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Altenburg Feuerbach-Quartett bestreitet Eröffnungskonzert im Festsaal
Region Altenburg Feuerbach-Quartett bestreitet Eröffnungskonzert im Festsaal
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20:16 12.08.2019
Jamila Musayeva, Max Eisinger, Lukas Kroczek und Eugen Hubert: Zusammen sind sie das Feuerbach-Quartett. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

Gut gefüllt, wenn auch leider nicht ausverkauft war das Eröffnungskonzert der 29. Ausgabe des Altenburger Musikfestivals im Festsaal des Schlosses. Dabei hätte das, was das Feuerbach-Quartett mit dem vorletzten Konzert ihres Programms „Bombax“ da am Freitagabend ablieferten, ein weit größeres Publikum verdient. Schon der erste gestrichene Ton ist ein verheißungsvoller Ausblick auf einen Abend, der über technische Perfektion hinaus noch so viel an Menschlichkeit und Humor zu bieten hat. Die Ouvertüre besteht aus einem Stück, gleichnamig zum Programm „Bombax“, übergehend in „Hysteria“ von Muse. Denn das Feuerbach-Quartett mag wohl als klassisches Streichquartett begonnen haben, aber jetzt arrangieren die vier bekannte Pop-Songs neu und bieten so beste Unterhaltung auf E-Musik-Niveau.

Der verhaltene Melodieeinstieg vonseiten der Violinen geführt von Jamila Musayeva und Max Eisinger entwickelt sich weiter zu immer wilderen Mustern, in denen sich auch der kräftige Strich von Cellist Lukas Kroczek und Bratschist Eugen Hubert immer mehr aufpeitscht. Jeder für sich versinkt in den eigenen peitschenden Wogen, ohne je die Verbindung zu den anderen dreien zu verlieren. Sowohl Agogik als auch Dynamik verlaufen in allen vier Stimmen glasklar in ihrer Intention, technisch perfekt austariert.

Der Festsaal des Schlosses war gut besucht, aber nicht ausverkauft. Quelle: Mario Jahn

Jamila Musayeva verzaubert an der Violine

Die Arrangements der bekannten Lieder treffen den Charakter des Stücks, geben in Melodieführung und Begleitung aber jeder einzelnen Stimme die Möglichkeit frei auszugestalten, ohne zu verfremden. So auch bei „Beat It“ von Michael Jackson. Die verzaubernde Jamila Musayeva übernimmt an der Violine zunächst die Melodie, nimmt dem Stück seine Schärfe, nur um sich zusammen mit Eisinger in die Saiten zu stemmen, zu zupfen, klopfen, das Publikum vollkommen zu erschlagen und mit Schwindelgefühlen aus ihren Fängen zu entlassen. Überhaupt zieht Musayeva ohne Mühen in ihren Bann, scheint es ihr doch unmöglich, ihre Emotionen unter Verschluss zu halten. Jede Note lässt sich an einer Regung ihres Gesichts ablesen. Sie flirtet, verführt, kämpft, klagt an – mit dem Bogen und mit den Augen.

Max Eisinger übernimmt die Zwischenraummoderation, intelligente Überleitungen, anfangs nur mit einem schelmischen Zwinkern in den Augen. Doch sobald er mit Anekdoten aufdreht, fließen die Lachtränen im Publikum. Höhepunkt ist vor allem die Geschichte des ersten größeren Konzerts als klassisches Streichquartett, bei dem Eisinger noch vor Konzertbeginn auf der Bühne „auf die Fresse fliegt“, wie er es so nonchalant formuliert, um dann von ihm unbemerkt mit gerissener Hose und dadurch prominenter Boxershorts drei Dvorak-Sätze hinter sich zu bringen. Die kurz darauffolgende Pause ist für das Altenburger Publikum entweder dafür nötig, sich vom Vokabel-Schock zu erholen oder den Bauchmuskeln etwas Entspannung zu gönnen.

Rammsteins Engel mal berührend sanft

Wohl selten liegen Lachtränen und Tränen der Rührung innerhalb eines Konzerts näher beieinander. Aber mit einer Interpretation von Rammsteins „Engel“ so sehr anzurühren, ist eine bemerkenswerte Leistung. Hier erhält Eugen Hubert an der Bratsche endlich Raum für die zarte Leitstimme, bedrohlich angetrieben vom Cello, das es in seiner Düsternis mit Sänger Till Lindemann ohne zu zögern aufnehmen kann. In allumfassendem Crescendo brechen die vier plötzlich aus der trügerischen Idylle aus, entfalten eine technisch perfekte Zerstörungswut, die ungebremst durch den Saal brandet. Vor allem Musayeva überzeugt in dramatischen Spitzentönen.

Leichteres Kontrastprogramm dazu: Bonanza. Durchbrochen von humoristischen Wieher-Einlagen der zweiten Geige mit dem schwarz-goldenen Sakko.

Klaus Jürgen Kamprad hatte den Auftritt in seiner Begrüßung als „etwas ganz anderes“ angekündigt – und sollte Recht behalten. Quelle: Mario Jahn

Und nach der Verkündung des Programmtitels ist Moderator Eisinger dem Publikum immer noch eine Erklärung schuldig, wie es denn zu dem Titel „Bombax“ kam. Im lateinischen Wörterbuch ihres Vertrauens fand das Quartett wohl diese Vokabel unter der Bezeichnung „Potztausend“. Immer noch nicht sehr gebräuchlich, übersetzt Eisinger den Ausdruck doch mit dem universal einsetzbaren „Huch!“ oder dem ursprünglich angedachten „Allmächd“. Geografisch verortet ist dieser Ausruf im Fränkischen, haben die Mitglieder des Quartetts schließlich unter anderem in Nürnberg studiert. Bei diesem Programm lernt man also auch noch sprachlich dazu.

Game of Thrones ist auch am Start

Für die Serienfans unter dem durchschnittlich doch etwas älteren Publikum gibt es auch ein besonderes Intermezzo zwischendurch: Die Titelmelodie des kürzlich beendeten Erfolgs „Game of Thrones“ ist schon bekannt für das streicherlastige Motiv und die perfekte Gelegenheit für Kroczek, mächtige Substanz im Cello erstehen zu lassen. Die Violinen schimmern darüber in unerträglicher Sanftheit.

Neben all der spielerischen Perfektion, die alle vier studierten Musiker an den Tag legen, ist es vor allem ihr Spaß am Spiel und die unheimliche Dynamik zwischen den Personen, die in dieser Besetzung seit 2016 zusammen musizieren und schon zwei Alben herausgebracht haben. Sie sticheln sich auf, interagieren, kommunizieren auf verschiedensten Ebenen und sind sichtlich so verwachsen, dass es die schiere Freude beim Beobachter auslöst.

Klaus Jürgen Kamprad hatte die vier als „etwas ganz anderes“ angekündigt, das beim Altenburger Musikfestival die Eröffnung darstellen soll. Man hätte es auch als etwas ganz richtiges betiteln können, denn der stehend vorgetragene Applaus nach der Zugabe spricht für sich.

„Musik verbindet über Generationen und Gesellschaftsformen hinweg“, sagt Oberbürgermeister André Neumann in seiner kurzen Begrüßungsrede. Vor dem Hintergrund des grandiosen Eröffnungskonzert ist dem nichts mehr hinzuzufügen. Bombax!

Von Katharina Stork

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