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Altenburg Denkmalschutzpreis: Kandidaten stehen fest
Region Altenburg Denkmalschutzpreis: Kandidaten stehen fest
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00:24 12.08.2018
Die Kanalstraße 47 gewann im vergangenen Jahr den Altenburger Denkmalschutzpreis. In diesem Jahr gibt es fünf Kandidaten. Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

Treffpunkt: Herzogin-Agnes-Gedächtniskirche. Hier startete die Jury des Denkmalschutzpreises „Johann-Georg-Hellbrunn“ der Stadt Altenburg am Dienstagabend ihren Rundgang. Wobei nicht die Fassade des Gotteshauses den strengen Blicken der Stadträte Jutta Penndorf (Stadtforum/Grüne) sowie Peter Müller (Pro Altenburg), Andrea Schappmann, Geschäftsführerin der Energie- und Wasserversorgung Altenburg (Ewa), Kreishandwerksmeister Thomas Moewes und Denkmalpfleger Jürgen Fröhlich standhalten musste, sondern ihr Inneres.

Einfach nur wunderschön: Die restaurierte Apsis der Herzogin-Agnes-Gedächtniskirche. Quelle: Maike Steuer

Sichtlich stolz führte Joachim Börngen, seines Zeichens Gemeindemitglied und „Vorschläger“, wie er schmunzelnd anmerkte, die Jury zum neuen Schmuckstück der Kirche, der Apsis. Dieses Gewölbe über dem Altar sei irgendwann zwischen 1950 und 1960 wahrscheinlich wegen eines Wasserschadens übermalt worden und war seitdem in einheitlich weiß und damit alles andere als ein Blickfänger, erläuterte Börngen.

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Seit 1991 sei immer wieder mal darüber gesonnnen worden, wie schön es wäre, wenn das gemacht würde, erinnerte sich Jürgen Fröhlich. Doch erst vor zehn Jahren kam tatsächlich Bewegung in die Sache. „Es war ein langer Prozess und vorher war nichts klar. Wir wussten nicht, ob die ursprüngliche Bemalung noch erhalten ist, weil Zeitzeugen fehlten. Das war alles im Reich der Legende“, so Börngen.

Doch die Gemeinde hatte Glück, im Herbst 2017 schließlich gelang es den Restauratoren, die filigranen Malereien wieder sichtbar zu machen. Sie rekonstruierten sie „exakt so, wie sie zur Bauzeit entstanden“ – und hinterließen unabsichtlich jede Menge Arbeit für die Gemeindemitglieder. Um die Malereien freizulegen, wurde die Kuppel abgestrahlt, wahrscheinlich mit Gries. „Der fand sich dann in der ganzen Kirche und zog einen Großputz nach sich“, erinnert sich Börngen.

Kurt und Maria Schlenker haben das von ihnen aufwendig sanierte Gebäude in der Meißnerstraße 11 ins Rennen geschickt. Quelle: Maike Steuer

Nur einen Katzensprung entfernt, steht das Haus von Kurt und Maria Schlenker. Eines von einer ganzen Hand voll in Altenburg, dem sich das Ehepaar aus Ingolstadt angenommen hat. Mit einer richtigen Bewerbungsmappe haben die Besitzer ihre „Meißnerstraße 11“ ins Rennen geschickt und umfangreich dokumentiert, wie sie seit 2016 die mit Stuck verzierte Fassade des über 100 Jahre alten Gebäudes wiederherstellen ließen – inklusive dem Zaun davor. Ein nicht unwichtiges Detail, wie Fröhlich anmerkt: „Diese Zäune prägen auch dieses Quartier. Es war wichtig, dass die erhalten bleiben.“

Auch das Kulturdenkmal in der Wallstraße 35 ist für den Denkmalschutzpreis 2018 nominiert. Quelle: Maike Steuer

Nächste Station: Wallstraße 35 – ein Kulturdenkmal, dessen Fassade vor allem durch die Bleiglasfenster in Erinnerung bleibt. Bis diese wieder in altem Glanz erstrahlen durften, vergingen 25 Jahre. „Bereits Anfang der 1990er gab es erste restauratorische Untersuchungen“, erinnerte sich Jürgen Fröhlich. Aber erst 2017 sei dann tatsächlich etwas passiert und Fassade, Fenster und Eingangstür gemacht worden.

Sowohl der Verein als auch das Paul-Gustavus-Haus selbst sind nominiert für den Denkmalschutzpreis 2018. Quelle: Maike Steuer

Nur wenige Meter weiter warten schließlich die Nominierten vier und fünf in der Wallstraße 29, besser bekannt als „Paul Gustavus Haus“. Anders als in der Agneskirche habe man hier nicht auf alte Fotos zur Orientierung bei der Restaurierung der historischen Sgraffitomalerei zurückgreifen können, führte Fröhlich aus. Auch wenn die Fassade noch längst nicht fertig ist und die Fenster noch auf ihren Austausch warten, sei das bisher Erreichte gemäß den Richtlinien preiswürdig, so Fröhlich. Gleiches trifft auf den Besitzer des Kulturdenkmals zu – den „Förderverein Zukunftswerkstatt Paul Gustavus Haus Altenburg e.V.“ Vorgeschlagen von Mandy Röhr und anderen für „vorbildliche Aktivitäten und Initiativen zur Rettung, Sicherung und Bewahrung eines Kulturdenkmals.“

Auch wenn sich die Jurymitglieder uneins sind, ob es für eine Bewerbung angesichts der noch unfertigen Fassade nicht zu früh sei, versuchte Fröhlich zu relativieren: „Die Mittel des Vereins sind halt begrenzt, sodass die nur peu à peu alles auf die Reihe bringen können.“

Wer letztlich den mit 2500 Euro dotierten Preis erhält, bleibt noch bis zum 15. September das Geheimnis der Jury.

Von Maike Steuer