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Altenburg DDR-Alltagskunst kehrt nach Altenburg-Nord zurück
Region Altenburg DDR-Alltagskunst kehrt nach Altenburg-Nord zurück
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08:16 21.02.2019
Großes Interesse bei den Kleinen: Im Bürgerzentrum Altenburg-Nord waren jetzt DDR-Kunstwerke zu sehen, die einst im öffentlichen Raum ausgestellt waren – hier Arbeiten von Heinz Olbrich. Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

Als in den Jahren 1974 bis 1987 das Neubaugebiet Altenburg-Nord schrittweise für knapp 20 000 Bewohner aus dem Boden gestampft wurde, gehörten in dem Viertel auch öffentliche Gebäude wie Kindergärten, Schulen, Polikliniken und ähnliches dazu. Und in diesen Gebäuden war bereits vor der Errichtung ein gewisser Prozentsatz der Kosten für Kunst im Bau fest reserviert. Nach der Wende wurden die Gebäude umgebaut oder ganz weggerissen. Aber zuerst verschwand zumeist die DDR-Kunst – zumeist auf Nimmerwiedersehen. Vor rund zwei Jahren machte sich eine Arbeitsgruppe beim Bürgerverein Altenburg-Nord nach den Werken auf die Suche.

Nun wurde im Bürgerzentrum Altenburg-Nord in der Otto-Dix-Straße ein erstes Ergebnis präsentiert. Teilweise verschollen geglaubte Kunst konnte vom Bürgerverein Altenburg-Nord wieder an ihre Ursprungsorte übergeben werden. Zumindest, was sich von den Arbeiten im Zuge der mehrjährigen Recherchearbeit noch fand.

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Ergebnis der fast zwei Jahre währenden Recherche ernüchternd

Mit Beginn der Suche 2017 waren zwei einst in einer der Kindertagesstätten des großen Altenburger Neubaugebiets stehende Keramiken – ein Nashorn und ein Elefant – gerade arg ramponiert vom Verein angeschafft und restauriert worden. „In der Zeit zwischen 1974 und 1984, als Altenburg-Nord errichtet wurde, war es üblich, einen gewissen Prozentsatz der Baukosten fest für die künstlerische Ausgestaltung öffentlicher Gebäude zu verwenden“, wusste Vereinschef Peter Liebscher der anwesenden Runde zu berichten. Nur leider sei sehr viel dieser Kunstwerke im Laufe der Jahre und der zahlreichen gesellschaftlichen Umbrüche abgebaut und spurlos verschwunden. „Es wurden ja auch nahezu alle Gebäude umgebaut oder gar abgerissen.“

Das Fazit nach zweijähriger Recherchearbeit fiel leider einigermaßen ernüchternd aus. Obwohl der Bürgerverein vor allen aus eigenen Erinnerungen sowie Mitteilungen von Zeitzeugen eine zweiseitige Liste mit diversen Kunstwerken aufgestellt hatte, fanden sich neben den beiden Keramiken von Nashorn und Elefanten nur noch einige Originale oder Abzüge des sie schaffenden Künstlers wieder an.

„Das meiste ist wohl verloren gegangen“, bedauerte Liebscher. Aber zumindest im Nachlass des 2009 verstorbenen Künstlers Heinz Olbrich fand sich noch einiges wieder an. Olbrich hat ebenfalls neben anderen eine ganze Reihe dieser Werke geschaffen. Und sein Sohn, Matthias Olbrich, arbeitet eng mit dem Bürgerverein zusammen. Als ausgebildeter Keramiker und Stuckateur hat er vor gut zwei Jahren die arg ramponierten Tierplastiken schon restauriert. Sie stehen jetzt im Bürgerzentrum.

Künstler-Sohn wird im Nachlass seines Vaters fündig

Zudem zauberte Matthias Olbrich aus dem Nachlass seines Vaters eine ganze Reihe von gut verwahrten Originalen hervor. Da ist beispielsweise die Bildreihe, auf der im Stempeldruck diverse Berufe dargestellt werden. „Das funktionierte wie der bekannte und bei Kindern so beliebte Kartoffeldruck und es wurden immer gleich mehrere Originale gleichzeitig gemacht“, erklärte Matthias Olbrich. Weiter erhalten sind zumindest kolorierte Abzüge der verschiedenen Monate, die von leider ebenfalls verschwundenen Metallarbeiten gemacht wurden. Hinzu kommen diverse Arbeitsskizzen.

Der Bürgerverein sicherte zumindest diese Arbeiten, indem er Sponsoren fand, um die Arbeiten anzukaufen und um sie rahmen zu lassen. „Dafür danken wir allen, die unser Vorhaben finanziell unterstützt haben. Ohne sie wäre das nicht möglich gewesen“, betonte Liebscher.

Werke sollen an Ursprungsort zurückkehren

Im Bürgerzentrum hingen die Arbeiten nur für die Übergabe. Künftig werden sie wieder in eine der öffentlichen Einrichtungen als Dauerleihgabe zurück kehren, von wo sie einst herkamen. Künftig können sich die großen und kleinen Besucher der Regenbogenschule, der Kita „Zwergenland“ nebst Seniorentreff in der Barlachstraße sowie der Kita „Am Spielplatz“ daran erfreuen.

Aus letzterer waren schon zur Übergabe die künftigen ABC-Schützen anwesend und nahmen die Arbeiten interessiert unter die Lupe.

„Auf jeden Fall werden wir die Arbeitsgruppe weiter bestehen lassen und weiter recherchieren. Denn wer weiß denn, ob sich irgendwo doch noch verschollene Originale finden“, so Liebscher entschlossen.

Von Jörg Wolf