Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Altenburg Fahrschullehrer erwartet Marktbereinigung im Altenburger Land und Ostthüringen
Region Altenburg Fahrschullehrer erwartet Marktbereinigung im Altenburger Land und Ostthüringen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
14:49 18.05.2020
Harry Bittner vom Verkehrsinstitut Altenburg würde gern mehr selbst steuern, statt von der Bürokratie gelenkt zu werden. Quelle: Mario Jahn
Anzeige
Altenburg

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie stellen die meisten Ostthüringer Unternehmen vor Herausforderungen. Darunter auch die Fahrschulen, die nach wie vor von Einschränkungen ihres Geschäftsbetriebs betroffen sind. Harry Bittner, der Inhaber des Verkehrsinstituts Altenburg, spricht darüber im Interview.

Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation in Ihrer Branche?

Anzeige

Die Branche ist sehr kleinteilig aufgestellt. 90 Prozent der Firmen sind Einzelunternehmen mit bis zu zwei Mitarbeitern. Das finanzielle Polster ist also nicht besonders groß. Positiv: Der Kundenbestand ist noch vorhanden. Wer eine Fahrerlaubnis will, muss in eine Fahrschule gehen. Negativ: Der sehr hohe Zeitaufwand, mit dem Entgangenes wieder aufgeholt werden soll. Eine Marktbereinigung ist nicht auszuschließen. Größere und damit finanzstärkere Unternehmen werden sich bilden. Das muss aber nicht unbedingt nachteilig für die Branche sein.

Welche Folgen hat Corona für Ihr Unternehmen?

Teile des Unternehmens mussten von 100 auf 0 stillgelegt werden. Betroffen sind immer noch der Busbetrieb und Teile der Fahrschulausbildung. Wir haben es trotzdem geschafft, dass nur ein Mitarbeiter von Kurzarbeit betroffen war. Bei der Ausbildung von Fahrlehrern haben wir auf Online-Unterricht umgestellt. Möglich war das, weil sich die Mitarbeiter sehr schnell auf die neuen Bedingungen eingestellt haben. Für neue Technik mussten wir tief in die Investitionskasse greifen. Es hat sich gelohnt. In einigen Bereichen sind wir ganz neu aufgestellt, haben moderne Konzepte, wissen was geht und was nicht geht, wissen was gut und was nicht gut ist. In dieser Beziehung hat die Krise sogar wie ein Innovationsschub gewirkt.

Wie bereiten Sie sich auf den Neustart vor?

Während der Krise habe ich mit meinen Vorstandskollegen vom Thüringer Fahrlehrerverband eine Fahrlehrer-Demo in Erfurt organisiert. Ich sehe den lauten Protest auf der Straße als eine Urform der Demokratie. Besser wir sollten die Politiker an uns erinnern, als zu warten, bis sich Politiker an uns erinnern. In der Ausbildung von Fahrlehrern haben wir ganz neue Lehr-Lernkonzepte entwickelt. Auch hier müssen wir schnell der Politik mitteilen, dass Gesetzesänderungen notwendig sind, um neue, bessere Konzepte zu etablieren.

Was muss passieren, damit Ihre Branche nach Corona eine Perspektive hat?

Meine Branche ist überreguliert. Um schnell die Folgen der Krise überwinden zu können, muss der Bürokratieabbau konsequent betrieben und durchgesetzt werden. Die Branche muss viel mehr Eigenverantwortung bekommen, Fachleute aus der Branche müssen Entscheidungen treffen dürfen, statt dies zu branchenfernen Politikern zu delegieren. Mit Branchenkennern müssen betriebswirtschaftliche Konzepte entwickelt werden, die zu einer besseren Auslastung der vorhandenen Betriebsmittel führen und so der Branche mehr finanzielle Stabilität für erneute Krisenfälle geben.

Von OVZ

Anzeige