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Altenburg Ein Platz für Eigenheime ist in der Gemeinde Nobitz gefragt wie nie
Region Altenburg Ein Platz für Eigenheime ist in der Gemeinde Nobitz gefragt wie nie
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04:09 28.12.2018
Der Nobitzer Bürgermeister Hendrik Läbe zeigt das Grundstück in Hauersdorf, auf dem nun Standorte für Eigenheime entwickelt werden.
Der Nobitzer Bürgermeister Hendrik Läbe zeigt das Grundstück in Hauersdorf, auf dem nun Standorte für Eigenheime entwickelt werden. Quelle: Jörg Reuter
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Nobitz

Bauland ist in der Gemeinde Nobitz mit ihren 46 Ortsteilen und einer Fläche von rund 100,37 Quadratkilometern rar. „Ich kenne kein Grundstück, das zum Verkauf steht und keine Abnehmer findet“, sagt der Nobitzer Bürgermeister Hendrik Läbe (SPD). Die seit Jahren hohe Nachfrage auf der einen Seite und die günstigen Zinsen auf der anderen haben mancherorts in der Kommune den Bodenrichtwert binnen weniger Jahre von 22 Euro auf inzwischen 32 Euro pro Quadratmeter steigen lassen.

Auch abgelegene Ortsteile finden Investoren

„Natürlich sind Grundstücke in Ortsteilen wie Nobitz oder Ehrenhain besonders gefragt, weil junge Familien hier Infrastruktur vom Kindergarten bis zum Bäcker vorfinden, was sich dann auch im Preis niederschlägt“, analysiert Läbe. Ungeachtet dessen fanden 2018 auch Grundstücke in abgelegenen Siedlungen wie Runsdorf Abnehmer. Und erst kürzlich hat der Gemeinderat den Weg freigemacht für weitere Eigenheimstandorte in Hauersdorf. Hier wie dort ist die Kommune aber nur indirekt beteiligt, weil die Liegenschaften Investoren gehören, die sie weiter vermarkten.

„Ich freue mich sehr darüber, dass es in Hauersdorf einen Investor gibt, der den alten Vierseithof abreißt und damit einen baulichen Missstand im Dorf beseitigt. Das unterstützen wir als Gemeinde gern“, so Läbe mit Blick auf den geänderten Bebauungsplan, der nun das Areal als Standort für Einfamilienhäuser ausweist.

Gemeinde will Problemgrundstücke aufwerten

2018 seien aber keine Eigenheimgrundstücke an Häuslebauer verkauft worden. Schlichtweg, weil es in Nobitz keine gibt, sagt Läbe. „In Ehrenhain etwa hätten wir zwar einige Liegenschaft, doch zum Teil müssen dort erst alte Gebäude abgerissen werden. Und es gibt noch keinen Abwasseranschluss.“ Ähnlich sei die Situation beispielsweise auch in Podelwitz. „Perspektivisch wollen wir uns sowieso mehr um Problemgrundstücke innerorts kümmern – sprich sie erwerben, Altlasten beseitigen und dann wieder veräußern“, gibt der Bürgermeister die Richtung vor.

Gefragt seien darüber hinaus in gleichem Maße Bestandsimmobilien und Mietwohnungen. Es gebe praktisch keine einzige Wohnung, die beziehbar ist und lange leer stehe. Und das schließe nicht nur die über 60 gemeindeeigenen Wohnungen ein. Alles, was unbewohnt ist, wie die Mühle in Saara, seien Ruinen. „Was wir zudem feststellen, ist: Viele Leute, die aufs Land ziehen, wollen hier gut und komfortabel mit Garten wohnen.“ Um auch diese Nachfrage zu bedienen, versucht die Gemeinde derzeit Städtebau-Fördermittel zu bekommen.

Städtebauförderungen für Millionen-Projekt in Saara

Damit könnte das Areal Saara-20 im Stil schicker Reihenhäuser weiterentwickelt werden. Durchaus ambitioniert, wie Bauamtsleiterin Anja Bräuninger einräumt, die das Projekt entworfen hat. Denn klappt es mit der Städtebauförderung, müsste die Gemeinde immer noch rund eine Million Euro Eigenanteil aufbringen. Doch es könnte sich lohnen, glauben sowohl Gemeinderat als auch Bürgermeister und Verwaltung. Einfach weil die Nachfrage da sei, aber eben nicht bedient werden kann.

Einwohnerzahlen sinken weiter kontinuierlich

Ungeachtet dessen ist der rückläufige Trend bei der Einwohnerzahl nicht aufzuhalten. Seit 2012, als Saara mit Nobitz verschmolz, ist die Zahl der Einwohner von anfangs 6257 auf 5964 im Jahr 2017 gesunken. Die Statistik der Geburten ist nicht ganz so eindeutig – zwar sank die Zahl der Babys im gleichen Zeitraum von erst 54 auf nur noch 38 Neugeborene: Aber nach dem Einbruch 2013 auf nur 30 Geburten scheint sich die Zahl bei 40 einzupendeln. Das entspricht in etwa der Hälfte der Sterbefälle, die in den vergangenen sechs Jahren immer um die 80 betrugen.

Auch wenn die Zahl der Nobitzer Einwohner mit der Eingemeindung von Ziegelheim, Frohnsdorf und Jückelberg nun auf 7309 hochgeschnellt ist, wird der Wert wohl nicht lange so bleiben. Denn auch die ehemaligen Wieratal-Gemeinden schrumpfen nach wie vor.

Von Jörg Reuter