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Altenburg „Die Ostergeschichte ist topaktuell“
Region Altenburg „Die Ostergeschichte ist topaktuell“
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08:06 20.04.2019
Für Superintendentin Kristin Jahn bedeuten die Ostertage viel Freude – aber auch viel Arbeit. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

Für Superintendentin Kristin Jahn ist Ostern ein Prozess, der in den eigentlichen Osterfeiertagen kulminiert. „Da ist die am Aschermittwoch beginnende Fastenzeit, in der man auf etwas im Alltag Gewohntes verzichtet und in sich geht.“ Keineswegs bedeutet diese Fastenzeit ausschließlichen Verzicht auf Essen und Trinken, oder auf andere Dinge wie beispielsweise Computer & Co. Statt dessen nutzt man die Zeit zur Selbstreflexion. Wovon hänge ich ab? Was fesselt und knechtet mich? Ostern ist das Fest der Befreiung von all dem. Was mich beherrscht ist nicht diese Welt.

Und dann bedeutet das Osterfest für die Superintendentin des rund 14 500 Mitglieder zählenden Kirchenkreises Altenburger Land viel Arbeit. Immerhin gilt es, gleich mehrere Gottesdienste in der unterschiedlichsten Form für das bedeutsamste Fest der Christen vorzubereiten und mit der Kirchgemeinde zu feiern. „Aber ich freue mich sowohl darauf, wie auch über die rein private Bedeutung, die Ostern für uns hat. Verrat, Kreuzigung und dann die Wiederauferstehung von Jesus Christus – die biblische Geschichte hat auch in der Gegenwart ein großes Gewicht und eine hohe Bedeutung“, unterstreicht die Theologin.

Bilder der Ostergeschichte auch ins Jetzt und Heute übertragbar

Da sind einerseits die dunklen Seiten von Ostern: Das letzte gemeinsame Mahl am Gründonnerstag, der Verrat und die dann folgende Kreuzigung und der Tod am Karfreitag, der aber keineswegs endgültig sei. „Ostersonntag am Scheidepunkt zwischen Nacht und Tag kehrte Jesus auf die Erde zurück. Beileibe nicht als Rächer, sondern mit Vergebung“, sagt Kristin Jahn. Diese Bilder ließen sich sehr gut auch ins Jetzt und Heute übertragen. „Die Geschichte wiederholt sich sozusagen ständig“, erklärt Jahn weiter. Sie lehrt den ausgleichenden Umgang zwischen vermeintlichen Tätern und Opfern. Oder anders gesagt: Es gibt keine absoluten wie endgültigen Urteile. Dazu hat niemand das Recht. Keiner ist für immer abgeschrieben und jeder, der in irgend einer Form Schuld auf sich lud, muss eine zweite Chance bekommen.

Gerade das Osterfest 2019 birgt für Kristin Jahn da ein besonderes Gewicht. „Wir feiern in diesem Jahr den 30. Jahrestag der friedlichen Revolution und der Wende. In unserer Gesellschaft liegen da bis zum heutigen Tag noch viele ungeklärte Fragen über Schuld und Nichtschuld sowie über Verantwortung, die besprochen werden müssen. Für mich als Christin hat aber keiner das Recht ein endgültiges Urteil über einen anderen zu sprechen oder gar zu sagen: Der ist für mich gestorben. Jesus ist für unsere Fehler ans Kreuz gegangen und er hat uns einen anderen Umgang gelehrt: Er kommt zurück zu seinen Verrätern und das im Frieden. Das ist das Wunder. Er steht auf und das finde ich ist wahrhafte Größe: soviel Menschlichkeit angesichts von Unrecht und Tod.“

Keineswegs „fremdelt“ die Kirchenfrau mit den weltlichen Bräuchen, die das Osterfest für jedermann zu einem Fest machen. „Das Osterei und auch Osterhasen gehören bei uns in der Familie einfach mit dazu. Ostern ist auch ein Familienfest, worauf ich mich persönlich sehr freue.“

Ostern als Traditionsbewahrung

„Ohne Ostern wären mein Glaube und mein Beruf nichts“, beschreibt Priester Sebastian Brier, der seit zehn Jahren Pfarrer der katholischen Kirchgemeinde in Rositz ist, was das Fest für ihn bedeutet. Dem trägt der Geistliche selbstverständlich auch in der Vorbereitung der Osternacht Rechnung, die in diesem Jahr wieder in Rositz stattfindet.

22 Uhr trifft sich die Gemeinde zur Osternacht, die mit dem Lichtfest beginnt. Genauer mit dem Entzünden des Osterfeuers, der Osterkerze und dem dann anschließenden Einzug der Osterkerze in die dunkle Kirche. Brier blättert im Messbuch, darin ist der Ablauf der Osterfeier minutiös samt „Regieanweisungen“ niedergeschrieben. Vor den Hochfesten schaut er trotz seiner langen Berufserfahrung immer gern noch einmal nach, um möglichst genau den Traditionen zu entsprechen. Immerhin wird Ostern in der römisch-katholischen Kirche so seit dem 4. Jahrhundert gefeiert.

In Rositz wieder seit der Kirchweihe 1924. Bereits um 1900 herum zogen viele Arbeiter, die in der kohlechemischen Industrie dringend gesucht wurden, aus Bayern und den Ostgebieten nach Rositz. Damals brachten die Arbeiter ihren katholischen Glauben mit, der hierzulande seit der Reformation praktisch nicht mehr vertreten war. Mitgebrachten Kirchenschmuck oder dergleichen gebe es aber nicht oder nicht mehr, sagt Brier. Wobei zu Ostern Kirchen traditionell nicht opulent geschmückt werden. „Wir werden nur ein paar Blumen am Gestühl haben“, kündigt der Priester an.

Mit rund 40 Christen rechnet Brier zur Osternacht, die circa 1,5 Stunden dauert. Das sei auch in etwa die Zahl der Gläubigen, die zu den Sonntagsgottesdiensten kommt. Etwa 600 Katholiken umfasst seine Gemeinde heute. „Ich bin für vier Kirchen zwischen Lucka und Lumpzig zuständig, mein Pfarrbereich umfasst ungefähr 120 Quadratkilometer.“

Ostern als Gemeinschaftserlebnis

„Für mich ist Ostern das wichtigste Fest, weil sich darauf mein ganzer Glauben aufbaut“, sagt Susann Borowansky voller Überzeugung. Das gleiche wie für die Kinder- und Jugenddiakonin der evangelischen Kirchgemeinde gilt auch für die Mitglieder der Jungen Gemeinde, die Borowansky betreut. „Zu Ostern gibt es aus der Gemeinde heraus gleich mehrere Feiern, Andachten und Anspiele.“ Los gegangen ist das bereits vor einigen Tagen, als die 15 Mitglieder der Jungen Gemeinde Altenburg im Alter zwischen 13 bis Mitte 20 gemeinsam mit anderen Jugendgruppen den Jugendkreuzweg zelebrierten.

Aber auch die eigentlichen Osterfeiertage bergen für die jungen Christen einige Herausforderungen. „Die aber allesamt auch sehr viel Spaß machen sollen und auch machen“, betont Susann Borowansky. Am heutigen Ostersamstag soll ab 11 Uhr der Osterbrunnen gleich an der Brüderkirche geschmückt werden. Im Anschluss kommt man im Familienzentrum zusammen. „Auf dem Pfarrhof der Brüderkirche gibt es zudem am Ostersamstag ab 20 Uhr das Osterfeuer“, sagt Borowansky. Und genau dies sei ja das Schöne am Osterfest: Man sitzt in einer Gemeinschaft und teilt Brot und den Wein oder den Saft.

All dies mündet in den Ostersonntag, wo man ab fünf Uhr in der Frühe die Osternachtsfeier startet. „Wir knüpfen daran ein Osterfrühstück und ab 9 Uhr den Familiengottesdienst mit Pfarrer Sandro Vogler“, erklärt die Jugenddiakonin. Teil des Gottesdienstes wird auch ein Anspiel der jungen Darsteller aus dem Teenie-Treff der Jungen Gemeinde sein, das unter dem Titel „Tatort Jerusalem“ steht und einen ganz besonderen und ungewohnten Blick auf die Ostergeschichte bietet. Das große Suchen fehlt auch nicht: Zum Abschluss gibt es eine große Osterkörbchensuche. „Auch das gehört zu Ostern. Dem verschließt man sich nicht“, betont Susann Borowansky.

Ostern als Erinnerungsanker

Selbstverständlich, betont Katja Reichert, spielt die Osterzeit auch bei der Diako-Hospitalstiftung eine gewichtige Rolle. „Wir feiern natürlich auch und binden unsere Bewohner so weit wie möglich ein“, so die Pflegedienstleiterin. Und das Osterfest schlägt sich nicht nur in passender Deko nieder.

Tatsächlich sind nahezu alle Aspekte, die mit den christlichen Feiertagen verbunden sind, auch in der Einrichtung vertreten. „Wir backen etwa jedes Jahr das Osterlamm, servieren am Gründonnerstag Spinat und am Karfreitag Fisch oder zünden – zumindest symbolisch – die Osterkerze an“, zählt Reichert auf. Und selbstverständlich finden Pflegekräfte und Bewohner zusammen, um gemeinsam viele Eier farbenfroh zu gestalten.

Das sei insbesondere für die am Hospitalplatz betreuten Demenzpatienten ein essenzielles Angebot. „Da Demenzkranke mit fortschreitender Krankheit immer mehr in der Vergangenheit leben, bieten sich hier viele Ansatzpunkte. Ostern ist ja ein traditionelles Fest, das bei vielen Patienten Erinnerungen weckt“, erklärt die 39-Jährige. Die Folge: Viele der Senioren blühen regelrecht auf, berichten von Erlebnissen aus ihrer Kindheit.

Der christliche Aspekt spielt bei alldem dabei gar keine all zu dominante Rolle, so Reichert. „Sicher, wir ermöglichen allen, die dies wünschen, am Ostersonntag die Übertragung des Gottesdienstes des Papstes aus Rom zu sehen. Aber wir binden natürlich auch Menschen ein, die nicht gläubig sind oder einer anderen Religion angehören“, unterstreicht sie ausdrücklich.

Für Katja Reichert selbst spielt die religiöse Komponente ebenfalls nicht die erste Geige zu den Osterfeiertagen. Das Fest sei ihr wichtig – vor allem aber, um Entschleunigung zu finden und Zeit mit ihrer Familie zu verbringen.

Von Jörg Wolf

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