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Altenburg Ein letztes Mal bei Hempels in Meuselwitz am Tresen
Region Altenburg Ein letztes Mal bei Hempels in Meuselwitz am Tresen
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07:28 02.04.2019
Mit ihrer Gaststube sind Steffi und Lutz Hempel in Meuselwitz durch Höhen und Tiefen gegangen – und zu einer echten Institution in der Stadt geworden. Quelle: Mario Jahn
Meuselwitz

Auch wenn Lutz Hempel es nicht so offen sagt: Ein bisschen Wehmut, das wird im Verlauf des Gesprächs mit ihm und seiner Frau im Gastraum seines Bistros deutlich, schwingt durchaus in seinen Worten mit. „Wie sehr ich das alles tatsächlich vermissen werde, ist jetzt allerdings noch schwer zu sagen“, schiebt er allzu emotionalen Momenten lächelnd einen Riegel vor.

Gebrochene Biografie als Chance

Trotzdem: Es wäre nicht verwunderlich, wenn Hempels Ende Mai doch mit dem ein oder anderen feuchten Auge zum letzten Mal den Schlüssel im Schloss der Gaststube am Meuselwitzer Markt drehen. Beinahe 26 Jahre lang hat das Paar dann im Erdgeschoss seines Hauses die Gäste bewirtet. Eine durchaus anstrengende, aber auch sehr schöne Zeit, wie beide ausdrücklich betonen.

Dass sie einmal ihr Glück als Gastronomen finden würden, stand für Lutz und Steffi Hempel alles andere als fest. Doch wie bei so vielen Bürgern im Altenburger Land machte auch ihre Erwerbsbiografie in der Nachwendezeit einen Knick. „Ich habe vorher bei der Wismut gearbeitet, aber nach 1989 gemerkt, dass es dort nicht weitergeht“, erinnert sich Lutz Hempel. Ähnlich sah die Situation in der Maschinenfabrik aus, wo seine Frau tätig war. „Für mich stand direkt fest, dass ich nicht auf Montage gehen und lange weg sein wollte, Frau und Kinder nicht sehen könnte“, beschreibt er die Situation. Da seine Steffi eine Ausbildung in der Gastronomie vorweisen konnte, reifte der Plan, etwas in dieser Richtung zu versuchen.

Der Traum steht auf der Kippe

Gesagt, getan: Ab 1990 machten sich Hempels mit einem eigenen Imbisswagen selbstständig. „Anfangs standen wir in der Nähe des Gymnasiums, hatten viel Kundschaft, gerade auch von umliegenden Firmen“, blickt Lutz Hempel zurück. Die ersten Jahre liefen gut, „doch irgendwann entschied der damalige Bürgermeister, dass solche Imbisse nicht ins Stadtbild passen würden. Man schlug vor, in die gehobene Gastronomie gehen.“

Eine Anregung, die indes gar nicht so einfach umzusetzen war. Nachdem ein passendes Haus gefunden war, galt es, den dringend nötigen Umbau zu finanzieren. „Von vielen Banken gab es Absagen. Erst in Altenburg hatten wir Erfolg und bekamen eine Zusage für eine Finanzierung. Doch als es an den Kauf ging, hieß es plötzlich, dass dem zuständigen Berater gekündigt worden war.“ Plötzlich stand der Traum auf der Kippe. „Wir sind dann zu einer weiteren Bank nach Gera. Und dort habe ich klar gemacht, dass ich erst gehe, wenn die Finanzierung steht“, berichtet Lutz Hempel nicht ohne Stolz.

Ein Angebot, das ankam

Nach vielen Reparaturen, Sanierungen und Umbauten war es schließlich so weit: Im November 1993 öffneten sich erstmals die Türen zu „Hempels Bistro & Gaststube“. Das neue Angebot kam in der Schnauderstadt an. „Damals standen viele der Wochenmarkthändler schon Dienstagabend Schlange. Wir haben um 7 Uhr morgens aufgemacht, hatten zum Frühstück den Laden voll“, beschreibt Steffi Hempel die Anfangszeiten.

Was die Bewirtung anbelangt, verließ sich das Paar zu Beginn ganz auf klassische Imbisskost. „Das hat sich allerdings über die Jahre gewandelt“, weiß Lutz Hempel. Mit der Zeit entstanden rund um den Markt und in den umliegenden Straßen immer weitere Imbissangebote. Ein Alleinstellungsmerkmal musste her. „Wir haben 2003 noch einmal umgebaut, die ursprüngliche Trennung von Imbiss- und Gastbereich aufgehoben.“

Auch das Speisenangebot wandelte sich: „Inzwischen haben wir eine normale Speisekarten, bieten gutbürgerliche Küche mit zwei Tagesgerichten.“ Ein Schritt, den die Kunden zu schätzen wussten, wie Steffi Hempel, die sich mit einer Hilfskraft um die Küche kümmert, betont. „Wir haben regelmäßig Familienfeiern und Geburtstage ausgerichtet, im Winter zum Fischessen geladen. Auch unsere selbst gemachte Sülze kam immer gut an.“

Mehr Zeit für Familie

Dennoch wurde im Lauf der Zeit die Kundschaft weniger – und wurden Hempels älter. „Kaum einer fängt heute noch um 8.30 Uhr an, neben dem Tagesgeschäft fallen auch immer Einkäufe oder Reparaturen an. Und mit halber Kraft können und wollen wir nicht weiter machen“, erklärt Lutz Hempel. Den Kindern, die teils weit verstreut leben, wollte man die Wirtschaft auch nicht aufbürden. Die Entscheidung zum Schlussstrich – sie fiel am Ende nicht leicht, aber folgerichtig.

„Wir wollen uns jetzt mehr Zeit für die Familie, unsere Enkelkinder nehmen, einfach die Zeit so gut wie möglich nutzen“, blickt Lutz Hempel in die Zukunft. Langweilig werde ihm, auch angesichts seiner zahlreichen anderen Engagements, so schnell nicht werden.

Ganz geräuschlos soll die Gaststube allerdings nicht verschwinden. „Am 29. Mai haben wir letztmals geöffnet, zum Männertag am 30. sind wird dann noch einmal im Biergarten an der Grotte aktiv. Und am 31. Mai laden wir zum Restetrinken ein“, kündigt er schmunzelnd an. Zum 1. Juli soll dann ein Nachfolgeunternehmen in die Räume ziehen – und ein Stück Meuselwitzer Geschichte endgültig zu Ende gehen.

Von Bastian Fischer

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