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Altenburg Fürstengruft: Herzogliche Gebeine kommen auf Altenburger Friedhof nicht zur Ruhe
Region Altenburg Fürstengruft: Herzogliche Gebeine kommen auf Altenburger Friedhof nicht zur Ruhe
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05:06 27.07.2019
Beim Anblick der immer weiter verfallenden Fürstengruft auf dem Altenburger Friedhof wird es Uwe Gillmeister schwer ums Herz. Zumal der Historiker seine Arbeit für eine würdige Bestattung der herzoglichen Gebeine nicht gewürdigt, ja sogar behindert sieht. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

Das Schicksal des Altenburger Adels liegt Uwe Gillmeister am Herzen. Seit Jahren forscht der Historiker dazu und kämpft für einen würdevollen Umgang mit den sterblichen Überresten derer von Sachsen-Altenburg. Sein Ziel: Den Ruf der Ex-Residenzstadt retten und die geschichtsträchtigen Orte erhalten und erlebbar machen. Schließlich hat Altenburg dem Adelsgeschlecht viel zu verdanken, allem voran Unmengen herrschaftlicher Bauten, sagt der 59-Jährige.

Historiker überzeugt Ex-OB mit skandalösen Geschichten

Im Grab der Familien von Lindenau und Ranninger wurden die Gebeine aus der Fürstengruft verscharrt. Quelle: Mario Jahn

Mit seinen Recherchen fördert Gillmeister regelmäßig Erstaunliches zu Tage. Zuletzt den Skandal um die herzoglichen Gebeine, bei dem der frühere Direktor des Altenburger Friedhofs im Januar 1974 die dortige Fürstengruft geöffnet, die Gebeine aus den metallenen Särgen entnommen und Letztere an den DDR-Rohstoffverwerter Sero verkauft haben soll. Die sterblichen Überreste packte er in eine Holzkiste und verstaute sie im Grab der Familien von Lindenau und Ranninger, wo sie bei einer Bereinigung 20 Jahre später – wahrscheinlich von einem Tier verstreut – gefunden wurden.

Mit derlei Geschichten überzeugte Gillmeister gar den skeptischen Ex-Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD), der nach einigem Hin und Her im Oktober 2017 verkündete, die Fürstengruft mit den anderen herzoglichen Grabstätten in Altenburg (Schlosskirche, Herzogin-Agnes-Gedächtnis-Kirche) und in Trockenborn-Wolfersdorf im Saale-Holzland-Kreis touristisch vermarkten zu wollen.

Uwe Gillmeister wirft Stadt Untätigkeit vor

Und genau hier setzt Gillmeisters Kritik an. „Nach dieser Einigung hat sich nichts getan“, beklagt der Historiker. Stattdessen behindere die Stadt eine würdevolle Beisetzung der herzoglichen Überreste und die Sanierung der Fürstengruft. Das schließt er aus widersprüchlichen Auskünften und immer neuen Hürden. So soll Denkmalschützer Jürgen Fröhlich schon bei dem Gespräch mit Wolf sein Desinteresse verdeutlich haben, indem er mit einer Abrissgenehmigung für die Fürstengruft herumgewedelt habe, erklärt Gillmeister.

Das Grab der Familie Goldmann soll zur Ersatzgrabstätte der herzoglichen Gebeine auf dem Altenburger Friedhof werden. Quelle: Mario Jahn

Auch versuche OB André Neumann (CDU) ihm offenbar die Schuld für den Stillstand in die Schuhe zu schieben, als er auf Nachfrage im Stadtrat sagte, dass Gillmeister seine Zusage für die anteilige Übernahme der Kosten für eine anthropologische Untersuchung zurückgezogen habe, so der Historiker. Diese gilt als zwingende Voraussetzung, um bei der Umbettung weiter zu kommen. Denn bislang ist wissenschaftlich nicht erwiesen, dass die gefundenen Gebeine tatsächlich die der Fürstenfamilie sind.

OB Neumann widerspricht und verweist auf Mailverkehr

„In Deutschland sind für so einen Fall keine anthropologischen Untersuchungen vorgeschrieben“, berichtet Gillmeister aus eigenen Recherchen. Denn dadurch ließen sich nur Geschlecht, Alter und Lebensgewohnheiten der jeweiligen Personen bestimmen. Daher plädiert er für eine DNA-Analyse. Weil das Geld dann wiederum dafür fehle, habe er seine Zusage zurückgezogen. Auch moniert der Historiker, dass er diese und andere Dinge in einer Mail an Neumann Ende 2018 klargestellt habe. „Bis heute habe ich darauf aber keine Reaktion.“

Dem widerspricht der OB. Zwei Tage nach der Mail habe er Gillmeister geantwortet und ihm ein Gespräch angeboten, sagt Neumann und belegt das mit dem Ausdruck einer Mail. Die hat Gillmeister jedoch nach eigener Aussage „nicht erreicht“. Auch habe er über den Historiker nichts Falsches gesagt, sondern nur Tatsachen vorgelesen, erklärt Neumann und weist das mit umfangreichem Mailverkehr zwischen Stadt und Gillmeister nach. Gleiches gelte für die Untätigkeit. „Es gab ja das Gesprächsangebot, auf das bis heute keine Reaktion kam.“

Abrissgenehmigung für Fürstengruft auf Friedhof

So sieht es in der zugemauerten Gruft von Herzog Ernst I. von Sachsen-Altenburg aus. Das Bild entstand bei einer Öffnung in den 1990er Jahren. Quelle: Bernd Drischmann

Darüber hinaus bestreitet Denkmalschützer Fröhlich, mit einer Abrissgenehmigung gedroht zu haben. Er habe nur auf Dokumente aus dem Jahr 1964 verwiesen, wonach der Gemeindekirchenrat beim Landesamt für Denkmalpflege (IfD) wegen baulicher Mängel und fehlenden Geldes, diese zu beheben, sowie einer fehlenden Verwendung für die denkmalgeschützte Fürstengruft deren Abriss beantragt hatte. Und: Der vom damaligen Kreisdenkmalpfleger unterstützte Antrag wurde vom IfD in Dresden mündlich nach einem Vor-Ort-Termin genehmigt, worüber es einen schriftlichen Vermerk gibt. Zuvor war bereits aus einem Schreiben des Rats des Kreises hervorgegangen, dass „verschiedene Maßnahmen des Abbruchs in die Wege geleitet wurden“.

Insgesamt habe sich am Standpunkt von Oktober 2017 nichts geändert, so Neumann. „Aber es braucht eine DNA-Analyse, um sicher zu sein.“ Dann könne man das weitere Verfahren besprechen. „Wegen der mannigfaltigen Aufgaben der Gegenwart sind wir in Bezug auf das Vergangene aber auf Unterstützung angewiesen.“ Sofern der Nachweis erbracht und eine Genehmigung vorhanden sei, stehe er „einer würdigen Bestattung aufgeschlossen gegenüber“ – speziell im Grab der Familie Goldmann, was als Interim bereits auserkoren ist. Auch würde er sich freuen, wenn „ein engagierter Altenburger wie Uwe Gillmeister künftig“ ein persönliches Gespräch suchen würde. „Der Sache ist es nicht zuträglich, öffentlich Vorwürfe zu erheben, die nachweislich haltlos sind.“

Spendengelder für würdige Bestattung da

Das hört Gillmeister wohl, bleibt aber skeptisch. Schließlich sei ein DNA-Nachweis sehr teuer, sagt er. Selbst mit einer Doktorarbeit an der Berliner Charité fielen pro Person 1000 Euro an. „Und es geht um 15 Personen plus eine Vergleichsprobe.“ Um Letztere hat er sich schon bemüht. Aber in Trockenborn (Saale-Holz-Landkreis), wo Herzog Ernst II. begraben ist, zucke sich niemand. Und an die Gebeine von Herzog Ernst I. heranzukommen, sei schwierig. Denn der liege in einer zugemauerten Gruft in der Agnes-Kirche. „Eine Öffnung würde die Kosten über 20 000 Euro treiben“, so der Historiker. Zumal die Kirche dem nur bei öffentlichem Interesse zustimmen würde. „Aber das ist nicht da.“

Allerdings hat Gillmeister bereits einiges an Spenden gesammelt. 2000 Euro vom Schlossverein, in dem er Mitglied ist. Plus 1500 Euro von Herzog Franz von Bayern, einem Nachfahren des Adelsgeschlechts von Sachsen-Altenburg, für die Bestattung. Weitere Zusagen gibt es, so dass der 59-Jährige von 5500 Euro zum Jahresende ausgeht: „Damit könnte man ein Grab vernünftig herrichten.“ Eine Fortsetzung folgt also. Schließlich ist Altenburgs Adel für Gillmeister eine Herzensangelegenheit.

Von Thomas Haegeler

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