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Altenburg B 93: Anwohner und Straßen leiden unter der Umleitung wegen Brückenbaus in Lehndorf
Region Altenburg B 93: Anwohner und Straßen leiden unter der Umleitung wegen Brückenbaus in Lehndorf
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00:48 21.04.2018
Die Neue Welt in Lehndorf leidet am meisten unter der Umleitung wegen der gesperrten Bahnbrücke gleich nebenan. Selbst Laster donnern durch, für die diese Straße eigentlich gesperrt ist. Quelle: Mario Jahn
Nobitz

„Ja ne snaju“, sagt der russische Fernfahrer, der kurz bevor es auf der B 93 in Lehndorf nun wirklich nicht mehr weitergeht, rechts nach Saara abbiegt, nicht mehr weiß, wo er ist und auf der engen Straße wieder entnervt wendet. Das ist derzeit das tägliche Bild auf den legalen, halblegalen und illegalen Umleitungsstrecken rund um Lehndorf, Saara, Zürchau und anderen Ortsteilen der Gemeinde Nobitz. Denn seitdem die Deutsche Bahn eine wichtige Brücke in Lehndorf abreißt und wieder aufbauen will, ist die Bundesstraße 93 dort voll gesperrt.

Die Großbaustelle ist derweil ein beliebtes Ausflugsziel für Spaziergänger in dem Dorf, wo sonst nicht viel los ist. Auch gehschwache Rentner mühen sich mit ihren Rollatoren neugierig hinauf zu den Baggern und Kippern, die die alte Brücke seit dem 9. Januar abtragen.

Ganz und gar nicht interessant finden das die Anwohner an der Neuen Welt, eine schmale Straße, die ihrem Namen nun alle Ehre macht. Dort brettern Tag und Nacht Fahrzeuge lang, die hier noch nie gewesen sind. Die offizielle Umleitung verläuft über die B 7 und Schmölln oder über Mockzig und Nobitz, aber keinesfalls über die Neue Welt, eine mickrige Anliegerstraße unterhalb der Bahnbrücke. Neben dem Baulärm ärgern sich die Anwohner nun auch über den nicht enden wollenden Fahrzeugstrom, der unmittelbar an den Häusern vorbeirattert und der die ohnehin schon ramponierte Straße zerstören wird. Schon innerhalb kürzester Zeit sieht man Autos aus Leipzig, Chemnitz, München oder Bad Homburg.

„Das ist eine Katastrophe, unmöglich“, schimpft ein Anwohner, der die Fahrzeugkolonne gerade fotografiert, seinen Namen aber nicht in der Zeitung lesen möchte. Ganz schlimm sei es morgens zwischen fünf und acht sowie abends zwischen 17 und 20 Uhr, wo es ohne Ende hin und her geht, auch schwere Laster dort trotz Verbots fahren, unterbrochen nur von kurzen Intervallen der Ampel, da ein Gegenverkehr unmöglich ist.

Kommt die Kolonne aber zum Stehen, weil zum Beispiel ein Anwohner auf sein Grundstück fährt, kommen schon die Fahrzeuge der Gegenrichtung und es geht gar nichts mehr, ehe sich die eine Seite nach endloser Warterei zum Rückzug entschließt. „Das blanke Chaos“, meint der Mann, der sich deswegen schon bei beim Bürgermeister beschwert hat. Doch der könne nichts machen, brauche Beweise, meint der Mann. Und deshalb fotografiere er nun seine Straße.

Für die Fahrer ist der Ausflug in die Neue Welt eigentlich völlig unattraktiv. Haben sie aus Richtung Altenburg Pech, stehen sie zunächst vor einer geschlossenen Bahnschranke und danach bis Zehma an zwei weiteren Ampeln. Offenbar ist dies das kleinere Übel gegenüber der etliche Kilometer längeren Umleitungsstrecke. Diese verläuft ab Zehma in Richtung Mockzig.

Auch dort wird die Straße am Ortsteingang die einjährige Umleitung nicht überleben, wo bereits ein Schild vor Schäden warnt. Die Einwohner des Altenburger Ortsteils haben schon jetzt die Nase voll und Unterschriften gesammelt. Sie beklagen einen unsicheren Schulweg, extreme Lärmbelästigung durch Lkw und ein zu hohes Verkehrsaufkommen. Sie fordern die Verlegung der Umleitungsstrecke. Auch der Ortsteilrat Ehrenberg hat sich kürzlich für eine Tempo-30-Zone durch die Thomas-Münzer-Siedlung ausgesprochen, durch die ebenso der Umleitungsverkehr rollt.

So weit sind die Zürchauer noch nicht, wo ein weiterer Schleichweg entlangführt und die Bewohner nun an einem Tag so viele Durchreisende aus Hamburg oder Berlin sichten, wie sonst in 20 Jahren. Auch in diesem Dorf wird die ramponierte Straße nicht mehr lange halten. Hoffnung versprechen sich Anwohner davon, dass der Bornshainer Bach bald verbreitert und die Ortsdurchfahrt deshalb gesperrt wird.

Ehe der Nobitzer Bürgermeister Hendrik Läbe (SPD) etwas unternimmt, will er erst die Lage weiter beobachten, Fahrzeuge zählen, sagt er der OVZ. Aus der Neuen Welt habe er bislang nur eine Beschwerde, aber auch Einwohner, die die Beeinträchtigungen hinnehmen, weil es eben nun mal so ist, meint Läbe. Es sei schwer zu kontrollieren, wenn neben offiziellen Umleitungsstrecken einige Fahrzeuge eben auch andere Wege nutzten. Er zieht in Erwägung, beispielsweise in Zürchau, Ampeln mit langen Intervallen aufzustellen, um diesen Schleichweg so unattraktiv wie möglich zu machen. Mehr sei im Moment nicht möglich.

Von Jens Rosenkranz

Bei Lehndorf spielte sich wohl der dramatischste Rettungseinsatz dieser Orkannacht ab. „Uns erreichte gegen 19 Uhr die Alarmierung, dass wir einen zwischen Zehma und Lehndorf liegengebliebenen Zug evakuieren sollen“, so Wehrleiter Thomas Hummel. Was folgte, erleben auch Feuerwehrleute nicht alle Tage.

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