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Altenburg Denkmalschutz bremst kreative Entfaltung aus
Region Altenburg Denkmalschutz bremst kreative Entfaltung aus
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11:04 10.09.2019
Susann Seifert realisiert die Giebelgestaltung mit Pinsel und Farbdose. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

Pfft, Pfft, Klacker, Klacker, Pfft – „Farbköchin“ Susann Seifert ist seit August des Öfteren in der Altenburger Brunnenstraße anzutreffen. Ausgerüstet mit Sprühdosen mit allen erdenklichen Farbnuancen, hat sie sich den trist grauen Giebel eines einstigen Lagergebäudes vorgenommen, lässt ein buntes und flächendeckendes Graffito entstehen. In die Gestaltung ebenfalls mit eingebunden sind auch die Teamkollegen Ralf Hecht sowie Daniel Rosengarten. Den Anlass gaben die Tage der Industriekultur in Altenburg.

Vor der Gestaltung: So sah der Giebel vorher aus. Quelle: Mario Jahn

„Insgesamt hat das Bild eine Fläche von rund 100 Quadratmetern und ist natürlich völlig legal. Denn der private Eigentümer des Gebäudes hat seine Einwilligung gegeben“, versichert Seifert. Zu sehen sind eine gen Himmel steigende Graugans und ein junges Mädchen. Thematisch dreht sich alles um das Thema Freiheit. „Das ist auch das Motto, unter dem in diesem Jahr der Reformationstag gefeiert wird“, erklärt die Künstlerin. Ein paar Tage werde es noch dauern, dann fällt am Giebel das Gerüst, kann das Kunstwerk unverstellt betrachtet werden.

Am Giebel in der Brunnenstraße soll bald das Gerüst fallen. Quelle: Mario Jahn

Verbote hindern Kreativität

So ansehnlich und zum längeren stillen Betrachten inspirierend wie in der recht abgelegenen Brunnenstraße könnten in Altenburg innerstädtisch noch mehr Fassaden daherkommen, die derzeit eher graue Tristesse verbreiten. „Wir würden sehr gern auch noch mehr Fassaden mit Graffiti gestalten“, sagt Seifert. An Auswahl mangelt es nicht: Bröckelnde Ecken finden sich inmitten der Skatstadt etliche. Allerdings: „Diverse Satzungen untersagen von vornherein eine solche Gestaltung. Da ist die Gestaltungssatzung, da ist der Denkmalschutz und, und, und“, zählt die Akteurin von der Farbküche eine ganze Palette von Untersagungsgründen auf.

Derlei in Satzungen gegossene Verbote können selbst dann nicht ausgesetzt werden, wenn der Besitzer einer historischen Immobilie für eine Gestaltung sein Okay gegeben hat. „Dabei ließen sich viele unansehnliche Ecken immens durch eine Gestaltung aufwerten. Und die Bilder mit ihren Farben lassen auch die Menschen aufleben“, führt Seifert vor Augen.

Im Bahnhofcenter öffnet Pop-up-Store

Die Lust am kreativen Gestalten hat die Truppe aber keineswegs verloren. Ebenso nicht den festen Willen, das Handwerk an Interessenten jeden Alters weiter zu vermitteln. Auch hat im Bahnhofcenter jetzt ein so genannter Pop-up-Store eröffnet. So heißen temporäre Läden, die nur über einen begrenzten Zeitraum geöffnet sind und bereits nach wenigen Wochen wieder spurlos vom Erdboden verschwinden. „Aber die daraus gewonnene Inspiration bleibt den Menschen erhalten und lebt hoffentlich fort“, umschreibt es die Farbkünstlerin.

In dem kreativen Laden, den es nur bis Mitte Oktober in der Einkaufsmeile geben soll, soll sich alles um das vor allem bei kleinen Kindern beliebte Fabeltier Einhorn drehen. „Wir wollen dort wild drauflos gestalten mit Farbe und jeder Menge Glitzer“, umschreibt es Seifert. Und vielleicht kommen aus der potenziellen Kundschaft, die es in dem stark frequentierten Center sicher reichlich geben wird, auch Anregungen für diverse Fassaden in Altenburg, die eine Graffiti-Gestaltung verdient hätten und dafür auch nutzbar sind.

Diverse Objekte im Blick

Auf der Suche nach Flächen ist das Team der Farbküche jederzeit. Zwei Objekte hat man dafür schon ins Visier genommen. Einerseits das Wohnhaus direkt gegenüber dem Goldenen Pflug am Steinweg. „Vorausgesetzt, der Hauseigentümer erteilt seine Einwilligung, wollen wir den Giebel im Rahmen des Stadtmenschfestivals im kommenden Mai mit möglichst vielen Interessenten gestalten“, erklärt Seifert und erinnert sich in diesem Zusammenhang noch gern an die erste Auflage des Festivals, als der Fußgängertunnel durch kreative Altenburger und Gäste gestaltet wurde, was ein durchschlagender Erfolg war.

Und auch in Altenburg-Nord hat das Team der Farbküche ein Objekt im Blick – hier sogar auf Anregung aus dem Altenburger Rathaus. Hier könnte der nur noch sporadisch geöffnete und ziemlich heruntergekommene Supermarkt direkt am Nordplatz zur großen Leinwand werden. „Derzeit wird der Platz ja aufwendig neu gestaltet und da sticht solch ein tristes Gebäude noch mehr ins Auge“, sagt Seifert. Voraussetzung, dass dort Pinsel und Dose zum Einsatz kommen können, ist aber, dass der Besitzer des Marktes sein Einverständnis erteilt.

Von Jörg Wolf

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