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Altenburg Five Shades of Grey in Altenburg
Region Altenburg Five Shades of Grey in Altenburg
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00:24 20.08.2018
Unterm Dach der ehemaligen Bäckerei hat sich der Künstler Willem Besselink sein Atelier eingerichtet. Quelle: Maike Steuer
Altenburg

Zwei Holzböcke und eine alte Zimmertür – fertig ist der Schreibtisch von Guus Vreeburg. Sein Arbeitsplatz: Die Durchfahrt des alten Konsum-Kaufhauses in der Hillgasse. Ende Juli setzte der niederländische Kunsthistoriker erstmals Fuß in den riesigen Gebäudekomplex und macht ihn sich seitdem zusammen mit der internationalen Künstlergruppe #IPIHAN (If Paradise is half as nice) zu eigen. „Es ist alles improvisiert. Wir arbeiten und inzwischen wohnen wir auch hier. Es gibt Strom, aber kein fließend Wasser. Das holen wir in Kanistern aus dem Paul-Gustavus-Haus“, erzählt er.

Für die einen ist es eine Ruine, für die anderen ein intaktes Gebäude

An einem weiteren „Tür-Tisch“ im dschungelartigen Innenhof haben es sich einige der Künstler gemütlich gemacht. Wo früher die Warenannahme stattfand, steht im Erdgeschoss der ehemaligen Bäckerei nun eine improvisierte Küche mit allem, was es für einen Alltag in der Ruine braucht.

Wobei man „Ruine“ so eigentlich nicht stehen lassen kann, findet Vreeburg. „Für viele Altenburger mag es eine Ruine sein, weil sie das Haus noch anders kennen. Von damals. Aber für uns ist ein wirklich schönes und erstaunlich intaktes Gebäude, das so viele Möglichkeiten bietet.“

Welche genau, wird beim Rundgang durch den riesigen Komplex klar, denn durch die Arbeiten der Einzelnen entwickeln Schutt, Restmehl und zurückgelassene Dinge ein Eigenleben.

Staub in den unterschiedlichsten Schattierungen nutzte Künstler Jordy Walker für sein Werk. Quelle: Maike Steuer

Jordy Walker schneidet per Kreissäge fünf identische Dreiecke zurecht. Alle exakt 72 Grad geneigt, um gemeinsam ein Hexagon zu bilden. Eingefärbt mit dem, was die Zeit in dicken Schichten gebildet hat: Staub. „Ich habe an unterschiedlichen Stellen im Gebäude fünf Staubproben gesammelt und färbe die Dreiecke dann damit ein.“ Ein „angestaubtes“ Werk im wahrsten Sinne.

Experimente mit Staub und Mehlresten

Im ersten Stock experimentiert eine Berliner Künstlerin mit Mehlresten, die sie in den riesigen Silos fand. Wobei die riesigen Backöfen und Gärschränke, die einst tausende Brote und Brötchen produziert haben müssen, schon Blickfang genug sind. Die Rüssel der Mehlsilos, die massive XXL-Waage, die alten Sicherungskästen: Alles Dinge, die die Fantasie der Künstler beflügeln, wie Vreeburg schwärmt: „Ich bin hier als Kunsthistoriker und alles, was es hier gibt, stimuliert meine Kreativität. Macht das alles hier sauber, re-installiert die Elektrik – und schon könnte man hier internationale Künstler empfangen.“

Das Kunstwerk von Willem Besselink besteht aus 158 Holzlatten. Quelle: Maike Steuer

Unterm Dach hat sich derweil Willem Besselink häuslich eingerichtet. Fast wirkt sein kleiner Schreibtisch ein wenig verloren im Verhältnis zu den üppigen Dimensionen des Raumes. Genau diese Größe machte sich der Niederländer zum Thema. Doch womit den ganzen Platz füllen? Mit jeder Menge Holz!

Er demontierte eine alte Trennwand und zerlegte sie in ihre Einzelteile: 158 Holzlatten in den unterschiedlichsten Längen. Nach Größe sortiert und hübsch aufgereiht, wirken sie nun wie ein XXL-Diagramm von? Auf die Interpretationen der Altenburger ist dessen Schöpfer schon gespannt.

Projekt stößt auf großes Interesse bei der Bevölkerung

Auch Guus Vreeburg sucht das Gespräch mit den Einheimischen, wo immer sich Möglichkeiten bieten. Er sei sehr erstaunt, wie offen und hilfsbereit er und sein Team empfangen wurden und auf wie viel Interesse das Projekt bei der Bevölkerung stieße, bekennt er. „Ich empfinde überall Begeisterung. Überall möchten uns die Leute helfen. Es ist wirklich schön zu merken, wie viele Menschen noch etwas mit diesem Gebäudekomplex verbinden.“

Guus Vreeburg leitet das Kunstprojekt. Quelle: Maike Steuer

Umso mehr hofft der Kunsthistoriker darauf, dass sich bis zum großen Abschlusswochenende noch zahlreiche Zeitzeugen bei ihm melden, die neben Erinnerungen und Geschichten auch alte Fotos, Zeichnungen oder „irgendwelche konkreten Sachen vom Gebäude“ hätten. „Ich wäre glücklich, wenn sich die Menschen vorher per Mail an: guus@hetplafond.nl anmelden und dann hier am 22. zur Sprechstunde vorbei kommen“, so Vreeburg, der im „normalen“ Leben an der Willem de Kooning Akademie in Rotterdam arbeitet.

Abschlusswochenende verspricht spannend zu werden

Was genau sich am Abschlusswochenende vom 24. bis 26. August in den alten Mauern von Bäckerei, Fleischerei und Kaufhaus zutragen wird, ist so offen, wie die vielen scheibenlosen Fenster. „Sicher ist, dass die Künstler ihre Installationen zeigen und ich zwei Vorlesungen halten werde. Wahrscheinlich um 12 Uhr. Jeweils am Samstag und am Sonntag“, verrät er. Thema: Eine Zeitreise durch die bewegte Vergangenheit der Hillgasse – mit höchst wahrscheinlich so vielen „erhellenden“ Momenten, wie es der einstigen Gasse hin zur ehemaligen Kalkgrube südlich der Stadt gebührt.

Von Maike Steuer

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