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Altenburg „Der gestiefelte Kater“ – ein (sehr) modernes Weihnachtsmärchen
Region Altenburg „Der gestiefelte Kater“ – ein (sehr) modernes Weihnachtsmärchen
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14:17 28.11.2017
Hilfsbereit und ideenreich, anschmiegsam und manchmal frech wie Oskar mit seiner flippigen Tolle – Manuel Struffolino in der Titelrolle des diesjährigen Weihnachtsmärchen am Landestheater. Quelle: Sabina Sabovic
Altenburg

„Unser diesjähriges Weihnachtmärchen wird nicht konventionell der Geschichte der Gebrüder Grimm folgen, aber trotzdem nicht völlig entfremdet. Man braucht keine Angst haben, dass da jemand in der Rockerjacke auf der Bühne steht. Es wird absolut kindgerecht, ein großer Spaß und viel Zauber, das verspreche ich.“ Dies sagte Manuel Kressin im Sommer in seinem ersten Interview als neuer Schauspieldirektor des Altenburg-Geraer Theaters. Dieses Versprechen hat er – so das Fazit nach der Premiere des „Gestiefelten Katers“ am Sonnabendnachmittag im Landestheater – nur bedingt gehalten. Denn von der allseits bekannten Geschichte aus dem Märchenbuch blieb außer dem Titel nicht viel übrig.

Regisseurin Christine Bossert hat Grimms Märchen nicht nur frei, sondern sehr frei für die Theaterbühne bearbeitet und es mit ihrer eigenen Textfassung in die Gegenwart verlegt: Auf rätselhafte Weise verschwinden die vom Müller Weiss produzierten Mehlsäcke, die aber Grundlage für die köstlichen Kuchen und Törtchen der Bäckerei Grimm sind. So hat der Müller keine Zeit für seinen Sohn, weil er immer wieder neu Korn mahlen muss. Als Spielgefährte bleibt dem Jungen nur sein Kater. Der will helfen und ersinnt einen Plan. Denn er hat bald herausgefunden, dass die Mehlsäcke gestohlen werden, weil im Ort eine Großbäckerei eröffnen soll, deren Chefin Margot Vapyr mit Zauberei und Einheitsteig ebenso gutes Backwerk liefern will wie Frau Grimm.

Ziel erkannt: Den jungen Zuschauer sollen also auf kindgerechte und spielerische Weise die Probleme der kleinen privaten Bäckereien nahegebracht werden, die noch mit viel Liebe ans Werk gehen und überaus schmackhafte Sachen backen, während die Großen – für die Geschichte selbstredend zugespitzt – gleich mal zur Chemie greifen und Ungenießbares produzieren. Nun, es wendet sich am Ende natürlich alles zum Guten, und die böse Frau Vapyr verschwindet nebst ihrer Großbäckerei. Wie schön, dass es noch Märchen gibt!

Staunen über die Hexerei von Margot Vapyr (Michaela Dazian) – die wilden Jungs (Danijel Gavrilovic l. und Johannes Emmrich). Quelle: Sabina Sabovic

Bis es aber soweit ist, ist in der 75-minütigen Inszenierung auf der Bühne so allerhand los. Da wird gesungen und getanzt (komponiert und live gespielt von Schauspielkapellmeister Olav Kröger), gelacht und geweint, sorgen Mehl-Gespenster für ein bisschen Schauer, und zwei herrlich dicke und wilde, zugleich aber unendlich einfältige Jungs – hier scheint die Regisseurin eine Anleihe beim dummen Iwanuschka aus den russischen Märchen zu nehmen – für Klamauk. Zudem bietet die Drehbühne, die die Zuschauer mühelos sowohl in die Grimmsche Backstube als auch die Vapyrsche „Giftküche“, sowohl in die Mühle als auch den Angelteich entführt, für jede Menge Abwechslung. Auch die Kostüme, beides in der Verantwortung von Ulrike Reinhard, bedienen die Erwartungen nach Buntem, mitunter Schrillem. Die wilden Jungs tragen Blouson und Basecap, dem Titelhelden wurde eine flippige Tolle verpasst.

Ganz besondere Hochachtung verdienen aber die Schauspieler und – nicht minder – die guten Geister hinter den Kulissen in Ankleide und Maske. Denn angesichts der Tatsache, dass die Hälfte der Crew beim Weihnachtsmärchen in Gera eingebunden ist, gab es beim „Gestiefelten Kater“ Doppelrollen zuhauf. So ist Michaela Dazian sowohl als nette und redliche Frau Grimm als auch als schrille, überkandidelte Margot Vapyr zu erleben. Danijel Gavrilovic und Johannes Emmrich sind zugleich die wilden Jungs als auch Vater und Sohn Weiss. Alexandra Sagurna ist Katze und Kundin, Madeline Hartig ist Lisa Grimm und Kater Matthias. Einzig Manuel Struffolino bleibt als Titelfigur omnipräsent. Er spielt sich die Seele aus dem Leib, doch das Script gibt ihm leider kaum eine echte Chance, die Herzen seiner kleinen Zuschauer zu erobern.

Er muss vor allem – und das mehrfach ziemlich plakativ – die Botschaft dieses Weihnachtsmärchens verkünden: Mit Mut und Vertrauen sind Wunder möglich. Man hätte den Kindern ruhig zutrauen können, dies aus der Geschichte selbst zu erkennen. Und auf Sprüche wie „Es wird zusammengeführt, was zusammengehört“ sollte man in einem Weihnachtsmärchen für Kinder ab sechs Jahren vielleicht lieber ganz verzichten.

Nichtsdestotrotz hat den Premierenpublikum zum Schluss herzlich und stark applaudiert. Den Zuschauern hat es also gefallen, und darauf kommt es ja vor allem an.

Vorstellungstermine für Familien: am 3. Dezember, 18 Uhr; 10. Dezember, 16 Uhr; 17. und 26. Dezember, 18 Uhr. Karten – auch die günstige Familienkarte – gibt es an der Theaterkasse (Tel. 03447 585177).

Von Ellen Paul

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