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Altenburg Die Starkenberger Baustoffwerke zwischen wirtschaftlichem Erfolg und Anwohnerkritik
Region Altenburg Die Starkenberger Baustoffwerke zwischen wirtschaftlichem Erfolg und Anwohnerkritik
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19:24 15.04.2019
Das ist eines der aktuellen Abbaufelder. Wie groß es ist, verdeutlicht der Kleintransporter in der Mitte des Bildes. Im Hintergrund sind die Rauchsäulen des Kraftwerks Lippendorf und daneben nahe der Abbaukante das Dorf Posa zu sehen. Quelle: Jörg Reuter/ Montage Mario Jahn
Starkenberg

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts werden rund um Starkenberg Sande und Kiese abgebaut. Aktuell rund 2,5 Millionen Tonnen im Jahr. Und noch immer bergen die Lagerstätten bis zu 300 Millionen Tonnen Rohstoffe. Ein Ende der Bergbautätigkeit ist also fürs Erste nicht abzusehen, weshalb die Starkenberger Baustoffwerke, denen inzwischen die Abbaufelder gehören, in größeren Zeitschienen rechnen. „Genehmigt ist unser Abbau für 50 Jahre“, so Verkaufsleiter und Geologe Ralf Müller kürzlich beim Besuch von Landrat Uwe Melzer (CDU).

Unternehmen gehört inzwischen zu den Branchengrößen

Dieser erfuhr bei seiner Stippvisite, dass die Firma mit 130 Mitarbeitern inzwischen zu den Branchengrößen zähle. Und das vor allem wegen der Qualität der Sande aus den hiesigen Lagerstätten, die deutschlandweit gefragt sind. Denn deren Eigenschaften eignen sich besonders gut für hochwertigen Beton, der nicht vom sogenannten Betonkrebs bedroht ist – jener Alkali-Kieselsäure-Reaktion, die auf Autobahnen wie etwa der A14 in den vergangenen Jahren große Schäden verursachte. Neben der Güte der Rohstoffe sei zudem die Größe der Lagerstätten ausschlaggebend. Laut Geschäftsführer Thomas Teubner gebe es nicht viele Anbieter, die ähnlich große Mengen mit gleichbleibender Güte liefern könnten.

Solcher Erfolg hat natürlich auch seine Schattenseiten, das weiß auch Teubner. „Probleme gibt es immer im Bergbau“, sagte er und bekam Zustimmung vom Starkenberger Bürgermeister Wolfram Schlegel (Die Regionalen), der als Wirtschaftsförderer des Kreises den Landrat begleitete. Wer Gutes wie Arbeitsplätze will, müsse auch Schlechtes in Kauf nehmen, meinte Schlegel. „Aber die Starkenberg Gruppe tut alles für ein gutes Miteinander.“ Dem würde Gemeinderat Klemens Kratsch so nicht zustimmen. Gegenüber der OVZ erklärt der Unternehmer aus Kraasa: „Was mich am meisten ärgert ist, dass die Firma keinen Schritt auf die Anwohner zugeht.“

Lärmschutzwall soll noch gebaut werden

Diese stören sich etwa am Lärm, der vom Betriebsgelände ausgeht. Krach macht vor allem das Entleeren beziehungsweise das Auskratzen der Güterwagen. Wie berichtet, ist die Firma seit 2014 auch ein Bahnunternehmen. Damals erwarb die Starkenberg Gruppe Züge und Strecke samt dem Bahnhof in der Sandgrube von der Wismut. Beinahe solange wünschen sich die Anwohner einen Lärmschutz. „Das Projekt ist noch nicht tot. Momentan läuft die Abwägung, wo es geführt wird – im Landratsamt oder im Bergamt“, nennt Müller den aktuellen Stand.

Doch auch dem Wall begegnen manche mit großer Skepsis. Sie unterstellen der Firma, den Dammbau zum Entsorgen von Abfällen etwa aus Stuttgart zu missbrauchen. Denn neben dem Bergbau und der Eisenbahn – mit 14 Lokomotiven und 200 Waggons – ist das dritte Standbein des Unternehmens Deponiebau und -sanierung. Wie Ralf Müller auf OVZ-Nachfrage erklärt, gebe es die Genehmigung, auf dem Betriebsgelände nicht gefährliche Abfälle zu verwenden, etwa zum Verfüllen ausgekiester Gruben, was auch wahrgenommen werde.

Ein nicht geringer Teil dieser nicht gefährlichen Abfälle wird aus Baden-Württemberg importiert. Dort beliefern die Starkenberger Tunnelbaustellen des Bahnprojektes Stuttgart 21. Um Leerfahrten zu vermeiden, würde eben Abraum aus Stuttgart nach Starkenberg mitgenommen. Jedoch kommen nur etwa fünf Prozent davon aus den Tunnelbaustellen. „Der Rest stammt von anderen Baumaßnahmen im Raum Stuttgart“, so Prokurist Oliver Kranz.

Bergamt bestätigt Selbstkontrolle des Unternehmens

Diese Gemengelage ist natürlich der perfekte Nährboden für Zweifel und Ängste in der Bevölkerung. Und auch Hartmut Kießling, Abteilungsleiter Geologie und Bergbau im Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz, wundert sich. „Ich persönlich bin nicht für solche Transporte quer durch das Land“, erklärt der Chef der oberen Bergbaubehörde. Und ja, auch sein Team hätte sich die Fragen gestellt, die sich die Anwohner stellen. „Bei so etwas gibt es immer die Vermutung, dass etwas verschleiert wird“, so Kießling weiter. Man habe sich deshalb das Geschäftsmodell im Genehmigungsverfahren auch sehr genau erklären lassen.

Was die Entsorgung der Abfälle betrifft, bestätigt Kießling, dass sich das Unternehmen durch speziell geschulte Mitarbeiter praktisch selbst kontrolliert. „Aber wir überprüfen das und führen darüber hinaus Beprobungen vor Ort durch, wenn Abfälle zum Verfüllen von ausgekiesten Gruben genutzt werden“, betont Kießling. Er schränkt aber ein, dass seine Behörde natürlich nicht in der Lage sei, jedes Jahr alle infrage kommenden Tagebaue zu befahren.

Von Jörg Reuter

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