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Altenburg Fassadengestaltung: Altenburger Bonhoefferschule zeigt jetzt Gesicht und Farbe
Region Altenburg Fassadengestaltung: Altenburger Bonhoefferschule zeigt jetzt Gesicht und Farbe
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06:18 26.05.2020
Einweihungsfoto in Corona-Zeiten: Um das neue Graffito zu zelebrieren, versammelten sich Projektverantwortliche und Schüler auf dem Vorplatz und an den Fenstern der Schule. Quelle: Foto: Mario Jahn
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Altenburg

Diese Fragen hat Schulleiterin Yvonne Künzel schon des Öfteren gehört: „Wo ist denn eigentlich Ihre Schule? Ist das der Plattenbau in der Flack-Straße? Nein? Aber an dem Haus in der Bonhoefferstraße, da steht doch gar nichts dran.“ Manch einer, der die Dietrich-Bonhoeffer-Regelschule in Altenburg-Nord sucht, fahre erst einmal vorbei, ob nun Lieferanten oder Paketboten oder Eltern, die ihre Kinder anmelden wollen. „Oder kürzlich auch Passanten, die von der Fassadengestaltung in der Zeitung gelesen hatten und sich das mal anschauen wollten“, ergänzt Susann Seifert von der Altenburger Farbküche. „Sie wussten zunächst nicht, ob sie hier richtig sind.“

Doch die Suche hat nun ein Ende. Nach Jahrzehnten der Unscheinbarkeit ist die Schule nun schon von Weitem eindeutig erkennbar. Auf der Fassade über dem Haupteingang prangt jetzt ein riesiges Graffito mit dem Namenszug und Konterfei Dietrich Bonhoeffers – gestaltet von der Farbküche, finanziert von zahlreichen OVZ-Lesern im Rahmen der Aktion „Ein Licht im Advent“ Ende vergangenen Jahres. Rund 4500 Euro waren in der Vorweihnachtszeit – und auch noch in den Tagen danach – zusammengekommen und von der OVZ an den Schulförderverein überwiesen worden.

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Corona machte den Zeitplan zunichte

Gefeiert werden sollte die Fertigstellung eigentlich schon am 3. April, kurz vor dem 75. Todestag des Schulnamensgebers, im Rahmen eines Schulfestes. Doch Corona ließ den Zeitplan platzen: Im April gab es an der Regelschule weder Fest noch Schüler, auch das Graffito war noch nicht so weit. Inzwischen sind die Neunt- und Zehntklässler zurück, seit dieser Woche kommen auch die anderen nach und nach wieder ins Schulhaus. Und so zelebrierten am Montag Schüler und Lehrer, worauf sie lange gewartet hatten: die Einweihung des neuen Wandbildes – ohne Party, aber mit einem gemeinsamen Foto auf Abstand.

„Die Schule ist jetzt unverwechselbar – für jeden, der vorbeikommt“, sagt Sebastian Gräfe aus der 10a. „Die Schüler identifizieren sich mit ihrer Schule, das wird nun sichtbar.“ Immerhin hatten die Bonhoefferschüler bei der Gestaltung ein Wörtchen mitzureden: Ralf Hecht von der Farbküche befragte Kinder und Jugendliche vorab nach ihren Ideen und Vorstellungen, kreierte daraus einen Entwurf.

Fünf Entwürfe

Bis zur Umsetzung auf der Fassade vergingen dann allerdings noch einige Wochen. Das Motiv aus der Sprühdose beschäftigte im Kulturausschuss des Altenburger Stadtrates – mit der Folge, dass insgesamt fünf Entwürfe gefertigt wurden, bis von kommunalpolitischer Ebene grünes Licht kam. Das Ergebnis ist nun etwas weniger bunt und verspielt als ursprünglich geplant, das Porträt Bonhoeffers wird stärker betont, die Symbole für die Schulfächer wichen Federkiel und Tintenfass.

Groß ist das Kunstwerk immer noch: Auf rund 8 mal 4,5 Metern gaben Ralf Hecht und Susann Seifert der neuen Schuloptik Kontur und Ausdruck. „Und es stecken mehr Farbtöne drin, als man auf den ersten Blick sieht, weil viele Farben gemischt wurden“, schildert die Künstlerin. Zuvor wurde die Fassade hell grundiert. „Vielen Dank auch an die Starkenberger Gerüstbau GmbH, die uns sehr geholfen hat“, betont Kathrin Heger, Vorsitzende des Schulfördervereins. Das Gerüst habe wegen der Verzögerungen gratis einen Monat länger stehen dürfen, als bezahlt war.

Es gibt noch Geld für weitere Ideen

Ein Grund, weshalb in der Kasse des Vereins nun noch ein größerer Spendenbetrag übrig ist. Das Geld soll mit dem gleichen Ansinnen eingesetzt werden wie schon an der Fassade: der Schule mit ihrer multikulturellen Schülergemeinschaft ein Gesicht geben, Identifikation schaffen, etwas gemeinsam gestalten. So ist unter anderem geplant, mit Ideen aus der Schülerschaft das Grüne Klassenzimmer auf dem Schulgelände wieder aufzumöbeln, neue Orte für Zusammenkünfte zu schaffen.

Zum Beispiel für den Ethikunterricht, der sich mit Bonhoeffer beschäftigt. Außerdem laufen an der Schule übers Jahr diverse Projekte, die das Miteinander stärken, zum Teil in Kooperation mit der Schulsozialarbeiterin, Theaterpädagogen oder dem Verein Futura. Es gibt Streitschlichter, Klassenklima-Projekte, jahrgangsübergreifende Hausaufgabenhilfe. Vergangenes Jahr ging die Schule auch das Thema Mobbing gezielt an. Schülersprecherin Justine Schachtner sieht in dieser Hinsicht kein Problemthema mehr. „Man merkt es am Umgang der Schüler untereinander: Es hat sich einiges getan.“

Von Kay Würker