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Altenburg Der Verein Lilli aus Gößnitz wird zehn Jahre alt
Region Altenburg Der Verein Lilli aus Gößnitz wird zehn Jahre alt
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15:07 23.02.2019
Sylvia Fischer und Kerstin Haferstroh übergeben auf der Farm Otjekongo Spenden aus Altenburg. Quelle: Lilli e.V.
Gößnitz

Lilli wurde im Januar 2008 in Windhoek, der Hauptstadt Namibias, geboren. Ihre Mutter lebte als Arbeiterin auf der Farm Otjekongo im Norden des Landes und erlitt kurz vor Lillis Geburt einen schweren Autounfall, an deren Folgen sie starb. Sylvia Fischer (58) ist Lillis Patentante und lebt in Gößnitz. Sie war im Januar 2008 zu Besuch auf der Farm in Otjekongo. Als die deutschstämmigen Farmbesitzer von dem Tod ihrer Angestellten erfuhren und das kleine Baby aus dem Krankenhaus in Windhoek abholen wollten, entschloss Sylvia Fischer kurzerhand, sie zu begleiten.

„Ein sehr emotionaler Augenblick“

„Es war schon ein sehr emotionaler Augenblick meines Lebens, als ich den kleinen Winzling in seinem Bettchen im Krankenhaus sah und wusste, dass die Kleine ihre Mutter niemals kennenlernen würde“, beschreibt Sylvia Fischer den Moment, als sie das Baby das erste Mal sah. Sie war es, die Lilli ihren Namen gab, und sie wurde zu ihrer Patentante. Inzwischen ist dieser Satz auch auf der Homepage eines Gößnitzer Vereines zu lesen, der den gleichen Namen trägt wie das kleine Baby: Lilli. 10 Jahre wird er dieses Jahr, 100 Mitglieder hat er seit letztem Sommer. „Eine Zahl die ich mir damals nie hätte vorstellen können“, sagt Fischer. Spontan hatte Fischer damals mit Freunden aus Deutschland eine Unterstützergruppe für die kleine Lilli gegründet, damit Babynahrung besorgt und eine Pflegemutter gefunden werden konnten. Inzwischen ist Lilli mit elf Jahren ein junges Fräulein und geht zur Schule.

Von einer spontanen Unterstützergruppe zum erfolgreichen Verein

Auch der Verein, der ihren Namen trägt, gedieh und konnte sich bald auch den anderen Kindern auf der Farm Otjekongo widmen: „Viele kleine Kinder verbringen ihre Zeit zwischen den arbeitenden Müttern. Das ist oft stressig für alle“, erzählt Sylvia Fischer von der Farm, wo die „Teufelskralle“ als Heilpflanze geerntet wird. Außerdem würde dort die Landessprache Herero gesprochen, Amtssprache sei aber englisch: „Mit sechs beginnt in Namibia die Schulpflicht, viele Kinder aber haben zuvor nie die Amtssprache englisch“.

Der Verein Lillis entschloss sich zu der Errichtung eines Kindergartens auf der Farm, in dem Kinder die Tage verbringen und erste Wörter, Zahlen und Formen lernen. So begann auch Lillis Laufbahn. Inzwischen besucht sie die deutsche Schule in Grootfontein. Namibia-Begeisterte lernten auf ihrer Reise das Projekt kennen, und so kommen Lilli-Mitglieder inzwischen nicht nur aus dem Altenburger Land, sondern aus ganz Deutschland, Großbritannien und der Schweiz. „Ich glaube, die Menschen schätzen, dass wir ein so kleiner, individueller Verein sind und sehr persönlichen mit den Leuten vor Ort in Kontakt sind“, sagt Sylvia Fischer. Sie selbst kehrte erst vor zehn Tagen von ihrer letzten Namibia-Reise und dem Besuch ihres Patenkindes zurück. Sieben Kindergärten finanziert der Verein Lilli inzwischen, den auf der Farm Otjekongo, sechs weitere in der nahen Stadt Grootfontein.

Keine Prestige-Bauten

Zwei Räume, ein Spielplatz, Tische, Stühle, Lern- und Spielsachen – die Ausstattung der Einrichtungen bleibt schlicht. Sylvia Fischer ist das wichtig: „Wir wollen uns der Umgebung anpassen und keine Prestigebauten da hinsetzen“, sagt sie. Und obwohl die gelernte Betriebswirtin täglich mehrere Stunden in die Vereinsarbeit steckt, betont sie: „Die Vereinsmitglieder arbeiten alle ehrenamtlich. Und auch unsere Reisen nach Namibia bezahlen wir immer privat“.

Mit einem jährlichen Budget von 20 000 Euro aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen lässt sich so viel erreichen – inzwischen unterstützt Lilli auch ein Zentrum für Behinderte in Grootfontein und zwei weitere Projekte in Kenia und Malawi finanziell. Und auch im Altenburger Land ist Lilli e.V. aktiv: Vorträge und ein jährlicher Afrika-Abend gehören zum festen Programm des Vereines. Mitglieder von Lilli gehen auch in Kindergärten und Schulen, sammeln Spenden und erzählen von ihrer Arbeit und von dem Mädchen Lilli.

Dass Reichtum in der Welt sehr ungleich verteilt ist und wir auch für andere verantwortlich sind, das können Kinder so gut lernen. Ob und inwiefern das alles aber auch damit zusammenhängt, dass Lilli wie auf der Homepage beschrieben ein „kakaobraunes“ Mädchen und Namibia ein von Kolonialisierung geprägtes Land ist – das ist dann vielleicht doch auch noch einmal Stoff für die höheren Klassen.

Von Anna Flora Schade

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