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Altenburg Destillerie-Chef: „Insolvenz – Na und?“
Region Altenburg Destillerie-Chef: „Insolvenz – Na und?“
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18:48 20.06.2019
Für den Destille-Chef Michael Schenk ist es nicht die erste Insolvenz.
Für den Destille-Chef Michael Schenk ist es nicht die erste Insolvenz. Quelle: Jens Paul Taubert
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Altenburg

Insolvent! Die Meldung, dass ein über 70 Jahre altes Traditionsunternehmen wie die Altenburger Destillerie & Liqueurfabrik zahlungsunfähig ist, hat in den vergangenen Wochen in der Region für reichlich Gesprächsstoff gesorgt. Schließlich ist die „Likörbude“, wie viele Altenburger sie nennen, aus der Stadt nicht wegzudenken. Vor Tagen dann noch die Botschaft, dass auch der Laden Delikaterie in der Baderei schließt. Er verkauft vor allem Destille-Produkte. Nicht zuletzt in den sozialen Medien verbreitete sich die Nachricht rasch. Viele OVZ-Leser reagierten auf Facebook traurig, hinterließen Wünsche wie: „Ich drücke auch die Daumen, dass alles gut wird.“

Wie soll es nun weitergehen?, fragte die OVZ beim Destille-Insolvenzverwalter Kai Dellit nach, der zur Kanzlei hww hermann wienberg wilhelm gehört. Die Antwort fällt knapp aus: „Hierzu arbeiten wir an einem Strauß von Maßnahmen sowie der Stärkung der Marke Altenburger.“ Mit der Delikaterie ist allerdings definitiv Schluss. „Den Mitarbeiterinnen mussten Kündigungen unter Beachtung der Kündigungsfristen ausgesprochen werden“, teilt die Kanzlei mit.

Delikaterie-Betreiber ist ebenfalls insolvent

Die Schließung der Delikaterie in der Baderei habe keine Auswirkungen auf das Kerngeschäft der Altenburger Destillerie. Außerdem: „Das Ladengeschäft wird nicht von der Altenburger Destillerie betrieben, sondern von der Alaska International GmbH“, stellt die Kanzlei klar. „Diese hat die Schließung beschlossen, da das Geschäft defizitär war. Die Einwohner und Gäste haben das dort angebotene Sortiment nicht angenommen.“

Die Alaska International, das ergibt die Recherche, hat ihren Sitz in Berlin und eine Niederlassung am Altenburger Hospitalplatz 5. Firmenzweck: unter anderem die Produktion, der Vertrieb und der Handel mit Getränken, Spirituosen und Waren aller Art sowie der Handel mit Kraftfahrzeugen und Immobilien. Doch auch dieses Unternehmen ist zahlungsunfähig: Am 2. Mai, etwa einen halben Monat nach der Destillerie, wurde über die Zweigniederlassung der Alaska International ein Insolvenzverfahren eröffnet. Weitere Gemeinsamkeiten mit der „Likörbude“: Auch für den Delikaterie-Betreiber wurde Kai Dellit zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Und auch hier lautet der Name des Geschäftsführers: Dr. Michael Schenk.

Schenk kennt sich aus mit Insolvenzen

Schenk, der promovierte Wirtschaftswissenschaftler, der im Frühjahr 2016 die Geschäftsführung der Destillerie übernahm, kennt sich aus mit Insolvenzen – daraus macht er kein Hehl. Er hat darüber sogar ein Buch geschrieben: „Insolvenz – Na und? Pleiten, Pech und neue Chancen“. Destille und Delikaterie sind für Schenk nicht die erste Pleite. „Den Ausschlag für die Entstehung dieses Buches gab mein Durchleben einer Insolvenz“, schreibt Schenk in seiner Veröffentlichung. Und weiter: „Immer dann, wenn Entscheidungen und Gefühle im Spiel sind, werden wir höchst empfänglich für die Meinungen anderer und somit manipulierbar. Um gerade dies zu vermeiden, ist es wichtig, sich auf seine eigenen Ziele und Wünsche zu konzentrieren und diese in einer ,egoistischen‘ Weise zu realisieren.“

Das Buch erschien 2006 – und ist kein Einzelwerk. Michael Schenk schrieb auch Bücher über „199 Erfolgsrezepte“ für den Alltag, über „Rhetorik und Präsentation“ und „Fernöstliche Weisheiten“. Erschienen allesamt im MC-Verlagshaus in der Schweiz. Mitinhaber: Michael Schenk. Er sei ein „Management- und Kommunikationsexperte, der seine Arbeit liebt und darin zu 100 Prozent Bestätigung findet“, schreibt der 48-Jährige über sich selbst.

Verzweigtes Firmengeflecht

Fast zeitgleich zu seinem Einstieg bei der Destillerie & Liqueurfabrik 2016 ließ er die „My Hotbags GmbH Deutschland“ mit Sitz am Hospitalplatz 5 in Altenburg registrieren. Mit-Geschäftsführerin: Claudia Pauli – gleichzeitig bis Anfang 2019 Marketing-Chefin der Destille. Recht aktiv ist Michael Schenk auch in seiner Wahlheimat Schweiz. Das Handelsregister des Kantons Luzern belegt weitere, zum Teil miteinander verwobene Gesellschaften.

So existiert seit Juli 2007 die HCFS GmbH, unter anderem als Beratungs- und Vermittlungsunternehmen von Geschäften im Finanzbereich für in- und ausländische Unternehmen und Privatpersonen mit Schenk als Geschäftsführer. Bei der Sebile AG, registriert seit 19. Juli 2017, ist Schenk Verwaltungsratsmitglied. Zusammen mit der Aktiengesellschaft EGA-Bau, im Handelsregister seit 16. Juli 2009 zu finden mit Schenk als gelistetem Mitglied, eint alle drei ihr Sitz am Standort der KMU Support GmbH in Kriens im Kanton Luzern.

Suche nach Investoren geht weiter

So fügt sich die Altenburger Destillerie & Liqueurfabrik in ein weit verzweigtes Firmennetz. „Ich alleine bestimme, wohin ich gehe, wann ich gehe und mit wem ich gehe. Es gibt auch nur ein Individuum, dem ich Rechenschaft abgeben muss – mir selbst“, schreibt Schenk in „Insolvenz- Na und?“.

Und wir geht es nun mit der „Likörbude“ weiter? Die Kanzlei des Insolvenzverwalters macht es kurz: „Verhandlungen mit Kunden, Lieferanten und Spediteuren sowie Initiierung eines Prozesses, mit dem Investoren gesucht werden.“ Die Delikaterie hingegen öffnet am heutigen Freitag zum letzten Mal.

Von Maike Steuer und Kay Würker