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Altenburg Beziehungsstreit in Schnauderhainichen eskaliert
Region Altenburg Beziehungsstreit in Schnauderhainichen eskaliert
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09:54 30.04.2019
Manuel L. (links) auf der Anklagebank im Altenburger Amtsgericht neben seinem Verteidiger André Barth. Quelle: Maximilian König
Altenburg

Manuel L. will es nicht glauben: Unentwegt schüttelt er im Amtsgericht den Kopf, rutscht so unruhig auf seinem Stuhl hin und her, dass ihm das Portemonnaie aus der Hosentasche fällt. Vor ihm im Zeugenstand sitzt seine Ex-Freundin Susann W. – mit der rechten Hand knüllt sie ein Taschentuch und berichtet von einer Woche im Juni 2018.

Am Abend des 19. Juni streitet sich das Paar wegen eines angeblichen Nacktfotos, das Manuel L. auf dem gemeinsam genutzten Laptop gefunden haben will. Er wirft ihr vor, freizügige Fotos von sich zu verkaufen und beschimpft sie als „Schlampe“, sie vermutet schon länger, dass er fremdgehen könnte – die rund dreijährige Beziehung kriselt seit Monaten. Nach einer Rangelei um den Laptop liegt er rücklings auf dem Boden, schubst seine Freundin mit den Füßen weg, sie stößt mit dem Rücken gegen ein Glasregal.

Drohung mit Schraubenzieher im Fokus

Als die 32-jährige Gymnastiklehrerin einige Stunden danach ihren Freund Marcel T. in die Wohnung in Schnauderhainichen ruft, eskaliert die Situation: „Was willst du Lappen denn?“, soll der Dazugerufene Manuel L. an den Kopf geworfen haben, als der ihn mehrmals auffordert zu gehen. „Dann sind mir die Sicherungen durchgebrannt“, gibt L. zu. In der Küche geht er auf den Besucher los, packt ihn am Hals, Marcel T. landet mit dem Rücken auf der Küchenarbeitsplatte.

Nun gehen die Meinungen das erste Mal auseinander: Während Susann W. erzählt, Manuel L. habe mit einem erhobenen und wie als Waffe gezückten Schraubenzieher gebrüllt, dass er Marcel T. tot machen wolle, beteuert der gelernte Koch, nichts dergleichen getan zu haben. Ein Schraubenzieher habe zwar in der Küche gelegen, ja. Diesen habe er im Zuge der Auseinandersetzung lediglich auf die Arbeitsplatte zurückgeworfen – weil er„ordnungsliebend“ sei. Zur Illustration wirft er den Kugelschreiber seines Verteidigers André Barth über den Tisch.

Was geschah eine Woche nach dem Streit?

Fundamental uneinig sind sich die Ex-Partner darüber, was sich eine Woche später in der gemeinsamen Wohnung abgespielt haben soll: Die dreifache Mutter gibt an, Manuel L. habe sie am 26. Juni auf eines der Kinderbetten geworfen und versucht, ihr den Autoschlüssel aus der Hand zu reißen. „Ich dachte, der zieht mir den Finger ab“, beschreibt sie den Schmerz. Außerdem habe er ihr mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen – sie habe sich mit einem Biss in die Brust gewehrt. Und zwar so heftig, „dass mir die Zähne weh taten.“ Der Beschuldigte behauptet dagegen, er sei an diesem Tag in Chemnitz gewesen. Aufgebracht hebt er die Hände: „Ich schwöre bei meiner Mutter, ich war nicht da!“ Nur ein einziges Mal sei er nach dem Streit in der Wohnung gewesen, um Kleidung zu holen.

Aufgrund des letzgenannten Vorfalls, den der 37-Jährige abstreitet, ist er nicht nur wegen Beleidigung und Körperverletzung angeklagt, sondern auch wegen versuchten Raubes. Obwohl Richter Alexander Reichenbach durchscheinen lässt, dass der letzte Anklagepunkt eventuell fallengelassen wird, droht Manuel L. laut Staatsanwalt bis zu einem Jahr Haft.

Zufallsfund auf dem Handy

Brenzlig wird es für den gebürtigen Naumburger, als Susann W. dem Gericht Fotos zeigt, die er ihr einen Tag vor dem 26. Juni geschickt haben soll. Darauf zu sehen: Rosenblätter, Kuchen und Geschenke für die Kinder als Wiedergutmachung für den Streit um den Laptop. Manuel L. räumt daraufhin ein, doch noch ein weiteres Mal in Schnauderhainichen gewesen zu sein. In seinem Foto-Speicher auf dem Handy, die Richter Reichenbach zusammen mit Staatsanwalt und Verteidiger durchschaut, findet sich gar ein Video, in dem er die geschmückte Wohnung präsentiert. Mehr noch – durch Zufall entdeckt Reichenbach ein Foto, das Manuel L. zeigt, wie er sein T-Shirt hochhebt, um auf eine Stelle an seinem Oberkörper hinzuweisen. Das Foto wurde einen Tag nach dem von ihm abgestrittenen Angriff aufgenommen. Handelt es sich um eine Wunde von dem Biss in die Brust, den Susann W. so lebhaft beschrieben hatte?

Manuel L. gerät immer weiter in die Defensive. An den Tag des Bisses und die genaue Ursache kann er sich nicht erinnern. Sein Handy wird konfisziert, um Fotos und Chatverläufe auszuwerten. Vor allem geht es nun um die Frage ob das Chemnitzer Alibi, das er so vehement verteidigt, stichfest ist – denn auch bei dieser Angabe verheddert er sich stellenweise.

Mangelndes Erinnerungsvermögen beim Angeklagten

Insbesondere von zeitlichen Fragen ist der Angeklagte überfordert. Das wird auch am Montag deutlich, als er nach dem ersten Verhandlungstag am vergangenen Mittwoch zu seinem Werdegang befragt wird. Nach eigenen Angaben saß er bereits zweieinhalb Jahre im Gefängnis, in Naumburg sowie im „Roten Ochsen“ in Halle. Das Bundeszentralregister weist jedoch insgesamt mehr als sieben Jahre Haftzeit aus. Auch nach expliziter biografischer Abfrage des Richters kann der Widerspruch nicht aufgeklärt werden. Eine Prüfung soll die genaue Haftzeit nun klären.

Am Fortsetzungstermin am 20. Mai sollen nun ein Freund aus Chemnitz, mit dem Manuel L. den 26. Juni verbracht haben will, sowie Marcel T., der eine Woche zuvor auf die Küchenzeile gedrückt worden war, befragt werden. Bisher sieht es nicht gut aus für den Angeklagten: Marcel T. hatte der Polizei exakt dieselbe Version mit dem Schraubenzieher zu Protokoll gegeben wie Susann W.

Von Maximilian König

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