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Altenburg Frohnsdorf wird nun doch ein Ortsteil von Nobitz
Region Altenburg Frohnsdorf wird nun doch ein Ortsteil von Nobitz
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09:11 02.06.2018
Volles Haus zur Gemeinderatssitzung in Frohnsdorf bei der Entscheidung für oder gegen eine Fusion mit Nobitz Quelle: Jörg Reuter
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Frohnsdorf

Demokratie kann anstrengend sein. Das war am Donnerstagabend dem Frohnsdorfer Bürgermeister Michael Wagner (CDU) anzusehen. Fast drei Stunden diskutierten er und der Gemeinderat mit den Einwohnern über das Für und Wider einer Fusion mit Nobitz. Nach einer Unterschriftenaktion gegen die Eingemeindung samt Aufgabe der Eigenständigkeit von Frohnsdorf (die OVZ berichtete) sollte der Gemeinderat den bereits im Vorjahr beschlossenen Zusammenschluss nun erneut bestätigen oder ablehnen.

Letztlich votierte die Ratsversammlung einstimmig für den Gang nach Nobitz. Damit ist nun der Weg frei für die Erweiterung von Nobitz ins Wieratal. Für die Gruppe der Fusionsgegner war das natürlich kein Grund zur Freude. Mit hängenden Köpfen und enttäuscht gingen sie nach Hause. Davor hatte jene Gruppe, die sich in ihrer Ablehnung einig war, hart gekämpft, um die Gemeinderatsmitglieder auf ihre Seite zu ziehen.

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Wie Wagner gegenüber der OVZ dann noch mal erklärte, hätten ihn schlicht die angeführten Argumente nicht überzeugt. Ähnlich empfanden es aber auch die Fusionsgegner. Die sich unter anderem daran störten, dass das schuldenfreie Frohnsdorf zum mit 1,2 Millionen Euro verschuldeten Nobitz geht. Das Argument des ebenfalls anwesenden Nobitzer Bürgermeisters Hendrik Läbe (SPD), dass den Verbindlichkeiten auf der einen Seite auf der anderen rund 2,5 Millionen Euro Rücklagenvermögen gegenüberstehen, überzeugen nicht jeden. Für die Skeptiker blieb die Rechnung einfach: Aus der jetzt Null-Euro-Pro-Kopf-Verschuldung als Frohnsdorfer wird eine 180-Euro-Pro-Kopf-Verschuldung als Nobitzer.

Auch der Verweis von Wagner, dass die Schuldenfreiheit nur mit einem Investitionsstau erkauft sei, so ist etwa die gesamte Ausrüstung der Feuerwehr überaltert und verschlissen, weshalb die Kameraden schlecht geschützt sind, kam nicht bei allen an. Es gehe immer nur ums Geld, interessanter sei, welche Vorteile der Bürger aus einer Fusion ziehe, wurde stattdessen gefragt. Zum Beispiel neben einer vernünftig ausgerüsteten Feuerwehr ein funktionierender Bauhof – Frohnsdorf werden entsprechend der Einwohnerzahl 0,1 Stellen finanziert. „Wie soll das gehen?“, fragte Wagner, für den eine Fusion der 250-Seelen-Gemeinde seit wenigstens zehn Jahren überfällig ist. Zig andere Details wurden angesprochen – angefangen beim Verwaltungssitz bis hin zu den notwendigen Adressaktualisierungen.

Ihm sei zwar klar gewesen, bilanziert Wagner, dass nicht jeder überzeugt werden konnte. Jedoch empfand er, dass am Ende der Diskussion eine Mehrheit der rund 50 Anwesenden die Fusion mit Nobitz für vernünftige hält, was dem Gemeinderat die Entscheidung erleichtert habe.

Von Jörg Reuter