Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Altenburg Damensportgruppe schwitzt seit rund 60 Jahren gemeinsam in Meuselwitz
Region Altenburg Damensportgruppe schwitzt seit rund 60 Jahren gemeinsam in Meuselwitz
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:47 03.07.2019
Jeden Mittwoch trainiert eine Damensportgruppe unter Leitung von Ingrid Stejuhn (blaues Shirt) in der Sporthalle am Rathenauplatz Meuselwitz. Die Gruppe existiert seit beinahe 60 Jahren.
Jeden Mittwoch trainiert eine Damensportgruppe unter Leitung von Ingrid Stejuhn (blaues Shirt) in der Sporthalle am Rathenauplatz Meuselwitz. Die Gruppe existiert seit beinahe 60 Jahren. Quelle: Bastian Fischer
Anzeige
Meuselwitz

Mittwochsabends am Meuselwitzer Rathenauplatz: Die Sonne strahlt noch immer vom Himmel, ein leichter Wind weht über die Straße – und aus der Sporthalle schallt dem unbedarften Spaziergänger ein kräftiges „Sport frei“ entgegen.

Aufwärmen mit ABBA

Wer sich in diesem Moment womöglich verwundert am Kopf kratzt, findet Klarheit, wenn er das Gebäude betritt. Drinnen sind gerade rund 25 Damen dabei, sich langsam aufzuwärmen. Aus einer Stereoanlage kommt die passende Untermalung: Angenehm laut besingen ABBA „Waterloo“. Vor der Gruppe hat sich Ingrid Stejuhn postiert. „Stellt euch schön weit auseinander, damit ihr genug Platz habt. Jetzt in den Ausfallschritt – und wir strecken uns ganz weit“, gibt sie ruhig, aber bestimmt Anweisungen.

Stejuhn weiß genau, was sie tut. Seit 1989 ist sie selbst in der Sportgruppe aktiv, seit 2002 leitet sie die Stunden als Übungsleiterin an. „Ich habe mir viel im Laufe der Zeit selbst angeeignet. Manches nimmt man während des Trainings auf, anderes liest man sich in Büchern oder Zeitschriften an. Auch zahlreiche Übungsleiterlehrgänge habe ich besucht“, zählt die 65-Jährige auf. Daneben seien es die anderen Sportfrauen, die regelmäßig neue Ideen einbrächten. „Es findet sich immer genug, um für die nötige Abwechslung zu sorgen.“

Bewegung ist gerade im Alter enorm wichtig, weiß Leiterin Ingrid Stejuhn (r.). Quelle: Bastian Fischer

Gruppe ging aus BSG hervor

Und die ist im Überfluss gegeben. Ob im Stehen, auf Bänken sitzend oder liegend, mit Bällen oder Schwingstäben: In allen Lagen geht es bei den Damen sportlich zu. Das fortgeschrittene Alter vieler Gruppenmitglieder – die Jüngste ist 58, die Älteste 81 Jahre alt – spielt dabei keine Rolle, jede ist mit Feuereifer bei der Sache. Das ist auch gut so, denn Bewegung, das weiß Ingrid Stejuhn, ist gerade im Alter wichtig, um nicht im übertragenen Sinne einzurosten. „Entsprechend trainieren wir viel Gleichgewicht, machen ausdauernde Dehnübungen, fördern einfach generell den Spaß an der Bewegung.“

Das Konzept verfängt – und das bereits seit etwa 60 Jahren. Angefangen hat alles als Betriebssportgruppe des VEB Technische Textilien Meuselwitz, kurz Tetex genannt. „Damals wurde noch im Speisesaal des Unternehmens trainiert. Seit der Wende sind wir in der Sporthalle ansässig“, blickt Ingrid Stejuhn zurück. Ganz genau festlegen möchte sie sich zwar nicht, allerdings, so schätzt sie, dürfte die Sportgruppe damit eine der langlebigsten, wenn nicht sogar die älteste der Schnauderstadt sein.

Vor allem auf Gleichgewichtsübungen kommt es in der Gruppe an. Quelle: Bastian Fischer

Auch abseits der Halle viel zu tun

Über zu geringes Interesse können sich die Damen nach all den Jahren jedenfalls nach wie vor nicht beklagen. „Wir müssen sogar mitunter Anfragen ablehnen“, kann Stejuhn berichten. Das hat ganz praktische Gründe. „Wir möchten die Maximalgröße von 34 Personen nicht überschreiten. Schließlich soll jeder Teilnehmer auch ausreichend Platz zur Verfügung haben, um die Übungen auch korrekt ausführen zu können.“

Es sei vor allem das starke Gemeinschaftsgefühl, dass die Gruppe ausmache, betonen die Teilnehmerinnen unisono. „Man kann etwas für die Gesundheit tun“, „Man sitzt so nicht einfach nur zuhause“, „Man erfährt auch, was gerade los ist“ sind nur einige der Wortmeldungen, die aus den Reihen der Sportlerinnen auf entsprechende Fragen zu hören sind. Und auch abseits des wöchentlichen Hallentreffs sei man viel beieinander. „Wir feiern gemeinsam Weihnachten und Fasching, begehen regelmäßig den Halbjahresabschluss, stoßen auf runde Geburtstage oder auf Urenkel an“, zählt etwa Steffi Nitzschak augenzwinkernd auf, die schon seit 1959 dabei ist.

Ja, diese Sportgruppe ist durchaus etwas besonderes, denkt man sich, während man die Halle wieder verlässt und hinaus in den warmen Sommerabend tritt – natürlich ein Lied von ABBA auf den Lippen.

Von Bastian Fischer

03.07.2019
03.07.2019