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Altenburg Kran setzt Autobrücke über Bahntrasse in Lehndorf ab
Region Altenburg Kran setzt Autobrücke über Bahntrasse in Lehndorf ab
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09:17 21.09.2018
Eine 240 Tonnen schwere Straßenbrücke ist am Donnerstag in Lehndorf von einem Kran versetzt worden. Sie überbrückt die Bahntrasse Leipzig – Zwickau. Quelle: Mario Jahn
Lehndorf

Nein, das kann und darf man sich nicht entgehen lassen. 240 Tonnen schweben schließlich nicht alle Tage durch die Luft. Ein solch seltenes Schauspiel lockt am Donnerstagvormittag Hunderte Schaulustige nach Lehndorf, das dadurch in einen kleinen Belagerungszustand gerät – vor allem rund um die Neue Welt, wo die alte Straßenbrücke der B 93 über die Bahntrasse zwischen Leipzig und Zwickau seit Monaten abgetragen worden ist und nun durch einen blauen Koloss ersetzt wird.

Alles zugeparkt

Parkplätze gibt es dort kurz vor 10 Uhr schon lange keine mehr, höchstens noch an einem schmalen Feldweg, wohin auch Jörg Wenzel seinen Kleintransporter noch flugs durchs Getümmel zwängt. „Ich war in Mockzig, da bin ich schnell mal hergekommen“, sagt der Altenburger SPD-Stadtrat, der sich den Schwebeakt nicht entgehen lassen will, so wie zig Leute aus Meerane, Gößnitz und anderswo.

Als bereits früh um vier die Brücke auf Stahlplatten an jenen Ort bugsiert wird, von wo aus sie später in die Luft gehen soll, war freilich noch kein Zuschauer da. Auch ihr wochenlanges Zusammenschweißen und Montieren gleich nebenan auf der Beton-Rampe haben nur wenige beobachtet.

Manöver wird tagelang vorbereitet

Doch schon seit Stunden bereiten Bauleute am Donnerstag das komplizierte Manöver vor, das kurz nach zehn endlich beginnt. Ganz langsam hebt ein Kran die Brücke an, gehalten von acht armdicken Stahlseilen. Nur wenige Zentimeter wird sie angehoben, dann stoppt das Manöver. Ein Arbeiter zwängt sich unter den bangen Blicken der Zuschauer unter den Koloss und kratzt irgendetwas ab. „Die haben Vertrauen in ihre Technik“, raunt einer ungläubig, während alle anderen ringsrum ziemlich sicher sind, sich dort niemals hinzulegen.

Kran selbst wiegt rund 500 Tonnen

Der Stahlseil-Akt geht weiter, Zentimeter für Zentimeter schwebt die Brücke nun über die Gleise, gefilmt von mittlerweile drei Drohnen und einem kleinen Hubschrauber. Von noch weiter oben beäugen zwei Greifvögel das Geschehen. Denn nun droht der Gigant, einen Strom-Masten zu berühren, der die Oberleitung für die Loks hält. Doch es passiert nichts. Zentimeter vor dem Crash hebt Kranführer Ralf Ludwig die Last weiter in die Höhe, die sich nun kaum sichtbar im Wind wiegt. Ludwigs rund 500 Tonnen schweres Gerät ist vier Tage lang aufgebaut worden. Ein Tieflader allein ist nötig, um eine der beiden Ketten zu transportieren, auf denen der Kran steht.

“Ein schönes Chaos“

Doch das Schauspiel bekommt noch andere Beobachter. Auch aus den Fahrzeugen wird geschaut, die pausenlos über die Neue Welt brettern – eine heimliche enge Umleitung, die eigentlich nur Bussen und Anliegern dienen soll. Nun wird es richtig eng: Schaulustige, Fahrzeuge, ein Müllauto, das wenden will, und oben die schwebende Brücke. „Ein schönes Chaos“, findet einer die richtige Beschreibung. Jetzt sperren die Bauleute die Straße völlig ab. Doch schon tönt das Tatütata eines Notarzt-Wagens, für den die Sperrung wieder aufgehoben wird. Viel mehr Dramatik ist kaum möglich.

Innerhalb von 80 Minuten ist in Lehndorf am Donnerstag eine neue Straßenbrücke über die Sachsen-Franken-Magistrale gelegt worden. Die OVZ-Mitarbeiter Mario Jahn und Jens Rosenkranz waren vor Ort. Und mit ihnen unzählige Schaulustige aus der Umgebung.

Beeindruckende Ingenieursleistung

Das merkt auch Karl-Heinz Janzikowski. „Das erlebt man nicht alle Tage“, sagt der Altenburger. Er ist vor allem von der Leistung des Krans beeindruckt, der die riesige Last mit großer Präzision bewegt. „Das ist beste Ingenieurskunst“, lobt er die Arbeit. Und diese nähert sich nach rund 80 Minuten ihrem Ende, zumindest, was die Brücke betrifft. Diese hängt nun einen Meter über den Betonträgern und wird mittels Seilwinden und Kettenzügen manuell millimetergenau an die richtige Stelle bewegt. Liegt sie nun schon auf oder noch nicht? Richtig sehen kann man das kaum. Nur die schlaffen dicken Stahlseile des Krans zeugen davon, dass die Brücke nicht mehr schwebt. Und auch Kranführer Ludwig klettert nun aus seiner Kabine.

Von Jens Rosenkranz

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