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Altenburg Bahnstreik bremst Pendler in Altenburg aus
Region Altenburg Bahnstreik bremst Pendler in Altenburg aus
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17:18 10.12.2018
Die Züge stehen still: Der Bahnstreik hatte auch am Altenburger Bahnhof Auswirkungen. Quelle: Bastian Fischer
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Altenburg

„Ich bin um 6 Uhr in Zwickau gestartet und bis Altenburg gekommen. Keine Ahnung, wie es jetzt weiter geht. Ich komme im Moment weder vor noch zurück“, antwortete Mike Flehsa auf die Frage, wie sein Tag als Pendler begonnen hatte. Gut zwei Stunden stand der 45-Jährige da schon am Bahnsteig – und war damit bei Weitem nicht allein.

Statt emsiger Betriebsamkeit herrschte am Montagmorgen am Altenburger Bahnhof Stillstand. Auf den Gleisen stauten sich die S-Bahnen, in den warmen Zügen warteten die Reisenden oder versuchten, sich die Zeit auf dem zugigen Bahnsteig mit einer Zigarette zu verkürzen. Wann und wie es weitergehen würde, war auch nach Ende des Streiks um 9 Uhr ungewiss.

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Verständnis für Tarifkampf

Trotz der Unannehmlichkeiten brachten die meisten der in der Skatstadt gestrandeten Pendler Verständnis für den Tarifkampf der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) auf. „Ich kann den Streik verstehen. Wenn die Mitarbeiter ordentlich bezahlt würden, wäre ein solcher Schritt ja nicht nötig“, gab Stefanie Tretner zu bedenken. Sie und ihr Mann hätten erst am Montag vom drohenden Ausstand erfahren.

Zwar sei nun nicht sicher, ob sie gemeinsam mit ihrem Mann rechtzeitig zum Augenarzttermin in Leipzig erscheinen könne. Aber es gebe auch Menschen, denen der Streik deutlich mehr zusetze. „Wenn ich zum Beispiel deshalb meinen Urlaub platzen lassen müsste, wäre ich bestimmt wütender“, relativiert die Seniorin.

Kritik an mangelnder Information der Bahn

Deutlich gefrusteter war da schon Franziska George. Auch sie war eigentlich auf dem Weg von Gößnitz zur Arbeit in der Messestadt und in Altenburg gestrandet. „Seit halb sieben stehe ich hier, dabei muss ich eigentlich auf Arbeit“, erklärte die junge Frau. Wie viele andere auch, musste sie sich eine Alternative organisieren, konnte glücklicherweise auf eine Mitfahrgelegenheit zurückgreifen.

Mehr als über den Streik ärgerte sie sich über die schlechte Informationspolitik seitens der Bahn. Nicht nur sei zunächst noch von einem Schwerpunkt in Nordrhein-Westfalen die Rede gewesen. „Es hieß zudem, man solle sich vor Fahrtantritt selbst informieren, ob der Zug auch wirklich fährt. Das habe ich tatsächlich gemacht, allerdings war nicht ersichtlich, dass man nur bis Altenburg kommt“, machte sie ihrem Ärger Luft.

Die meisten Pendler bleiben gelassen

Der mangelnde Informationsfluss machte auch Monika Lubnau zu schaffen. An ihrem Serviceschalter blieb ihr zumeist nichts anderes übrig, als die Reisenden zu bitten, auf Durchsagen und Anzeigen direkt am Bahnsteig zu achten. „Wir bekommen hier einfach keine aktuelleren Informationen“, so ihre stetig wiederholte Begründung – die von den allermeisten Kunden indes mit einem zwar resignierten, aber freundlichen Lächeln akzeptiert wurde.

„Der größte Teil ist seit heute Morgen sehr entspannt. Nur gegen sieben Uhr hatte ich einen Kunden, der sich partout nicht beruhigen wollte. Da musste ich mal kurz den Laden schließen“, plauderte sie aus dem Nähkästchen. Zur großteils gelassenen Stimmung habe sicher auch beigetragen, dass die Bahnfahrer im Kreis in den vergangenen Wochen immer wieder auf Schienenersatzverkehr umsteigen mussten. „Es brodelt zwar ein wenig, aber man ist es inzwischen auch gewöhnt“, so ihre Einschätzung, bevor sich Monika Lubnau wieder dem nächsten Kunden zuwandte.

Von Bastian Fischer

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