Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Altenburg Das Internet auf dem Land verlangsamt sich ab August
Region Altenburg Das Internet auf dem Land verlangsamt sich ab August
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:36 27.04.2019
Unternehmer Klemens Kratsch aus Kraasa im neuen Standort von Elektro-Kratsch in Meuselwitz. Quelle: Jörg Reuter
Kraasa

Einfach mal Tacheles reden, darum geht es in der OVZ-Serie „Auf einen Kaffee mit ...“ Das Format schafft Platz für Kritik und klare Ansichten, lässt Menschen im Altenburger Land zu Wort kommen – und die OVZ bringt den Kaffee mit. Diesmal erklärt Handwerker Klemens Kratsch, warum das Altenburger Land im Sommer droht, ins digitale Mittelalter zurückzufallen und Firmen wie den Fünf-Mann-Betrieb Elektro-Kratsch mit in den Abgrund zu reißen.

Früher war alles besser. Diese abgedroschene Floskel werden wohl in ein paar Wochen nicht wenige Kunden der Telekom stöhnen, wenn sie ins Internet wollen. Das erwartet zumindest Klemens Kratsch, bei dem es zudem um die Existenz geht. Denn im ländlichen Raum – Kratsch lebt im Starkenberger Ortsteil Kraasa, dort hat er auch den Hauptsitz seiner Firma – wird der Internetzugang nicht schneller, sondern deutlich langsamer. Das ist die Folge der Umstellung von analogem auf digitales Telefonieren.

Im August wird Surfen im Netz sehr langsam

Kratsch, der mit seiner Firma Anfang des Jahres in Meuselwitz einen zweiten Standort eröffnet hat, ist außer sich. „Schauen Sie sich das doch mal genau an“, sagt der Handwerksmeister und legt eine Korrespondenz mit der Telekom vom März vor. In dieser kündigt der Konzern an, dass im August das Netz in Starkenberg auf digitales Telefonieren umgestellt wird. Auf Kratschs Nachfrage informiert die Telekom, dass wegen der örtlichen Gegebenheiten die Bandbreite von derzeit 2 Mbit auf dann noch 384 Kbit sinken wird.

Was das bedeutet, verdeutlicht ein einfaches Rechenbeispiel. Sollen etwa Daten in Größe von einem Gigabyte heruntergeladen werden, was bei Programmaktualisierungen vorkommen kann, dann dauert das momentan reichlich eine Stunde. Nach der „Modernisierung“, wie sich die Telekom ausdrückt, muss Kratsch dafür fast sechs Stunden einplanen. „Wer nicht damit einverstanden ist, dem kündigt die Telekom einfach. Doch in Kraasa, wo meine gesamte Verwaltung und Administration steht, kann ich dann nicht mehr arbeiten“, schimpft der Elektriker.

Fernwartungen sind nicht mehr möglich

Denn sein Betrieb hat sich auf Automatisierung und Kommunikationstechnik spezialisiert. Nahezu alle Wasser-Abwasser-Anlagen im Kreis laufen mit Anlagen aus Kratschs Elektro-Firma, sagt er und loggt sich in die Steuerung einer Meuselwitzer Pumpstation ein. So könne er vom Büro aus in das System eingreifen. „Die Fernwartung und der Fernzugriff sind inzwischen wesentlicher Teil unserer Arbeit, weil das heute für unsere Kunden einfach notwendig ist“, erklärt Kratsch. Denn funktioniert etwas nicht oder die Steuerung muss nachjustiert werden, sind beispielsweise die Wasserfachleute auf das Knowhow von Kratschs Team angewiesen. „Dafür ist natürlich eine stabile DSL-Verbindung unbedingte Notwendigkeit“, sagt Kratsch und erklärt, dass dies nach der Umstellung praktisch nicht mehr gegeben sei.

Damit ist die Existenz seiner Firma gefährdet, sagt Kratsch. Er habe zwar zum Glück seit dem 1. Januar den neuen Standort. Doch es sei nicht damit getan, alternativ eben in Meuselwitz einen Rechner zu nutzen. Zum einen benötigt Kratsch auch am Abend und am Wochenende das Internet, denn Störungen halten sich nicht an Arbeitszeiten. Zum anderen ist Kratsch nicht nur mit einem einfachen Computer im Netz, sondern mit viel mehr Technik. „Beispielsweise muss ich jede Nacht rund 50 Gigabyte Daten sichern“, schildert der Handwerker. Die dafür nötige Ausrüstung ist aber in Kraasa installiert, von wo Kratsch bisher ausschließlich tätig war. „Eigentlich wollten wir nur die Produktion nach Meuselwitz verlegen. Was ich nun mache, weiß ich noch nicht“, so Kratsch, der noch auf eine Lösung in letzter Minute hofft.

Ausschreibung für Breitbandausbau bis Ende Mai

Die Lösung für ihn und andere Betroffene in den ländlichen Gebieten wäre etwa, wenn die Umstellung von analoger auf digitale Telefonie verschoben würde, bis in den Dörfern Leitungen – Stichwort Breitbandausbau – vorhanden sind, die genügend Übertragungsrate bieten.

Zum aktuellen Stand des vom Bund geförderten Projektes Breitbandausbau, um das sich der Landreis seit 2016 kümmert, heißt es aus der Behörde: „Die im Verfahren noch beteiligten Unternehmen wurden aufgefordert, die finalen Angebote bis Ende Mai abzugeben.“ Vorbehaltlich der Fördermittelzusage könnten dann im zweiten Halbjahr die Aufträge durch den Kreistag vergeben werden.

Von Jörg Reuter

Nullzinsen, wachsende Sicherheitsanforderungen und zunehmende Digitalisierung stellen Banken vor immer größere Herausforderungen. Darauf muss auch die Sparkasse Altenburger Land reagieren. Wie sie das 2018 geschafft hat und welche Pläne es für die Zukunft gibt, erklärt der Sparkassen-Vorstand im Interview.

27.04.2019

Zerstörte Plakate, beschmierte Objekte: Die Polizei verzeichnet eine steigende Zahl von Strafanzeigen nach politisch motivierten Sachbeschädigungen im Altenburger Land. Darauf wird nun reagiert.

27.04.2019

Entgegen aller Unkenrufe zeichnet sich bei der 11. Ausgabe des Skatstadtmarathons am 8. Juni eine rege Beteiligung ab. Trotz des ungünstigen Pfingsttermins meldeten sich bisher nur marginal weniger Läufer und Walker an als in den Vorjahren. Das könnte wiederum auch an Stargast Kati Wilhelm liegen.

27.04.2019