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Altenburg Bauern im Altenburger Land leiden unter Preisverfall
Region Altenburg Bauern im Altenburger Land leiden unter Preisverfall
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08:35 30.03.2019
Kerstin Fröhlich im Schweinestall der Kriebitzscher Agrargenossenschaft. Quelle: Jörg Reuter
Nöbdenitz

Einen landwirtschaftlichen Betrieb zu führen, grenzt momentan offensichtlich an die Quadratur des Kreises. Auf ihrer Sorgen und Nöte verwiesen kürzlich einmal mehr die bäuerlichen Unternehmen des Kreises. Ganz besonders unter Druck würden derzeit die Schweinehalter und -züchter stehen, erklärt der Kreisbauernverband für die bei ihm organisierten Tierproduzenten. Ausnahmslos alle würden darüber nachdenken, die Schweinehaltung aufzugeben, wenn die Bedingungen so bleiben, wie sie sind. Dabei sei der Preisverfall der vergangenen Monate das gewichtigste und zentralste Problem, aber nicht das einzige.

Preisverfall binnen zwölf Monaten

Neben dem Erlös – der Preis für Ferkel ist laut Bauernverband in rund zwölf Monaten von 63 Euro auf 49 Euro gefallen, der Kilopreis für Fleisch ist von 1,62 Euro auf 1,42 Euro gefallen – stellen die Landwirte auch unter Zwängen, was die Haltungsbedingungen der Tiere betrifft. Um all das umzusetzen, wäre ein Kilopreis für Fleisch von 1,75 Euro nötig, um kostendeckend zu arbeiten, erklärten die Vertreter von verschiedenen Agrarbetrieben einhellig beim gemeinsamen Termin mit der Presse und dem Bundestagsabgeordneten Volkmar Vogel (CDU).

Stichwort Kastration: Im vergangenen Jahr erlebte die Diskussion um die betäubungslose Kastration von Ferkeln einen Höhepunkt, weil die Erlaubnis dafür eigentlich zum 31. Dezember auslaufen sollte. Jedoch hat der Bundestag auch mit Vogels Stimme die Erlaubnis um zwei Jahre verlängert. Dafür gab es dann reichlich Kritik von Tierschützern. Doch die Kastration der kleinen Eber sei zwingend notwendig, erklärte Gerd Junghans von der Agrargenossenschaft Nöbdenitz, die im Jahr rund 39 000 Ferkel produziert. Abgesehen von der schwierigen Haltung von geschlechtsreifen Ebern würde vor allem der Handel das Fleisch nicht abnehmen.

Gleiches Recht für alle Europäer

Kerstin Fröhlich im Schweinestall der Kriebitzscher Agrargenossenschaft Quelle: Jörg Reuter

Dabei sei es doch nicht so, dass in seinem Betrieb die Ferkel nicht betäubt würden, so der Leiter der Schweinezucht weiter. „Wir in Deutschland dürfen es schlicht nicht.“ Eine örtliche Narkose sei grundsätzlich nicht zugelassen und eine Vollnarkose dürften nur Tierärzte den Schweinen verabreichen, nicht die Halter. Der zuständige Veterinär könne es wiederum nicht schaffen, bei der Kastration von wöchentlich 200 Ferkeln anwesend zu sein, denn er betreue nicht nur einen Betrieb, argumentierte Junghans und forderte gleiches Recht für alle Europäer, denn er wisse, dass in Nachbarländern die Bauern selbst die Schweine für die Kastration betäuben dürften.

Und so gebe es – angefangen bei den Verordnungen zur Luftfilterung über die Größe der Boxen oder die Kastenhaltung – zahlreiche gesetzliche Vorschriften, die die Produktionskosten der Schweinehalter stetig in die Höhe treiben. „Dabei wissen die Betriebe nicht, was sie in ein paar Wochen für das Ferkel bekommen und nicht, welchen Erlös sie morgen fürs Schweinefleisch erzielen. Jedoch brauchten sie Planungssicherheit über 20 Jahre. Denn anders sind die geforderten Investitionen nicht umsetzbar“, argumentierte der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, Bernd Apel. Weil das eben nicht so sei, forderten die Anwesenden die Abkehr von den Regeln, die die Schweinehaltung verteuern.

Konsumenten kaufen zu billig

„Da wird immer vom Tierwohl gesprochen, ich war über 40 Jahre als Tierarzt tätig. Ich kann mit dem Begriff nichts anfangen und die Bevölkerung erst recht nicht. Wer legt den fest, wann sich ein Tier wohl fühlt und wann nicht. Entscheidend ist, dass die Schweine gesund sind. Das ist das Maß der Dinge“, sagte Ingolf Herold, Geschäftsführer der Mitteldeutschen Schlacht- und Nutzvieh Erzeugergemeinschaft. Natürlich, darin waren alle einig, im Zweifel lässt sich jede Forderung umsetzen, das ist nur eine Frage des Geldes. Doch offensichtlich ist es schwieriger, höhere Erlöse zu erzielen, die unter anderem der Handel mit Institutionen wie der Mitteldeutschen Schlacht- und Nutzvieh Erzeugergemeinschaft aushandelt, als kostenintensiv die Haltungsbedingungen entsprechend dem öffentlichen Diskurs zu verändern.

In diesem Zusammenhang wurde beklagt, dass sich die Verbraucher auf der anderen Seite leichtgläubig von Lockangeboten beeinflussen lassen und vor allem Billigerzeugnisse kaufen. Dabei gebe es im Landkreis eine hohe Produktionstiefe – angefangen bei der Ferkelzucht über die Mast bis zum Schlachten in Altenburg, was nicht honoriert werde. Auf die Frage, wo denn der geneigte Kunde konventionelles Schweinefleisch aus dem Kreis zu fairen Preisen erhalten könnte, wusste aber keiner eine Antwort. Apel meinte lediglich, er würde zum Fleischer seines Vertrauens gehen. Um sogleich einzuschränken: „Aber ich weiß auch nicht, ob das Fleisch dort aus diesem Kreislauf stammt.“

Zahlen & Fakten

Im Altenburger Land gibt es 84 Schweinehalter, davon sind 13 Landwirtschaftsbetriebe und 71 im Nebenerwerb.

In den Landwirtschaftsbetrieben wurden im Januar 2019 insgesamt 2698 Zuchtschweine und 13 840 Mastschweine im Kreis gezählt.

Im Schlachthof Altenburg wurden 2018 insgesamt 716 026 Schweine geschlachtet.

Der Bedarf an Schweinefleisch für Thüringen kann nicht aus landeseigener Produktion gedeckt werden. Es wird Schweinefleisch nach Thüringen eingeführt.

Von Jörg Reuter

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