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Altenburg Flugplatzchef zeigt Windischleubaer Architekten wegen Falschaussage an
Region Altenburg Flugplatzchef zeigt Windischleubaer Architekten wegen Falschaussage an
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08:24 19.01.2019
Ein Bild aus besseren Tagen: Der Windischleubaer Architekt Jan Godts (r.) sollte bei der Entlassungsklage gegen den ehemaligen Flugplatzchef Jürgen Grahmann aussagen. Das tat er nicht. Quelle: Mario Jahn
Altenburg/Gera

Jan Godts gilt als Retter eines Stücks Kulturgeschichte im Altenburger Land. Sein bisheriges Lebenswerk als Architekt und privater Bauherr wurde im September gekrönt, als er wegen der von ihm sanierten Mühlen in Schelchwitz und Windischleuba mit dem renommierten Denkmalschutzpreis des Landkreises geehrt wurde. In einer Laudatio hatte Landrat Uwe Melzer (CDU) das Wirken von Godts in den höchsten Tönen gepriesen. Er habe ein großes Herz, Mut und ein riesiges Engagement bewiesen, lobte Melzer.

Handelte Flugplatzchef allein?

Doch richtig freuen kann sich Jan Godts darüber nicht. Gegen den Preisträger läuft seit Monaten eine Anzeige wegen uneidlicher Falschaussage. Gestellt wurde sie im Juli 2017 vom Flugplatz-Geschäftsführer Frank Hartmann. Und hinter dem Airport versammelt sich ein guter Teil der poltischen Elite des Altenburger Landes. In der Gesellschaftersammlung saßen zu jener Zeit die Landrätin Michaele Sojka (Linke) und der Nobitzer Bürgermeister Hendrik Läbe (SPD). Dem Aufsichtsrat gehörten unter anderem der damalige Altenburger Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD), sein Windischleubaer Amtskollege Gerd Reinboth (CDU) und CDU-Kreisvize Jürgen Ronneburger an. Wer von all jenen die Anzeige billigte oder Hartmann dazu drängte, ist im Moment nicht geklärt.

Kostenlose Leistungen für Privathaus

Anlass für die Affäre war der juristische Streit um die Entlassung von Hartmanns Vorgänger Jürgen Grahmann als Airportchef, der gegen die Kündigung geklagt hatte. Die Gesellschafterversammlung warf Grahmann vor, dass er den Architekten Godts dazu gedrängt haben soll, kostenlose Leistungen beim Bau seines Privathauses zu erbringen. Falls sich Godts aber weigere, soll Grahmann damit gedroht haben, dass der Architekt auch auf dem Flugplatz keine Leistungen mehr bekommt.

Godts sollte Kronzeuge sein

Als Kronzeuge für diese Behauptungen sollte Godts selbst auftreten, so zumindest versprachen es sich Hartmann und die Airport-Vertreter aus der Politik. Doch daraus wurde nichts. Godts stritt während einer Verhandlung im Mai 2017 als Zeuge ab, dass Grahmann derartige Forderungen an ihn gerichtet oder ihn wegen der Flugplatz-Aufträge unter Druck gesetzt haben soll. „Nein, so etwas gab es nicht“, betonte er. Und während er dies sagte, verdüsterten sich im Gerichtssaal die Gesichtszüge von Hartmann, Wolf und Reinboth. Der wegen der drohenden Peinlichkeit aufgebrachte Flugplatzchef stocherte verzweifelt nach und fragte Godts, wie das denn war mit jenen Steinen, die Grahmann von Godts Hof abgeholt haben soll. Hartmann wollte über den ominösen Materialtransport Kenntnis von Godts selbst erlangt haben. Auch das stritt er ab.

Hartmann war erbost

Nach der Sitzung waren die Beteiligten erbost darüber, dass Godts seine erhoffte Rolle nicht erfüllte. Der Frust entlud sich schließlich in einer Anzeige gegen den Architekten wegen uneidlicher Falschaussage, erstattet von Hartmann im Juli bei der Staatsanwaltschaft Gera, weil Godts bei seinen Aussagen vor Gericht nicht die Wahrheit gesagt haben soll.

Nur einen Monat später einigen sich die Kontrahenten im Entlassungsstreit am Landgericht Gera auf einen Vergleich. Grahmann beendete seinen Arbeitsvertrag. Im Gegenzug zahlt ihm die Flugplatz-Gesellschaft 42 000 Euro. Darüber hinaus verständigten sich Hartmann und sein Rechtsanwalt Henry Wilhelm mit Grahmann und dessen Anwalt Stefan Leubecher darauf, dass alle gegeneinander erhobenen Vorwürfe nicht länger aufrecht erhalten werden. Das steht auch im Vergleichstext von Richterin Susann Beer.

Anzeige nicht zurückgenommen

Doch ganz wurden die Vorwürfe nicht niedergeschlagen. Denn Hartmann hielt seine Anzeige gegen Godts aufrecht. Und mit einer Verurteilung des Architekten wegen uneidlicher Falschaussage würde sich dann im Nachgang erweisen, dass die Vorwürfe gegen Grahmann schließlich doch stimmen.

Hartmann bestätigt gegenüber der OVZ, dass er den Antrag auf Strafverfolgung gestellt hat und das er ihn nach dem Vergleich nicht mehr zurücknehmen konnte, selbst wenn er wollte. Das sei nicht möglich, wenn die Staatsanwaltschaft ein öffentliches Interesse erkenne und den Fall an sich ziehe.

Tatverdacht bestätigt

Mittlerweile läuft das Verfahren gegen Godts auf vollen Touren. Denn die Ermittlungen haben den Verdacht bestätigt, sagte Martin Zschächner, Sprecher der Staatsanwaltschaft Gera, der OVZ. Im Moment werde eine umfangreiche Stellungnahme des Verteidigers geprüft, so dass nicht genau feststehe, wann eine Abschlussentscheidung ergeht. Die Anzeige und eine mögliche Anklage der Staatsanwaltschaft stützen sich vor allem auf die Aussage eines bekannten Altenburger Rechtsanwalts, der die Vorwürfe gegen Hartmann von Godts selbst erfahren haben soll.

Bodenlose Frechheit

Jan Godts ist über die Vorwürfe gegen ihn bestürzt. Er bezeichnet es als eine bodenlose Frechheit, dass er als Zeuge für die Beschuldigungen gegen Grahmann herhalten sollte. Dies spreche allein für die Unfähigkeit der Beteiligten, für eine saubere und rechtlich fundierte Kündigung zu sorgen oder sich mit Grahmann zu einigen, sagte Godts der OVZ. Stattdessen suchten die dafür Verantwortlichen nun jemanden, den sie vor ihren Karren spannen können. „Dafür stehe ich nicht zur Verfügung.“

Von Jens Rosenkranz, Thomas Haegeler und Kay Würker

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