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Altenburg Geschäftsführer: Wenn Aufträge wegbrechen, muss man die Kosten anpassen
Region Altenburg Geschäftsführer: Wenn Aufträge wegbrechen, muss man die Kosten anpassen
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19:21 09.10.2019
Geschäftsführung Dr. Benno Hank (r.), und Stefan Mettler, in der Geschäftsleitung zuständig für Märkte und Technik, vor dem Verwaltungsgebäude der Guss Meuselwitz. Quelle: Mario Jahn
Meuselwitz

Das Traditionsunternehmen Guss Meuselwitz musste wegen wegbrechender Aufträge eine schmerzhafte Umstrukturierung vornehmen und geriet auch wegen anderer Probleme in die Schlagzeilen. Die OVZ sprach darüber mit Geschäftsführer Dr. Benno Hank und Stefan Mettler, der als Mitglied der Geschäftsleitung für Märkte und Technik zuständig ist.

Vor einem Jahr standen 100 Jobs in der Guss auf der Kippe, wie viele Leute mussten tatsächlich entlassen werden?

Benno Hank: Letzten Endes mussten acht entlassen werden. Neun Mitarbeiter haben im Rahmen eines Freiwilligenprogramms die Firma verlassen und zum Beispiel Abfindungen erhalten. Darüber hinaus gab es eine Reihe von Abgängen aus diversen persönlichen Gründen, wie beispielsweise Ruhestand oder Eigenkündigungen, so dass heute 40 Leute weniger in der Firma arbeiten als noch vor einem Jahr. Im Moment sind 298 Mitarbeiter beschäftigt plus 25 Azubis. In einigen Bereichen arbeiten wir auch mit etwa 35 Leiharbeitern.

Nun hat die Gewerkschaft behauptet, dass zu viele Leute gehen mussten, sodass wegen der Aufträge Überstunden geleistet und am Sonnabend gearbeitet werden musste, was zu Frust führte. War dem so?

Benno Hank:Nein. Ende letzten Jahres waren sehr hohe Auftragsbestände da und wir hatten überlegt, auch am Samstag zu arbeiten, wozu es aber nicht kam. Alle Mitarbeiter sind jetzt normal ausgelastet. Der Abbau hat genau gepasst.

Stefan Mettler: Ein Mitarbeiterabbau ist extrem schmerzhaft. Aber wenn die Auftragslage runtergeht, muss man die Kosten anpassen. Versäumt man das, gerät das Unternehmen in Schieflage.

Hat sich das Unternehmen stabilisiert oder kommt es zu weiteren Entlassungen?

Benno Hank: Wir sind ein Lohnfertiger und haben kein eigenentwickeltes Produkt, auch deswegen sind Prognosen schwierig. Wir versuchen in diesen Tagen, unsere Planung für 2020 zu finalisieren. Stand heute kommen wir mit unserer aktuellen Belegschaftsstärke aus.

Aber eine Standortgarantie haben Sie nur bis Mitte 2020 abgegeben.

Benno Hank: Mitte letzten Jahres haben wir über eine Reduzierung tariflicher Leistungen verhandelt und im Gegenzug bis Mitte 2020 Garantien abgegeben. Über eine Verlängerung muss dann wieder neu verhandelt werden. Angesichts der schwierigen Wirtschaftslage können wir einen weiteren Personalabbau nie ausschließen. Aber ich glaube, dass uns der Schnitt, also die Struktur- und Kostenanpassung, geglückt ist. Und so wie wir mit unseren Kunden unterwegs sind, haben wir eine gute Chance, mit dieser Struktur sauber durch das Jahr 2020 zu kommen. Alles weitere ist Kaffeesatzlesen.

Leidet die Firma unter Fachkräftemangel?

Stefan Mettler: Wir haben in Meuselwitz eine sehr günstige Situation, weil sich die Mitarbeiter gegenseitig empfehlen. Das hilft uns auch, ausreichend junge Menschen für unser Unternehmen begeistern zu können. An anderen Standorten, wie beispielsweise in Leipzig, ist das viel schwieriger. In Meuselwitz haben wir es etwas leichter, was den Nachwuchs betrifft. Wir würden aber durchaus noch vier, fünf jungen Leuten eine Ausbildungsstelle anbieten, zum Beispiel als Gießereimechaniker, Schlosser oder Elektriker.

Was verdient denn ein Gießereimechaniker?

Stefan Mettler: Hier wird solide und gut verdient. Ein ausgebildeter Gießereimechaniker kommt zum Beispiel auf einen Verdienst von rund 3100 Euro im Monat zuzüglich Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Für uns ist eine langfristige Beschäftigung extrem wichtig, denn wir wollen nicht, dass die Leute sofort woanders hingehen, sobald sie eine bessere Möglichkeit finden. Das würde uns extrem schaden.

Benno Hank: Auch im Vergleich mit unseren anderen Gießereien und mit der gesamten Branche steht Meuselwitz sehr gut da.

Ihr wichtigster Produktionszweig, Teile für Windkraftanlagen, ist eingebrochen. Was bedeutet das für ihr Unternehmen?

Stefan Mettler: Windkraft ist für uns weiterhin ein sehr bedeutsames Segment, auch wenn der Produktionsanteil von einst 70 Prozent auf weniger als 30 Prozent gesunken ist. Parallel dazu haben wir in den vergangenen Jahren andere Segmente hinzugenommen, etwa Maschinen- und Werkzeugmaschinenbau, Zementmühlen, Pressenbau und Kraftwerksteile. Damit haben wir eine Spreizung geschaffen, die uns absichert gegen einen empfindlichen Einbruch bei der Windenergietechnik. Dass das geglückt ist, ist ein Indikator für eine extreme Flexibilität unserer Mitarbeiter. Und die Umstellung konnten wir mit der vorhandenen Ausrüstung vornehmen.

Benno Hank: Die Restrukturierung im letzten Jahr hatte ihre wesentliche Ursache ja im starken Rückgang im Windenergiebereich. Das größte Problem ist, dass der Bau der Anlagen an Land maximal ins Stocken geraten ist.

Der einstige Geschäftsführer Herbert Werner hat seine Anteile am Unternehmen an die Silbitz Group Beteiligungs GmbH verkauft und spricht von Vorteilen für den Standort Meuselwitz. Hat er Recht?

Benno Hank:Silbitz sehen wir ganz klar als einen Wettbewerber. Wir haben zum Teil die gleichen Kunden. Wie Herr Werner zu dieser Einschätzung kommt, verstehe ich daher nicht. Dass Silbitz nun einen Minderheitenanteil von 10 Prozent hat, behindert uns nicht, aber wir müssen aus kartellrechtlichen Gründen aufpassen, was den Informationsaustausch betrifft. Hier werden wir sehr sorgfältig, sprich restriktiv sein.

Mit Herrn Wiertz hat ein weiterer Geschäftsführer für Schlagzeilen gesorgt, der überraschend gekündigt hatte. Warum?

Benno Hank: Er hat sich neue Herausforderungen gesucht. Insofern haben wir uns einvernehmlich getrennt. Es gab auch keinerlei Vorkommnisse, die zu irgendwelchen Spekulationen Anlass geben könnten.

Für gehörige Unruhe hat das Thema Deponie-Erweiterung Phönix gesorgt. Musste das sein?

Stefan Mettler: Die Gießerei und die Deponie gehören immer schon zusammen. Für uns ist die Deponie überlebenswichtig, weil wir Reststoffe haben, Sande und Stäube, die entsorgt werden müssen. Irgendwann füllt sich die Deponie und muss erweitert werden. Sie können aber sicher sein: Wir sind unter regelmäßiger Beobachtung der Behörden und verhalten uns natürlich streng gesetzeskonform.

Benno Hank:Zur Erweiterung gibt es ein Planfeststellungsverfahren, in das sämtliche Behörden eingebunden sind. Wir haben zwei DIHAG-Schwester-Unternehmen, die bei uns einlagern. Für eine davon in Arnstadt war es extrem schwierig geworden, Reststoffe zu verbringen. Die zweite Gießerei ist in Schmiedeberg bei Dippoldiswalde. Durch diese Einlagerungen erzielen wir Mehrerlöse, womit auch die Deponie-Erweiterung finanziert werden kann. Was wir überhaupt nicht vorhaben, ist, für Dritte einzulagern.

Wohin fließen die Steuern der Guss und wie viele sind es?

Benno Hank: Die Gewerbesteuer floss und fließt nach wie vor an die Gemeinden Meuselwitz und Lucka. Für das letzte Jahr konnte aber nichts abgeführt werden, weil die Geschäftslage nicht entsprechend war. In guten Jahren erreichen die Zahlungen einen hohen sechsstelligen Betrag.

Von Jens Rosenkranz

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