing-Trainer Carsten Stahl kommt

„Es gibt an unserer Schule Mobbing“, so Schulleiterin Yvonne Künzel. Wenn nichts mehr helfe, bleibe nur, dass Opfer oder Täter gehen. Warum hier davor nichts funktioniert habe, wisse sie nicht. „Aber wir versuchen es.“ Eine Maßnahme sei – auf Initiative der Elternsprecher –, Anti-Mobbing-Trainer Carsten Stahl zu holen, um die Schüler für das Thema zu sensibilisieren. Stahl, der vom Bund finanziell unterstützt wird und durch eine RTL2-Show bekannt wurde, kommt am 25./26. September nach Altenburg. Warum man den Berliner einlud, obwohl es keine Probleme gebe, wie der Schulelternsprecher zuvor betont hatte, blieb jedoch offen. Es kristallisierte sich zudem heraus, dass vor allem eine Person die Schule öffentlich diskreditieren soll.

Das wollte eine andere Mutter so nicht stehen lassen. „Zur Zeit ist Ruhe und wir genießen es“, sagte sie zur Situation in der 5. Klasse. Jeder, der nicht mit Gewalt und Mobbing konfrontiert sei, solle froh sein. „Die Kinder haben uns angefleht, sie von der Schule zu nehmen.“ Dabei habe man versucht, mit Lehrern und Schulleitung zu sprechen. „Aber uns wurde nicht zugehört.“ Das räumte Künzel möglicherweise ein: „Ich kann Sie daher nur auffordern, ihre Wünsche nochmals zu formulieren und Dinge zu besprechen.“

Über die Hälfte der Stunden fallen aus, keine Bewerber für Stellen

Lehrermangel: Erscheint als größtes Problem. So fiel laut Schulleitung im Februar von 350 vorgesehenen Wochenstunden für die elf Klassen mit 185 über die Hälfte des Unterrichts aus. „Wir finden keine Lehrer, die hier anfangen“, benannte Schulamtsleiter Berthold Rader das Problem. Insbesondere für Grund-, Regel- und Berufsschulen gebe es einen Bewerbermangel. Man versuche zwar, durch Gymnasiallehrer oder befristete Kräfte zu helfen, schaffe das aber nicht und müsse die Stundentafel planmäßig kürzen. Das geschehe, um in den Kernfächern Prüfungsreife herzustellen.

Das Kollegium sei im Schnitt 53 Jahre alt, zwei Kollegen seien langzeiterkrankt, beschreibt Künzel die Situation. Mit der im Oktober eingestellten Kollegin lasse sich der Mangel aber nicht aufhalten. Zudem schreckten die Negativschlagzeilen in sozialen Medien junge Lehrer ab. Sie verstehe den Ärger der Eltern, die das ausbaden müssten, und bekomme viele Anträge auf Nachhilfe. „Aber die Kollegen sind an der Belastungsgrenze.“

Hoffnung für fehlenden DaZ-Lehrer

Kinder von Migranten: Angesichts eines Ausländeranteils von 25 Prozent konstatierte eine Mutter, das diese Kinder den Unterricht aufhalten und wollte wissen, warum sie anders bewertet werden. Das begründete Künzel mit dem gesetzlich garantierten Nachteilsausgleich. „Förderstunden, die wir früher gegeben haben, können wir aber nicht mehr halten, weil wir Unterricht absichern müssen“, erklärte die Schulleiterin und verwies auf die seit Februar wegen Krankheit völlig entfallenden Stunden in Deutsch als Zweitsprache (DaZ). Dabei hätte man sogar Anspruch auf zwei DaZ-Lehrer. „Dass es keinen DaZ-Lehrer gibt geht gar nicht“, sagte Rader auf OVZ-Nachfrage und hoffte leise, nun einen einstellen zu können, der dann in Altenburg etwas abfange.

Stadt findet keine Firmen

Bauliche Mängel: Dass Treppen des Schulhauses trotz Sanierungsbedürfnis noch nicht gemacht sind, begründete der zuständige Referatsleiter der Stadt, Rüdiger Zick, mit erfolglosen Ausschreibungen. Dazu wolle man Ende Juni einen neuen Versuch unternehmen, sagte der Experte für Hoch- und Tiefbau und hofft auf Gebote. Für neue Fenster sei ab diesem Jahr Geld im Haushalt eingestellt. Bedingung: Der Stadtrat muss den Haushalt noch beschließen.

Lehrer skizziert Weg bei Problemen

Mittel gegen Rufschädigung: Als Antwort auf die Frage eines Vaters, wie man sich gegen die Rufschädigung wehren könne, empfahl Rader Strafanzeigen „wegen Verleumdung, Beleidigung oder übler Nachrede“. Da übernehme das Land auch die Anwaltskosten. Dem widersprach der Vertrauenslehrer, weil man das nur bei persönlicher Betroffenheit machen könne. „Jeder ist gesprächsbereit“, skizzierte er den Weg bei Problemen: „1. zum Klassenlehrer, 2. zum Vertrauenslehrer und wenn das nichts bringt 3. zur Schulleitung.“ Eins habe der Ankläger im Internet erreicht: „Wir unterhalten uns. Und wenn wir das machen, hat er keine Plattform mehr.“

Von Thomas Haegeler

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