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Altenburg Diebstähle, Gewalt, Graffiti: Zahlen im Altenburger Land steigen wieder
Region Altenburg Diebstähle, Gewalt, Graffiti: Zahlen im Altenburger Land steigen wieder
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08:16 20.04.2019
Mehrere Intensivtäter haben vergangenes Jahr die Kriminalstatistik des Altenburger Landes in die Höhe getrieben. (Symbolbild) Quelle: Archiv
Altenburg

Mehrere Jahre lang zeigte die Tendenz nach unten, doch nun ist die Kurve wieder deutlich angestiegen: Die Zahl der Straftaten im Altenburger Land hat 2018 im Vergleich zum vorangegangenen Jahr merklich zugenommen. 4992 Fälle wurden aktenkundig – rund 15 Prozent mehr als im Jahr 2017. Der Leiter der Polizeiinspektion Altenburger Land, Andreas Pöhler, hält diese Entwicklung jedoch im Moment nicht für Besorgnis erregend. „Der Blick auf größere Zeiträume zeigt, dass es beim Aufkommen von Straftaten immer wieder Wellenbewegungen gibt. Dass wir wieder Verhältnisse wie 2013/14 bekommen, ist derzeit nicht zu erkennen“, sagt Pöhler.

„Auf Durchschnittsniveau“

Damals, vor rund fünf Jahren, hatte es das Altenburger Land mit diversen einheimischen Intensivtätern zu tun. Büro- und Geschäftseinbrüche, Drogendelikte, geknackte oder gar gesprengte Automaten sorgten in Vielzahl für Polizeieinsätze und Unbehagen in der Bevölkerung. Ganze 13 dieser notorischen Delinquenten konnte die Polizei allein im Jahr 2015 aufgreifen, die Justiz brachte sie hinter Schloss und Riegel, die Deliktzahlen gingen abrupt zurück. „Wir werden sehen, wie die Entwicklung weitergeht. Im Moment bewegen wir uns im Landkreis auf dem Durchschnittsniveau der vergangenen zehn Jahre.“

Mehrere Intensivtäter dingfest gemacht

Immerhin: Auch 2018 waren es zum Teil Intensivtäter, die die Statistik in die Höhe trieben. Wie Polizei-Chef Pöhler nun im Nachhinein mitteilte, konnten vergangenes Jahr in drei Fällen dringend Tatverdächtige aufgegriffen werden, die im Landkreis für reichlich Aufruhr und Schaden gesorgt hatten. „Wir konnten einen 23-Jährigen aus dem Norden des Altenburger Landes ermitteln, der im Juni und Juli mutmaßlich 19 Brände gelegt hat.“ Demnach gingen rund drei Viertel der im Vorjahr dokumentierten 25 Brandstiftungen auf sein Konto.

Bekanntermaßen standen im heißen und trockenen Sommer 2018 unzählige Felder und Grasflächen in Flammen. „Dafür konnte es viele Ursachen geben – von Selbstentzündung durch Glasscherben über weggeworfene Zigaretten bis hin zu Erntemaschinen. Aber einige Brände waren angesichts der zeitlichen und räumlichen Ballung doch zu viel des Zufalls. Deshalb begannen wir zu ermitteln.“ Wie die OVZ im Sommer 2018 berichtete, hatte die Polizeiinspektion eigens eine Arbeitsgruppe aus Ermittlern der Schutz- und Kriminalpolizei gebildet, die nach dem Feuerteufel fahndete. Offenbar mit Erfolg: „Wir denken, dass wir den Richtigen gefunden haben“, bilanzierte Pöhler nun – die Brandserie im Raum Meuselwitz endete direkt nach dem Zugriff. „Allerdings ist es aus Sicht der Staatsanwaltschaft nicht gelungen, den Brandstifter zweifelsfrei zu überführen. Sie hat das Verfahren eingestellt.“ Ein Geständnis habe es nicht gegeben.

Einbruchsserie in Keller und Firmen

Nicht geständig sind auch drei Jugendliche, denen eine Einbruchsserie in 70 Keller und 5 Firmen in Schmölln zur Last gelegt wird. Die Taten ereigneten sich zwischen August und Oktober, mit insgesamt 26 000 Euro Beuteschaden. Das Diebesgut konnte im Zuge von Durchsuchungen bei den 17 bis 20 Jahre alten Verdächtigen gesichert werden. Die drei Einheimischen seien bereits einschlägig polizeibekannt. Die Täter brauchten offenbar Geld für die Beschaffung von Drogen. Das Verfahren sei derzeit bei der Staatsanwaltschaft anhängig.

Vergleichsweise hohen Sachschaden – rund 60 000 Euro – richtete ein mutmaßliches Tätertrio im Landkreis zwischen September 2015 und September 2018 an. Deren Ziele: Kleingärten, Firmenobjekte, Eigenheime und sogar Feuerwehr-Depots. „Sie suchten in erster Linie nach Essen“, schilderte Pöhler. Betroffen waren 80 Privatleute und 5 Betriebe. „Die Einbruchsserie hat uns gut beschäftigt. Wir konnten letztlich drei Männer aus dem Altenburger Land im Alter von 31 und zweimal 19 Jahren ermitteln.“ Auch dieses Verfahren sei noch schwebend, eine Verurteilung stehe noch aus. Zwei der Beschuldigten saßen jedoch zwischenzeitlich in Untersuchungshaft.

Landkreis bewegt sich gegen Landestrend

Mit einer insgesamt gestiegenen Zahl von Straftaten bewegte sich das Altenburger Land 2018 gegen den Thüringen-Trend. Die landesweite polizeiliche Kriminalstatistik weist einen Rückgang der erfassten Fälle um 0,1 Prozent gegenüber dem Jahr 2017 aus. Gegenläufig zur Entwicklung im Freistaat allgemein ist auch die Aufklärungsquote bei Delikten im Altenburger Land. Die ist im Vergleich zu 2017 von 71,5 Prozent auf 68,2 Prozent gefallen, während sie in Thüringen leicht gestiegen ist. Allerdings liegt der Aufklärungserfolg im Landkreis damit immer noch höher als der Landesdurchschnitt, der 2018 lediglich 66,1 Prozent erreichte.

Vandalismus-Brennpunkte

Wo mutwillig zerstört wird, ist Alkohol oft nicht weit. Die unselige Verbindung von Langeweile, Gruppenbildung und promillegetriebener Enthemmung ist der Polizei wohlbekannt – die Möglichkeiten der Vandalismus-Prävention seien allerdings sehr begrenzt, stellt Polizeirevier-Leiter Andreas Pöhler fest. Für Gesprächsstoff in der Bevölkerung sorgt insbesondere die Akte Teehaus: Immer wieder ist das Kleinod auf dem Altenburger Schlossberg Ziel von Randalierern. „Doch wir wissen nicht mit Sicherheit, ob Sachbeschädigungen immer aus Gruppen heraus verübt werden, die sich dort treffen, denn der Schlossberg ist auch Durchgangsstrecke“, sagt Pöhler. Außerdem sei eine permanente Polizei-Präsenz vor Ort nicht zu realisieren: „Wir haben etwa mit dem Seckendorff-Park in Meuselwitz einen weiteren Schwerpunkt von Sachbeschädigungen, den wir im Auge behalten müssen.“

Zerstörungen seien eine Sache von Minuten, der Täternachweis entsprechend schwer. Und die Jugendtreffen an sich sind nicht verboten. „Um per Verordnung Treffen im öffentlichen Raum zu unterbinden, die dem Alkoholgenuss dienen und mutmaßlich zu Straftaten führen, sind hohe Hürden des Gesetzgebers zu überwinden.“

Körperverletzungen

Manchmal sind es Fausthiebe im Streit auf der Straße, manchmal ist es häusliche Gewalt in der Familie: In der Statistik für Körperverletzungen bündeln sich viele Ursachen. Unterm Strich ist die Fallzahl gestiegen: von 530 im Jahr 2017 auf 633 im Jahr 2018. Oft sei Alkohol im Spiel, berichtet Revierleiter Andreas Pöhler. Eine Besorgnis erregende Tendenz sieht er in der jüngsten Zunahme noch nicht. „Die Zahl der Körperverletzungen bewegt sich wellenartig von Jahr zu Jahr, ein Auf und Ab ist normal.“ Das Aufkommen von Rohheitsdelikten, zu denen zum Beispiel auch Raub zählt, hat sich von 751 auf 866 Fälle erhöht.

Angriffe auf Helfer

Sie eilen zu Hilfe und müssen sich mitunter selbst helfen: Immer wieder werden Polizisten, Feuerwehrleute und Rettungskräfte von renitenten Zeitgenossen angegriffen. Insgesamt 55 Fälle sind im Landkreis 2018 aktenkundig geworden. „Durch eine Novellierung des Strafgesetzbuches ist die Statistik an dieser Stelle nun weitergefasst. Es wird nicht mehr nur Widerstand gegen Polizeibeamte dokumentiert, sondern generell gegen Rettungs- und Einsatzkräfte“, erläutert Polizeichef Pöhler. Das sei – neben zunehmender Aggressivität – ein Grund für die Steigerung zu 2017, als 28 Fälle in der Statistik standen.

Drogendelikte

Die Zahl der Drogendelikte im Altenburger Land ist im Jahr 2018 auf 697 gestiegen. Im Jahr 2017 waren noch 558 Fälle aktenkundig geworden. Laut Polizei ist diese Statistik jedoch in erster Linie vom Kontrolldruck abhängig: Je mehr Personen überprüft werden – etwa bei Streifen in Parks oder bei Verkehrskontrollen –, desto mehr Delikte werden festgestellt. Auf Platz eins der festgestellten Betäubungsmittel liegt Cannabis: 329 Fälle im vergangenen Jahr. Das entspricht einer Steigerung um rund 15 Prozent zu 2017. Crystal wurde 113 Mal gefunden – damit liegt diese chemische Substanz auf Platz zwei.

Illegale Graffiti

Eine Zeit lang war das Problem der Schmierereien in den Hintergrund gerückt, nun wird es wieder offensichtlicher: 182 Anzeigen wegen illegaler Graffiti zählte die Polizei im Jahr 2018 – eine Steigerung um rund 35 Prozent zu 2017. Damit nähert sich die Zahl wieder dem bisherigen Höchstwert dieses Jahrzehnts von 194 Fällen, der im Jahr 2012 erreicht worden war. Erfasst werden neben Sprühereien auch Schmierereien mit wasserfesten Stiften. Zu den Schauplätzen zählen prominente Orte wie der Altenburger Bahnhofstunnel, aber auch zahlreiche Hauswände. Täter zu überführen, ist in der Regel schwierig.

Einbrüche und Diebstähle

Es wurde wieder mehr geklaut: Die Zahl der Diebstähle im Altenburger Land ist im Jahr 2018 auf 1356 Fälle gestiegen. Im Jahr 2017 waren es noch 1058 Ereignisse. Dabei sind es vor allem die schweren Diebstähle, die ins Gewicht fallen. Während sich Delikte der sogenannten einfachen Wegnahme – also vor allem Trick- und Taschendiebstahl – in der Zahl kaum verändert haben beziehungsweise, wie beim Ladendiebstahl, sogar rückläufig sind, geht die Tendenz beim schweren Diebstahl signifikant nach oben. In diesem Bereich wurden 733 Fälle dokumentiert – im Jahr davor waren es noch 458 Delikte.

Dabei geht es vor allem um Einbrüche. 155 Mal stiegen ungebetene Gäste im vergangenen Jahr in Keller ein – eine Verdreifachung der Zahlen verglichen mit 2017. Beinahe verdreifacht haben sich auch die Einbrüche in Gartenlauben: 207 Anzeigen gingen im Vorjahr ein. Ganze 149 Mal holten Langfinger Beutegut aus Autos. Fahrräder verschwanden in 93 Fällen, immerhin 28 Mal hatten es Diebe auf Münzautomaten abgesehen.

„Von den hohen Zahlen, die uns im Jahr 2014 beschäftigten, sind wir aber nach wie vor weit entfernt“, sagt Altenburgs Polizeichef Pöhler.

Von Kay Würker

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