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Altenburg Bei Plakat-Aktion wegen Wasserleitung kochen in Hartha die Emotionen hoch
Region Altenburg Bei Plakat-Aktion wegen Wasserleitung kochen in Hartha die Emotionen hoch
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04:08 17.04.2019
Mit einem Transparent unterstreichen die Einwohner des Schmöllner Ortsteils Hartha ihre Forderung nach einer Trinkwasserleitung. Quelle: Jens Rosenkranz
Hartha

Die Einwohner des Lumpziger und seit Jahresbeginn nun Schmöllner Ortsteils Hartha haben die Nase voll. Seit Jahren fördern ihre Brunnen nur eine schlechte Wasserqualität, sind mit Coli-Bakterien und Nitraten belastet. Im letzten trockenen Sommer drohten die Förderstellen sogar zu versiegen. Zum Frust über schlechtes Wasser gesellt sich nun die Sorge, bald gar keines mehr zu haben. Deshalb sollte am Montag mit zwei großen Transparenten an den beiden Orteingängen öffentlich auf die Misere aufmerksam gemacht werden.

Kritik am Ortsteilbürgermeister

Doch die Plakat-Aktion nahm eine unerwartete Wende. Einer der Hauptakteure war der ehemalige Lumpziger Bürgermeister und jetzige Ortsteilbürgermeister Torsten Hiller, der der erst kürzlich gegründeten Wählervereinigung für das neue Schmölln angehört. Das Gemeindeoberhaupt wurde von einigen Anwesenden heftig dafür kritisiert, weil er seit vielen Jahren angeblich rein gar nichts gegen den Wassernotstand getan habe. Jetzt aber, wo das Problem bereits in der Landesregierung bekannt sei und diese auch Hilfe signalisiert habe, würde der Bürgermeister sich an die Spitze des Protestes stellen, um damit Punkte zu sammeln, seine Fahne quasi in den Wind zu hängen, hieß mehrmals während des lautstark und emotional geführten Wortwechsels unter freiem Himmel in der Dorfmitte.

Schrade verärgert

Die Stadtratskandidatin Janina Wegner kritisierte außerdem, dass Schmöllns Bürgermeister Sven Schrade (SPD) nicht eingeladen wurde, der darüber sehr verärgert sei. Denn vor allem Schrade sei es doch zu verdanken, dass nun endlich Bewegung in den Trinkwasseranschluss kommen würde, rief Wegner, die bei den Wahlen für die SPD antritt.

Hiller wies die Vorwürfe, so wie auch die Ortsteilräte Claus Katzenberger und Bertram Burkhardt (beide Wählervereinigung für das neue Schmölln), zurück. Niemand wolle seine Fahne irgendwohin hängen. Die Plakat-Aktion diene lediglich dazu, der Forderung nach einer zentralen Trinkwasserleitung und der Kritik an dem schlechtem Brunnenwasser Nachdruck zu verleihen.

Gleich am Ortsteingang von Hartha werden die Transparente angebracht. Quelle: Claus Katzenberger

Dass die Bürger deshalb so aneinandergeraten, habe ihn sehr überrascht, sagte Katzenberger der OVZ. Es gehe doch allein darum, dass Hartha 30 Jahre nach der Wende endlich sauberes Trinkwasser bekommen.

Brief an den Ministerpräsidenten

Diese Forderung hatte Katzenberger gemeinsam mit Hiller und anderen Ortsteilräten auch in einem Brief an den Thüringer Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (Linke) unterstrichen. Darin wird auf die sinkende Lebensqualität wegen der eingeschränkten und qualitativ bedenklichen Wasserversorgung aufmerksam gemacht. Wäsche müsste an anderen Orten gewaschen, Wohnungen könnten nicht vermietet werden. Junge Familien mit Kindern hätten Zukunftsängste, heißt es. Wenn man Besuch bekomme, haben Betroffene Angst, dass das Wasser ausgehe. Der Wasserzweckverband könne wegen seiner begrenzten Mittel den Netzausbau nur zögerlich umsetzen, da es im Altenburger Land noch weitere Brunnendörfer gebe. Ramelow wird zu einem Besuch nach Lumpzig eingeladen.

Geld vom Land?

Mittlerweile mehren sich Zeichen, dass die Landesregierung tatsächlich Fördermittel für zentrale Wasserleitungen bereitstellt, zunächst für den Göhrener Ortsteil Lossen und danach für Hartha. Dies sind die größten Brunnendörfer im Altenburger Land. Daneben gibt es 16 weitere Orte, die ebenso gänzlich oder teilweise ohne zentrale Versorgung sind.

Von Jens Rosenkranz

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