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Altenburg „Gerüchteköche“ lassen im Quellenhof absolut nichts anbrennen
Region Altenburg „Gerüchteköche“ lassen im Quellenhof absolut nichts anbrennen
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16:13 30.07.2019
Norbert Schultz, Markus Tanger und Thomas Puppe (v.l.) sind „Die Gerüchteköche“ und tischen nicht nur Fake-News-Salat auf.  Quelle: Foto: Ellen Paul
Garbisdorf

„Hier bedient der Chef noch selbst.“ Zugegeben, das ist nicht unbedingt die pfiffigste Werbe-Idee. Passiert so selten ja nicht im deutschen Gaststättengewerbe. Im konkreten Fall allerdings wäre es nach wie vor ein werbewirksamer Slogan. Denn der junge Mann, der da wieselflink durch die Reihen huscht, Bestellungen aufnimmt, serviert und kassiert, ist weder der Restaurant- noch der Küchenchef, sondern der Leiter des Kabaretts, das wenig später gleichsam engagiert Witz und Satire auftischen will: Markus Tanger von den Gößnitzer Nörgelsäcken.

Tipps von Gurken-Gisela und Melonen-Melanie

So geschehen einmal mehr an den vergangenen zwei Wochenenden im beschaulichen Garbisdorf, wohin die Nörgelsäcke alljährlich im Sommer an insgesamt sechs Abenden die große weite Welt holen. Denn es gehört zum Geschäftsmodell des Ensembles, dass seine Mitglieder unterstützt von fleißigen Helfern höchstselbst für Speis‘ und Trank sorgen.

Bloß gut, dass sich die Gäste auf der Wiese hinter dem Kulturgut „Quellenhof“ Roster, Steak, Kartoffelsalat oder Eis schon haben munden lassen, bevor das Programm beginnt. Denn gleich die erste Nummer ist dazu angetan, ihnen gehörig den Appetit zu verderben. Haben die Kabarettisten doch den Diäten-Wahn als Thema an den Beginn gesetzt. Nach dem Motto „Ich soll meine Ernährung umstellen, aber wohin?“ gibt es Tipps von Gurken-Gisela, Radieschen-Ramona oder Melonen-Melanie. Aber es kommt noch dicker. Denn gleich darauf geht es um die Zutatenliste eines so profanen Gerichts wie Bockwurst mit Kartoffelsalat und Senf. In diesem Kabinettstück können die beiden Protagonisten des Abends, Markus Tanger und Thomas Puppe, gleich zum Einstieg mal richtig „die Sau rauslassen“.

Wenn es um Fake News geht, darf Donald Trump (Puppe mit spektakulärem Mopp auf dem Kopf) in einem Sketch nicht fehlen. Quelle: Ellen Paul

„Gerüchteköche“ würzen Programm mit verschiedensten Zutaten

Und Tanger und Puppe tischen weiter kräftig auf, fürderhin jedoch weniger Lukullisches. Gemeinsam mit Norbert Schultz am E-Piano präsentieren sie vielmehr einen Fake-News-Salat und die Gerüchte des Tages, denn sie sind „Die Gerüchteköche“. Allerdings wurde das Programm gegenüber seiner Premiere im März vergangenen Jahres deutlich verändert – der aktuellen Politik und des krankheitsbedingten Ausfalls von Micha Kreft wegen. So waren die beiden ersten Nummern eine Anleihe aus dem Programm „Irgendwas schmeckt immer“. Und die herrliche satirische Reportage vom Rennen um den „Großen Preis von Deutschland“ auf der Bundesstraße zwischen Elend und Sorge mit seinem Ausstoß an „Schwafeldioxid“ bei zahlreichen schwarzen, roten, grünen, gelben und blauen Gefährten sowie einer nach eigenem „Naiv-Gationssystem“ fahrenden Merkel gehört ursprünglich zu „Rad ab, oder was?“.

Gelungene Balance zwischen Komik und Kabarett

Doch im Grunde ist es egal, unter welcher Überschrift das Programm steht, wenn alles harmoniert und vor allem das Publikum anspricht. Und das hat es in Garbisdorf zweifellos. Zwei glänzend aufgelegte Kabarettisten sorgen mehr als einmal für Lacher am Stück, ohne dabei zu sehr auf das bloße Amüsement zu schielen. Erneut gelingt den Nörgelsäcken die Balance zwischen Komödiantischem auf der einen und anspruchsvollem politischen Kabarett auf der anderen Seite. Für Ersteres steht unter anderem der hinreißende Sketch zwischen einem Opa (Puppe), der mit seinem Enkel (Tanger) über den Kauf eines neuen Fernsehapparates spricht. Viereckig soll er sein, das habe sich bewährt, so der Opa, und natürlich farbig. Ach, und Pickel (Pixel) brauche er partout nicht. Herrlich.

Das Kabarett mitten im Grünen – seit elf Jahren gastieren die Nörgelsäcke im Sommer in Garbisdorf. Quelle: Ellen Paul

Pointen aus dem Landwirtschaftsministerium

Zu Zweitem zählt zweifelsohne das Solo eines brillanten Thomas Puppe mit Reflexionen über die aktuelle deutsche Politik und deren Protagonisten. Ein Beispiel gefällig? Die Bundeslandwirtschaftsministerin habe im Vorjahr nach der Hitze-Dürre-Periode allen Ernstes erklärt, man lasse die Bauern selbstverständlich nicht im Regen stehen. „Ich würde mich freuen, wenn mir solche Pointen einfielen“, so Puppe sarkastisch. Eine der bemerkenswertesten Nummern der Nörgelsäcke in jüngster Zeit. Hochachtung.

Kabarettisten bleiben vom Regen verschont

Die in Summe rund 600 Zuschauer dankten all das allabendlich mit langem und herzlichem Applaus. Für die Indoor-Variante im Fall von miesem Wetter waren alle sechs Veranstaltungen bereits im Vorfeld ausverkauft. Doch die neuerliche Hitzeperiode spielte den Nörgelsäcken gleich doppelt in die Karten: Sie liefert neuen Programm-Stoff und sorgte zugleich am Quellenhof für eine wunderbare Sommernachts-Kulisse sowie so manch spontanen Gast. „Nur am ersten Sonnabend mussten wir uns nach Vorstellungsende mit dem Kassieren beeilen, bevor das Gewitter begann“, erzählt Kabarett-Chef Markus Tanger. Und: „Wir sind wieder sehr zufrieden.“ Auf ein Neues also 2020.

Wer nicht bis zum nächsten Sommer auf die Nörgelsäcke verzichten möchte, der kann sie schon bald wieder in Gößnitz erleben. Am 28. September beginnt die Herbst-Saison mit „Klassentreffen“. Bis Ende Oktober sind sie zudem in ihrer sommerlichen Dependance in Baabe auf Rügen sowie auf Gastspielen zu sehen.

Von Ellen Paul

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