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Altenburg Furiose Eröffnungsgala macht Lust aufs Altenburger Theaterzelt
Region Altenburg Furiose Eröffnungsgala macht Lust aufs Altenburger Theaterzelt
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19:16 02.09.2019
Gruppenfoto zur Eröffnung: Auch ein Ausschnitt aus der Operette „Der Wildschütz“ wurde geboten – und überzeugte mit in gelungenem Maße flotter und angemessen frecher Inszenierung. Quelle: Foto: Ronny Ristok
Altenburg

Am Ende konnte sich der Himmel dann doch nicht mehr zurückhalten: Knapp 15 Minuten standen noch auf der Uhr, bevor sich am Sonntag zum ersten Mal der Vorhang im neuen Altenburger Theaterzelt öffnete, als ein kräftiger Regenguss überm Festplatz niederging. Gut, dass sich da das Gros der Besucher bereits im Foyerbereich der Interimsspielstätte tummelte. Und pünktlich zum Beginn war sie dann auch wieder vorbei, die lautstarke „Taufe“, wie Kay Kuntze das Ereignis schmunzelnd einordnete.

Ein Clown eröffnet den Reigen

Der Laune der zahlreich erschienenen Zuschauer tat der Wolkenbruch indes keinen Abbruch. Stattdessen: staunende Blicke überall. Denn was das Team um den Technischen Direktor René Prautsch in den vergangenen Wochen im Wortsinne auf dem Areal aus dem Boden gestampft hatte, konnte sich sehen lassen. Wer nicht aufpasste, der vergaß schnell, dass über dem Zuschauerraum eine Zeltplane statt des gewohnten Kronleuchters wartete.

Dabei war man gut beraten, den Blick nicht all zu oft vom Bühnengeschehen abzuwenden, lief man doch sonst Gefahr, so manches Schmankerl zu verpassen. Und davon gab es im Laufe des gut zweieinhalbstündigen Programms jede Menge zu entdecken – etwa den Auszug aus „Clowns“ bei dem Darsteller Johannes Emmrich mit seinem flapsig-sympathischen Auftritt die Zuschauer zum Auftakt vom Theater- ins Zirkuszelt entführte.

Zirkusfeeling zum Auftakt: Johannes Emmrich mit einem Auszug aus „Clowns“. Quelle: Mario Jahn

Ungewohnte Umgebung, gewohnte Qualität

Man habe sich bemüht, auch in der ungewohnten Umgebung die gewohnte Qualität zu bieten, stellte Schauspieldirektor Manuel Kressin, der wie üblich gemeinsam mit Generalintendant Kuntze charmant durch den Abend führte, gleich zu Beginn klar. Ein Anspruch, dem man in den folgenden Stunden mehr als gerecht wurde, entfaltete sich doch vor den Augen der Besucher die gesamte Bandbreite, die Thüringens einziges Fünf-Sparten-Haus zu bieten hat – und bei dem man souverän die Balance zwischen ernstem und heiterem Stoff hält.

Ganz vorne mit dabei sind auch in der aktuellen Spielzeit die musikalischen Produktionen, die neben bekannten Akteuren wieder so manch frisches Gesicht zu bieten haben. Während der Applaus für Isaac Lees Lenski aus Peter Tschaikowskis „Eugen Onegin“ zwar kräftig, aber noch etwas verhalten ausfiel, wurde Eva Maria Wurlitzers Bühnenpräsenz als Ulrica in Verdis „Maskenball“ mit dem ein oder anderen „Bravo“ gewürdigt.

Neues Gesicht: Isaac Lee gibt in Tschaikowskis „Eugen Onegin“ den Lenski. Quelle: Mario Jahn

Mit Palmwedel die Sau rauslassen

Gänzlich anders gelagert, aber nicht weniger unterhaltsam dagegen die beiden Operettenproduktionen „Der Wildschütz“ und „Der Vetter aus Dingsda“, bei denen die Beteiligten mit sichtlichem Spaß einmal die sprichwörtliche Sau von der Leine lassen. Besonders letztere Kostprobe hatte mit Kai Wefers köstlich exaltiertem Ausdruckstanz mit Palmwedel die Lacher auf ihrer Seite. Gänzlich den Vogel schoß allerdings zur Halbzeit Thomas Wicklein ab. Von Kay Kuntze per Fernbedienung fremdgesteuert, ließ der Kapellmeister sein Orchester mal mit halber, mal mit doppelter Geschwindigkeit, mal vor- und mal rückwärts spielen, sackte zwischenzeitlich – der Sleep-Taste sei Dank – am Pult zusammen, nur um im nächsten Moment wie ein Derwisch über die Bühne zu hetzen und um sein Leben zu dirigieren.

Ferngesteuerter Kapellmeister: Kay Kuntze (vorn) hatte Thomas Wicklein (hinten) im Griff. Quelle: Ronny Ristok

Wuchtiger Ausblick auf Margot Honecker

Die Ruhepunkte zwischen all dem überbordenden Geschehen waren hingegen dem Schauspiel vorbehalten, dass sich auch zur neuen Saison so manch dezidiert politische Inszenierung im Repertoire bereit hält. Während die rumänische Auftragsproduktion „Der Religionslehrer“ in einer kurzen Szene mit Nolundi Tschudi und Neuzugang Rebecca Halm das Thema des sexuellen Übergriffs in den Fokus nahm, verspricht Theresia Walsers Komödie „Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel“ bissige Satire mit lautem Lachen zu vereinen. Mechthild Scrobanitas wuchtiger Ausblick auf ihre Margot Honecker lässt bereits Großes erahnen.

Bedrückende Parallelen

Hochaktuell sei außerdem auch über fünfzig Jahre nach der Uraufführung Harold Princes Musical „Cabaret“ – vorgestellt mit einer knisternden Darbietung von „Mein Herr“ durch Nolundi Tschudi und das Thüringer Staatsballett –, dessen Einblick ins Berlin am Vorabend der Machtergreifung der Nationalsozialisten teils bedrückende Parallelen zur heutigen politischen Landschaft offenbart, so Manuel Kressin. Als Gegenpol für die bei aller Leichtigkeit auch schwere Kost fungiert da Silvana Schröders Ballett „Forever Lennon“, dass sich tänzerisch solch universellen Themen wie Liebe, Freundschaft und Freiheit widmet.

Kai Wefer gab „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“ zum Besten. Quelle: Ronny Ristok

Pfeifendes und tanzendes Finale

Wer angesichts des durchaus harten Tobaks, der bei manchen Ausschnitten mitschwang, indes fürchtete, den Abend auf einer wenig beschwingten Note zu beenden, sah sich getäuscht. Mit einem grandios von Kai Wefer dargebotenen „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“ aus der Revue „Kriminal-Tango“, sowie gleich zwei herrlich skurrilen Nummern des Monty-Python-Musicals „Spamalot“ – inklusive eines wunderbar überdrehten Manuel Struffolino – bog man mit Vollgas auf die Zielgerade ein, bevor zum großen Finale ein gemeinsam mit dem Publikum geschmettertes „Always Look On The Bright Side Of Life“ begeistert beklatscht wurde.

Nicht wenige Besucher zogen da schließlich mit einem fröhlichen Pfeifen auf den Lippen in die Nacht hinaus. Das Theaterzelt in Altenburg ist eröffnet – und es macht gehörig Lust auf mehr.

Von Bastian Fischer

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