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Altenburg Forschungsexpedition in die Gewölbe der Blauen Flut
Region Altenburg Forschungsexpedition in die Gewölbe der Blauen Flut
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04:18 23.07.2019
Nachdem die Expeditionsteilnehmer am Gewölbe der Blauen Flut unterhalb der Frauenfelsschule begrüßt wurden, werden Laborkittel und Schutzbrillen verteilt. Quelle: Andy Drabek
Altenburg

„Ich bin mal reingefallen in die Blaue Flut als Kind. Es roch nicht wirklich gut“, bemerkt eine Teilnehmerin der Zeitstrudel-Expedition am vergangenen Freitagabend. Die Bauhaus-Universität Weimar bietet im Zuge ihrer Ausstellung „In einem Land nach unserer Zeit“ die Gelegenheit, die Blaue Flut und ihre Gewölbe zu erkunden. 15 unerschrockene Expeditionsteilnehmer machen sich auf den Weg zur Blauen Flut am Fuße der Frauenfelsschule.

Die Leiter des Unterfangens sind zwei Weimarer Studenten der Siedlungs- und Wasserwirtschaft. Sie nennen sich „Zeitreiseforscher Dr. Amsel und Dr. Kranich vom Vergangenheitsforschungsdezernat“. Während sich in den Ausstellungsräumen in der alten Apotheke am Markt am Wochenende alles um Visionen für die Gesellschaft von Morgen dreht, werfen die Forscher am Bach einen Blick zurück aus der Zukunft auf unsere Gegenwart. Sie sind Zeitreisende aus dem Jahr 3000 und wollen klarmachen, was passiert, wenn weiterhin auf gewohnte Art und Weise die Flüsse verseucht werden.

Angemessene Forschungsklamotten für alle Teilnehmer

„Liebe Kollegen!“, eröffnet „Dr. Kranich“ die große Forschungsreise, „was Sie hier sehen, existiert nicht mehr in der Zeit, aus der wir kommen. Die Menschen leben in Raumstationen. Es gibt keine Natur mehr. Am Biotop Fluss wollen wir heute gemeinsam erkunden, wie es so weit kommen konnte.“ Und er ergänzt: „Sie bekommen natürlich angemessene Forschungsklamotten.“

Fast jeder Teilnehmer wird mit einem Laborkittel ausgestattet. „Wir hatten nicht mit solch reger Beteiligung gerechnet“, bemerkt Frau „Dr. Amsel“ erfreut und nötigt allen Anwesenden blaue Laborhandschuhe auf. Es werden Klemmbretter ausgegeben und Nachwuchsforscher Emilio – einer von drei Jungs, die eifrig Wasserproben entnehmen und Forschungsprotokolle ausfüllen – verteilt Schutzbrillen. „Behalten Sie die Schutzbrillen bitte auf. Wer weiß, was heute noch passiert.“ Und „Dr. Kranich“ mahnt: „Es ist kein Tourismus, den wir hier betreiben.“

Zwei Arbeitsgruppen für Wasser- und Pflanzenwelt

Und so werden alle in zwei Arbeitsgruppen aufgeteilt. Es gilt, die Wasser- und Pflanzenwelt der Blauen Flut und ihrer Ufer zu katalogisieren. Geruch und Farbe werden kritisch geprüft. Die Frage der Expeditionsleiter: „Riecht das wie Leitungswasser?“ wird verneint. Der Bach riecht muffig. Mittels Messsonde wird die Leitfähigkeit ermittelt. „Ich hab was mit Tieren drin“, freut sich Emilio beim Blick auf die Mückenlarven in seiner Wasserprobe. Er tackert das Tütchen ans wissenschaftliche Protokoll.

„Meine Pflanzenprobe ist weg. Ich finde die hier nirgendwo wieder“, bemerkt ein Student aus der Arbeitsgruppe Pflanzenwelt, die vegetative Proben als Archivierungsobjekte eintütet. „Vielleicht haben Sie das letzte Exemplar gepflückt?“, meint „Dr. Amsel“ ernst.

Polaroid-Fotos für die Ausstellung am Markt

Am kanalisierten Bachbett zieht die Forschungsgruppe weiter. Um ihr Anliegen zu verdeutlichen, reichen die Initiatoren der Expedition Glaskolben mit Schweinegülle und Abwasser herum. Jeder wird aufgefordert zu schnuppern. Es sind echte Bestandteile unserer Flüsse. „Wieviel Müll produziert ein Altenburger im Jahr?“, müssen die Teilnehmer schätzen. Es sind 409 Kilogramm Abfall und 47 Kilogramm Biomüll – und ein großer Verrat an der Natur, sind sich die Zeitstrudel-Initiatoren einig.

Hinzu kommt die Verseuchung durch Plastemüll. Emilio stellt nach einem Blick in die Blaue Flut fest: „Das ist die blödeste Umweltverschmutzung, die es gibt: Batterien in den Fluss zu schmeißen.“ Später fertigen die Exkursionsteilnehmer Polaroidfotos von Motiven an, die in die Ausstellung im Markt 23 mit einfließen: „Was möchten Sie uns als Bild in die Zukunft mitgeben?“

Expedition führt zum Schluss in den Untergrund

Kurz darauf führt die Forschungsreise in den Untergrund: „Bitte bleiben Sie zusammen.“ Frau „Dr. Amsel“ verteilt Taschenlampen. „Es ist gut, dass es hier dunkel ist – da sieht man die ganzen Spinnen nicht“, meint jemand trocken. Die Teilnehmer folgen gebückt dem steinernen Bett der Blauen Flut, das jetzt unter der Straße entlang führt. Abwasserrohre ragen links und rechts aus Mauern. Reste von Feuchtigkeitstüchern hängen in Pflanzen und zeugen vom achtlosen Umgang des Menschen mit dem Bach.

Als der Ausflug seinen eigentlichen Zielpunkt erreicht, lockt vorn neues unbekanntes Terrain. Ein Teil der Gruppe nimmt die seltene Gelegenheit wahr und wandert weiter. Inzwischen ist es stockfinster im Tunnel und ein beeindruckendes Gewölbe aus Ziegelstein spannt sich hoch über den Forschern. Sie haben den geschichtlich älteren Teil des unterirdischen Bachbettes erreicht. Irgendwann fällt endlich wieder Sonnenlicht in den Untergrund und unterhalb des Residenzschlosses gelingt es den Expeditionsteilnehmern, an die Oberfläche zurückzukehren.

Die Reise entlang der Blauen Flut hat Altenburger für das Thema Umwelt auf eine intelligente, unterhaltsame Weise sensibilisiert. Das schafft kein Fachvortrag.

Von Dana Weber

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