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Altenburg Boderitz bekommt Trinkwasserleitung – Schömbach muss durchhalten
Region Altenburg Boderitz bekommt Trinkwasserleitung – Schömbach muss durchhalten
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04:09 19.12.2018
Manfred Hübner kümmert sich seit Anfang der 2000er-Jahre ehrenamtlich um die Trinkwasserversorgung der Wassergemeinschaft Schömbach.
Manfred Hübner kümmert sich seit Anfang der 2000er-Jahre ehrenamtlich um die Trinkwasserversorgung der Wassergemeinschaft Schömbach. Quelle: Jörg Reuter
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Langenleuba-Niederhain

Über die Trinkwassersituation in Boderitz und Schömbach wurden kürzlich die Bürger der Gemeinde Langenleuba-Niederhain bei einer Einwohnerversammlung in der Straßenschänke informiert. Beide Ortsteile versorgen sich seit jeher eigenständig aus Quellen beziehungsweise Brunnen mit Trinkwasser. Das führte jedoch in der Vergangenheit auch immer wieder zu Problemen. Zuletzt in diesem Jahr. Wie zur Einwohnerversammlung bekannt wurde, musste im Hochsommer beispielsweise in Boderitz eine Zeit lang das Wasser rationiert werden.

Baukosten von rund 450 000 Euro

In der Straßenschänke stellte nun der Zweckverband Wasserver- und Abwasserentsorgung Altenburger Land (ZAL) die Planung für Boderitz in groben Zügen vor. Demnach will der Verband 2019 eine Trinkwasserleitung in den Niederhainer Ortsteil bauen, die zukünftig die Haushalte versorgt und die individuelle Wasserversorgung ablösen soll. Der beauftragte Planer erläuterte, dass momentan zwei Varianten der Streckenführung zur Diskussion stehen. Entweder werde eine neue Leitung von Lohma aus nach Boderitz gelegt oder von Uhlmannsdorf. Jede Route habe bauliche Vor- und Nachteile. Laut Planansatz würde die erste Version mit 440 000 Euro zu Buche schlagen, die zweite mit 460 000 Euro Gesamtkosten.

Derzeit sei noch nicht über eine Vorzugsvariante entschieden, informierte dazu ZAL-Werkleiter Lars Merten. Wohl aber sei die Investition im Haushalt des Zweckverbandes für 2019 eingestellt. „Unser Plan ist, im kommenden Jahr den ersten Bauabschnitt zu realisieren und dann 2020 die Arbeiten zu beenden und die Haushalte anzuschließen“, so Merten.

70 Prozent wollen ZAL-Wasser

Selbstverständlich wurde nicht erst im Zuge der extremen Trockenheit in diesem Jahr mit der Planung für Boderitz begonnen. Denn die Wassergemeinschaft hatte schon häufiger Probleme – mal mit der Menge, mal mit der Sauberkeit. „Als Verbandsrat im ZAL habe ich immer darauf gedrungen, dass Boderitz einen Anschluss bekommt“, erläutert Niederhains Bürgermeister Carsten Helbig (SPD) gegenüber der OVZ.

Darüber hinaus habe der ZAL im Sommer die Einwohner befragt, ob sie einen öffentlichen Trinkwasseranschluss wünschen. 70 Prozent hätten ja gesagt, so Merten. Vor diesem Hintergrund sei die Investition vernünftig. Wassermeister Rocco Burkhardt griff den Faden auf und betonte, dass es nicht nur wichtig ist, einen Anschlussgrad von nahe 100 Prozent zu erreichen, sondern dass die Haushalte dann auch das Wasser nutzen. „Wir haben Erfahrungen mit Brunnendörfern. Viele lassen sich zwar einen Hahn in die Küche legen, nutzen dann aber weiterhin hauptsächlich ihr Brunnenwasser weiter.“ Dieses Szenario würde ganz klar eine Fehlinvestition bedeuten, so Burkhardt. Was nicht nur die Refinanzierung der Baukosten betrifft, die im Bereich Trinkwasser komplett ohne Fördermittel gestemmt werden müssen.

Biologische Verunreinigungen sind möglich

Bei zu geringen Abnahmemengen entstehen zudem erheblichere Zusatzkosten, weil das Trinkwasser dann in der Leitung nicht schnell genug ausgetauscht wird. Dies wiederum führt zu biologischen Verunreinigungen, weshalb in solchen Fällen die Leitungen regelmäßig gespült werden müssten. Aus diesem Grund könnte auch Schömbach nie ohne Neuenmörbitz ans öffentliche Trinkwassernetz angeschlossen werden. Denn in Schömbach leben zu wenige Menschen, so dass die Wasser-Mindestabnahmemenge selbst im besten Fall nicht erreicht würde.

Doch der Anschluss von Schömbach ans ZAL-Netz steht momentan nicht an, so Merten. Deshalb werde der ZAL auch zukünftig der dortigen Wassergemeinschaft bei der Aufbereitung und Qualitätssicherung mit Rat und Tat zur Seite stehen, sicherte er zu. Auf die Frage eines Einwohners, was denn passiert, wenn der schlimmste anzunehmende Fall eintritt und die Quelle versiegt oder verunreinigt wird, sagte Burkhardt: „Ganz klar, dann müssten wir das Dorf eine ganze Zeit lang über Wasserwagen versorgen. Eine andere Lösung ist auf die Schnelle nicht möglich.“

Von Jörg Reuter

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