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Altenburg Ein Damm aus Abfällen für alte Feldwege durch ehemalige Tagebaue
Region Altenburg Ein Damm aus Abfällen für alte Feldwege durch ehemalige Tagebaue
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09:33 30.07.2019
Die Sandgruben der Starkenberger Baustoffwerke zwischen Starkenberg und Kayna. Zwischen den Dörfern sollen alte Wege wiedererrichtet werden. Doch das gefällt nicht jedem.
Starkenberg

Misstrauische Bürger, ein vorsichtiger Landrat, ein gewarnter Bürgermeister und das örtliche Kieswerk – diese Gemengelage sorgt gerade wieder für Gesprächsstoff in der Gemeinde Starkenberg. Inhalt der Diskussionen über den Gartenzaun und zu öffentlichen Gemeinderatssitzungen ist die Idee, durch den Tagebau verloren gegangene ländliche Wege wiederherzustellen. Und zwar von den Starkenberger Baustoffwerken, die dafür Abfälle der Schadstoffklasse Z 2 einsetzen möchten.

Rekultivierung: Kostendeckung über Abfallbeseitigung

Zur Rekultivierung der ausgekiesten Gruben ist die Starkenberg Gruppe als Eigentümer verpflichtet. Jedoch sorgen die Pläne des Unternehmens bei den Behörden für Zurückhaltung und bei Bürgern für Misstrauen, denn als zertifizierter Entsorger wollen die Starkenberger Baustoffwerke auch sogenanntes Z-2-Material verarbeiten. Konkret soll unter anderem aus diesen mineralischen Abfällen ein Damm aufgeschüttet werden, der später die eigentliche Straße trägt.

Gegenüber der OVZ begründet Ralf Müller, Geologe und Verkaufsleiter bei der Starkenberger Gruppe, dies mit den anfallenden Kosten. „Normalerweise rekultivieren wir unsere Flächen nur für eine landwirtschaftliche Nutzung. Von den Gemeinden kam aber Wunsch, alte Verbindungswege zwischen Dörfern wie Naundorf und Kayna oder Zettweil und Posa wieder herzustellen“, so Müller. Doch weil so etwas teuer ist, sei vorgeschlagen worden, die Kosten für den Damm zu erwirtschaften, indem – wie Müller sagt – „nicht gefährliche Abfälle“ genutzt werden.

Landratsamt warnt: Kommune erbt Schadstoffe

Ein Stück weit widersprechen Starkenbergs Vizebürgermeister, Werner Kröber, und Gemeindechef Wolfram Schlegel dieser Darstellung. Laut Kröber haben nicht die Kommunen die Idee gehabt, sondern das Unternehmen. „Die haben uns den Wegebau regelrecht schmackhaft gemacht“, erinnert sich Kröber. Für Schlegel ist das jedoch nicht entscheidend. „Denn es ist ja richtig, dass wir die Wege gern hätten, und es ist auch nichts dagegen einzuwenden, Gelder zu sparen“, meint der Bürgermeister. Jedoch nur, wenn die Feldwege in Zukunft keine Probleme bereiten, schränkt Schlegel ein.

Doch genau diesbezüglich äußert das Landratsamt in einem Schreiben an die Gemeinde Bedenken. Begründet wird dies mit dem Z-2-Material in Verbindung mit der gesetzlichen Zuständigkeit von Gemeinden für öffentlich gewidmete Wege. „Z-2-Material birgt ein erhebliches Schadstoffpotenzial und kann somit nur mit vorgegebenen technischen Sicherungsmaßnahmen verwendet werden. Aufgrund der Übernahme der ländlichen Wege durch die Gemeinde Starkenberg ist die Gemeinde für unbestimmte Zeit verpflichtet, diese technischen Sicherungsmaßnahmen (Dichtungsschicht, Gehölzfreiheit etc.) aufrechtzuerhalten“, heißt es in dem von Landrat Uwe Melzer (CDU) unterzeichneten Schreiben, das der OVZ vorliegt.

Gretchenfrage: Müllentsorgung oder technische Notwendigkeit

Das Vorhaben sei momentan nur eine Idee, beschwichtigt Müller. Erste Anträge seien zwar bereits gestellt, würden aber bei den Behörden in Thüringen und Sachsen-Anhalt derzeit nicht weiter bearbeitet. „Deswegen gibt es auch noch keinen Zeitplan für die Umsetzung“, so Müller, der in diesem Zusammenhang betont: Die Dämme, auf denen die Asphaltdecke verlaufen soll, seien notwendig, um den geforderten Abstand von zwei Metern zum Grundwasser einzuhalten, die für Z-2-Material vorgeschriebenen Dichtungen einzubauen sowie die Straßen-Entwässerung zu gewährleisten. Ausdrücklich widerspricht Müller der Vermutung, dass die Dämme errichtet werden, um das belastete Material loszuwerden.

Das zu glauben fällt aber manchem Anwohner schwer. Nicht zuletzt, weil laut Kröber viele der vorgeschlagenen Trassen unsinnige Strecken seien, die eigentlich niemand brauche. Wenn überhaupt, dann sei die Gemeinde für die Wiederherstellung sinnvoller Wegeführungen, erklärt Kröber gegenüber der OVZ.

Stichwort: Z-2-Abfälle

Für die Entsorgung oder Verwertung von Abfällen schuf die Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Abfall ein Regelwerk, das dem Material verschiedene Einbauklassen beziehungsweise Zuordnungswerte je nach Belastungsgrad zuschreibt. Die Zuordnungswerte Z reichen von null bis fünf. Abfälle, die als Z 3 und höher eingestuft werden, dürfen nur in Deponien entsorgt werden. Z-0- bis Z-2-Material kann aber wieder verwendet werden. Abfälle mit dem Zuordnungswert 0 sind praktisch frei von Belastungen.

Z-2-Material, das primär aus mineralischem Abfall wie Ziegel, Putz, Betonbruch oder Erde besteht, darf nur unter bestimmten Voraussetzungen wieder verwendet werden. Ob Material als Z 2 eingestuft wird, hängt unter anderem von seinem pH-Wert ab, welche Salze und in welcher Konzentration enthalten sind oder in welcher Konzentration problematische Elemente wie Arsen nachgewiesen werden können.

Im Normalfall liegen die Grenzwerte für Z-2-Abfälle über den in der Natur vorkommenden Werten. Nichtsdestotrotz können Böden auch vereinzelt auf natürliche Weise belastet sein wie Z-2-Abfälle. Deshalb ist das Z-2-Material vor allem in großen Mengen schädlich. Eine Tonne davon, im Fundament eines Hauses verwendet, wird wohl kaum Auswirkungen auf die Gesundheit von Menschen, Tieren und Pflanzen haben. Bei zig Tausenden Tonnen über Kilometer wie etwa beim Autobahnbau oder Schutzdämmen können wiederum Gesundheitsschäden nicht mehr ausgeschlossen werden, wenn die Schadstoffe ausgewaschen werden.

Deshalb darf Z-2-Abfall nur mit vorgeschriebenen technischen Sicherungsmaßnahmen verbaut werden. Diese technischen Sicherungen sind zum einen eine qualifizierte Dichtung von einem halben Meter nach unten, damit ausgeschlossen wird, dass Sickerwasser in den Boden gelangt. Und zum anderen eine Dichtschicht sowie Rekultivierungsschicht oben drauf, damit Regen nicht eindringt.

Von Jörg Reuter

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