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Altenburg Der Safran ist zurück im Altenburger Land
Region Altenburg Der Safran ist zurück im Altenburger Land
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11:11 14.09.2018
Am Altenburger Schloss gedeiht jetzt ein edles Gewürz. 600 Safran-Knollen wurden am Mittwoch gesteckt und sollen dort bald blühen. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

Mit Schwung und lauter Musik kommt ein kleiner Lieferwagen am Mittwochnachmittag die Schlossauffahrt hochgeschossen und parkt an einer der mittelalterlichen Mauern. Gar nicht schnell genug können Fahrer und Beifahrer die Türen aufreißen, denn ihre Lieferung wird schon freudig erwartet. Die Wartenden sind etwa 15 Menschen, die im Schatten knorriger Apfelbäume im Gärtchen unterhalb des Torhauses Platz genommen haben.

Den bisherigen Nachmittag haben sie damit verbracht, das neue Beet in der Mitte des Gartens zu befestigen und mit Erde zu befüllen. Doch erst mit der Lieferung erfolgt der eigentliche Höhepunkt des Tages: Das Einpflanzen der Safran-Knollen. Schnell werden die Körbe mit den etwa 600 Knollen über die Mauer gehoben – und dann machen sich viele Hände daran, sie vorsichtig in die Erde zu setzen. Andrea Wagner stemmt die Hände in die Hüfte und blickt auf das Beet: „Schon in vier Wochen könnten wir die ersten Blüten sehen“, erklärt sie.

Ernte soll für medizinische Forschung genutzt werden

Wagner und ihr Mann Frank Spieth sind die Initiatoren des Projekts. Als Geschäftsführer des Unternehmens W³ wollen sie den Safran-Anbau in Altenburg profitabel machen. Auf insgesamt 1500 Quadratmeter Fläche bauen sie die Krokus-Art an, die pro Blüte etwa drei Fäden Safran hervorbringt. Ein Beet, wie das im Schlossgarten, wirft etwa zehn Gramm der wertvollen Safranfäden ab. Es ist nur ein kleiner Teil des Projekts – weitere Felder liegen an der Geraer Straße, an der Rudolf-Breitscheid-Straße und in Steinwitz.

Das Ziel von W³ ist es, qualitativ hohen Safran zu ernten und ihn für etwa 10 Euro pro Gramm zu verkaufen, statt der üblichen 30 Euro. „Im vergangenen Jahr haben wir etwa 200 Gramm geerntet“, erzählt Andrea Wagner. „Der Altenburger Safran erfüllt alle Qualitätsstandards. In diesem Jahr erhoffen wir uns eine noch größere Ernte.“ Bis damit in Altenburger Küchen Gerichte gewürzt werden können, dauert es aber noch zwei bis drei Jahre. Denn vorerst wird die Safran-Ernte nur für die Forschung verwendet. Das passiert in Zusammenarbeit mit der Firma Pharmachem. Safran werden heilende Eigenschaften nachgesagt, unter anderem soll er gegen Depressionen helfen. Das Interesse an den Ergebnissen ist groß. Die Forschung wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Auch mit den richtigen Anbaubedingungen experimentieren die Altenburger Unternehmer noch. „Wir wollen wissen, in welcher Himmelsrichtung Safran am besten gedeiht und ob Kombinationsfrüchte dem Wachstum helfen“, erklärt Wagner. Fest steht auf jeden Fall, dass der diesjährige Sommer beste Voraussetzungen bot. Aber auch wenn nicht jedes Jahr so oft die Sonne scheinen sollte, machen sich Wagner und Spieth keine Sorgen. „Wir gehen davon aus, dass unsere klimatischen Verhältnisse ausreichend sind“, sagt Wagner.

Safran wurde bereits im Mittelalter im Altenburger Land gepflanzt

Quellen belegen, dass Safran bereits im Mittelalter in diesen Breiten angebaut wurde. Deswegen nannte man die Gegend damals auch die „Güldene Au“. Der Safran galt als Pflanze von Wohlstand und Luxus. Nicht umsonst heißt es in der griechischen Mythologie, der Göttervater Zeus würde auf einem Bett aus Safran schlafen. Irgendwann ging das Wissen um den Safran jedoch wieder verloren. Das späte Mittelalter war von einer „Kleinen Eiszeit“, Kriegen und Hungersnöten geprägt. Es wurde somit dringlicher, Kartoffeln anzubauen als Safran. „Aber jetzt bringen wir die Pflanze zurück ins Altenburger Land“, sagt Frank Spieth.

Noch im Oktober soll es Sonderführungen im Schloss zum Thema Safran geben. „Die Termine geben wir relativ kurzfristig bekannt, wir müssen ja erst mal auf die Blüten warten“, erklärt Ute Beier vom Schlossmanagement, die das Projekt mitbetreut. Neugierige können das Beet aber jetzt schon bestaunen – von der Auffahrt aus ist es kaum zu übersehen.

Von Pia Siemer

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