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Altenburg Freispruch in Altenburger Vergewaltigungsprozess
Region Altenburg Freispruch in Altenburger Vergewaltigungsprozess
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04:05 19.12.2017
Wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung musste sich ein 59-Jähriger vor dem Amtsgericht Altenburg verantworten.
Wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung musste sich ein 59-Jähriger vor dem Amtsgericht Altenburg verantworten. Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

Hat sich ein 59-Jähriger aus einem Dorf im Altenburger Land an seiner Ehefrau vergangen? Diese Frage hatte die Strafkammer des Amtsgerichts Altenburg zu klären. Eine klare Antwort blieb letztlich aus – aus Mangel an Beweisen wurde der Mann freigesprochen.

Lutz G. war vorgeworfen worden, im September 2016 seine Frau Hung während eines gemeinsamen Österreich-Aufenthaltes vergewaltigt zu haben. Ebenso soll der selbstständige Ingenieur und Betriebswirt seinen Stiefsohn während der gemeinsamen Weihnachtsfeier am 25. Dezember 2016 geschlagen haben. In dem Prozess wurde deswegen ebenfalls wegen Körperverletzung verhandelt.

Ursprünglich haben sich die Eheleute im Herbst 2015 über ein christliches Online-Dating-Portal kennengelernt. Die Frau, eine 50-jährige Chinesin, war zuvor als Krankenschwester nach Duisburg gekommen, arbeitete dort später als Sachbearbeiterin. Zu Beginn des Jahrzehnts habe sie sich taufen lassen und sei zum evangelischen Christentum konvertiert. Für den religiösen Mann sei klar gewesen, dass sie nur zusammenleben können, wenn sie heiraten. Dies geschah im Juni 2016.

Zwei Monate später – die beiden waren für einen längeren Arbeitsaufenthalt des Mannes in Tirol – soll es zu Streitigkeiten gekommen sein. G. gab vor Gericht zu, dass die Beziehung angespannt war, bestritt aber, jemals seine Frau angegriffen zu haben. Frau G. wiederum berichtete, sie habe aufgrund der Eheprobleme eine Beratungsstelle des Bezirkskrankenhauses im österreichischen Kufstein aufgesucht. Die dortige Eheberaterin habe die Gattin laut deren Aussage darüber aufgeklärt, dass nicht einvernehmlicher Geschlechtsverkehr bereits eine sexuelle Nötigung und damit eine Vergewaltigung ist. Auch in der Ehe. Trotzdem habe Frau G. zunächst versucht, über das Gespräch mit ihrem Mann die Beziehung wieder zu kitten. Das habe ein paar Wochen funktioniert, bis sich das Verhältnis wieder abgekühlt habe.

In die Brüche gegangen ist die Ehe letztlich am 25. Dezember vorigen Jahres. Damals eskalierte ein Streit zwischen Lutz G. und seinem Stiefsohn über dessen Mobiltelefonnutzung. Es kam zu Handgreiflichkeiten. Die von G.s Stieftochter gerufene Polizei habe bei der Befragung der Mutter zum ersten Mal auch die Aussage aufgenommen, dass sie von ihrem Ehemann vergewaltigt worden sei. Weil Mutter, Sohn und Tochter noch am selben Abend in die Wohnung der Tochter nach Ulm abreisten, erfolgte eine ausführliche Befragung der Betroffenen erst Wochen später durch die Polizei in Ulm.

Zurück im Altenburger Land, war der Frau die Befragung durch das Gericht merklich peinlich. Einerseits gab es Verständigungsprobleme, obwohl sie passables Deutsch sprach. Vor allem aber schämte sie sich, allzu viele Details aus dem Sexualleben mit ihrem Mann zu offenbaren. Ihre ebenfalls als Zeugin befragte Tochter gab später eine Erklärung dafür ab: „In unserem Kulturkreis ist es üblich, dass solche Themen Privatsache bleiben und nicht öffentlich besprochen werden.“ Die Eheberaterin, die möglicherweise Aufschluss über den Übergriff hätte geben können, blieb dem Verfahren fern.

Weil der Staatsanwalt oft den Ausführungen des Verteidigers folgte und mangels Nachfragen nicht den Eindruck erweckte, seine Anklageschrift erfolgreich umsetzen zu wollen, blieb die Rolle des kritischen Nachfragers fast ausschließlich bei Richter Alexander Reichenbach. „Ich glaube nicht, dass sie alle Gesetze des Staates einhalten“, sagte Reichenbach, an Lutz G. gewandt, in seiner Urteilsbegründung. Das Gericht habe erhebliche Zweifel daran, dass G. in der Ehe nie Gewalt gegen seine Frau ausgeübt habe. Dennoch konnte der Vorwurf der Vergewaltigung nicht zweifelsfrei geklärt werden. Die Handgreiflichkeiten zur Weihnachtsfeier wurden ohnehin als Lappalien eingestuft und fallengelassen. Das Amtsgericht entschied im Zweifel für Lutz G. – und sprach ihn frei.

Von Edgar Lopez

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